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Fußball: Oberliga

Tausendsassa mit Lizenz: Wie Preußens Koopmann auf der Rennstrecke landete

Münster

Pascal Koopmann hat schon viel erlebt. Seine neueste Idee: Rennen fahren. Einst saß er auf dem Reifen von Michael Schumacher, heute hat er selbst eine Rennlizenz. Noch aber liegt der Fokus des 32-Jährigen auf dem Fußball bei Preußen Münster II.

Als kleiner Junge 1993 an der Rennstrecke von Spa-Francorchamps: Pascal Koopmann auf dem Reifen des "Benetton F1 1993" vom späteren Rekordchampion Michael Schumacher. Foto: privat

Im August 1993 sitzt ein kleiner Junge auf dem Reifen des Formel-1-Bolliden von Michael Schumacher. Auf der legendären Rennstrecke von Spa-Francorchamps steht der große Preis von Belgien kurz bevor. Bis zur glorreichen Ferrari-Zeit sind es noch Jahre, Schumacher ist noch kein Weltmeister. Dem kleinen Jungen auf dem Foto aber ist das egal. Mit Rennkappe hockt er auf dem Reifen des „Benetton F1 1993“, kann sich nur schwer oben halten. Es sind wohl Momente wie diese aus der frühen Kindheit, die Pascal Koopmann zu einem großem Rennsportfan machten – und den ehemaligen Fußball-Profi von Preußen Münster inzwischen sogar selbst auf die Strecke führen.

„Mein Vater hat mich schon ganz früh mit zur Formel 1 genommen“, erinnert sich Koopmann, der heute für die zweite Mannschaft des SCP in der Oberliga kickt. „Auch heute noch fahren wir zu Events in ganz Europa. Formel 1, DTM, 24-Stunden-Rennen – so verbringen wir unsere Zeit, wenn gerade kein Fußball ist.

„Da spürt man ganz andere Kräfte"

Oder aber auch mal, obwohl gerade doch Fußball ist. Während seine Kollegen am 18. September auf dem Platz standen und sich mit 0:0 vom TuS Bövinghausen trennten, befand sich Koopmann gute 170 Kilometer entfernt und drehte seine Runden auf der berühmten Nordschleife des Nürburgrings. Seit diesem Wochenende ist der 32-Jährige stolzer Inhaber der nationalen Fahrerlizenz. Streckensicherheit, Flaggenkunde, Praxis – Koopmann ist jetzt bestens aufgestellt. Mit seinem VW drehte er einige Runden, setzte sich bei einem Kurskollegen aber auch mal in einen schnelleren Wagen. „Das war schon krass, da spürt man ganz andere Kräfte. Das ist was ganz anderes als an der Konsole“, sagt er beeindruckt.

Erkundet die Rennstrecken Europas zusammen mit seinem Vater gerne mit dem Fahrrad: Pascal Koopmann. Foto: privat

Einfach nur bei Rennen zuzugucken hatte Koopmann irgendwann nicht mehr gereicht. Erst versuchte sich der gebürtige Altenberger im „Simracing“ an der Konsole, irgendwann sei darüber dann der Kontakt zum Bonk-Motorsport-Team aus Münster entstanden. „Ich wurde dann gefragt, ob ich nicht Lust hätte, mal selbst auf die Strecke zu gehen – das hatte ich“, sagt er. „Ich bin jetzt noch nicht in Rennen unterwegs. Aber wie du im Fußball als Trainer eine Lizenz brauchst, so brauchst du das auch im Rennsport. Im Prinzip bin ich jetzt also dazu berechtigt.“ Nur zum Spaß aber war die Nummer am Nürburgring nicht, stellt Koopmann klar. „Ich habe schon den Plan, tatsächlich Rennen zu fahren. Aber aktuell schaffe ich das neben dem Fußball nicht.“

Unter Dotchev einst zwei Jahre Preußen-Profi

Koopmann ist ein echter Tausendsassa, hat mit seinen 32 Jahren schon enorm viel erlebt. Unter SCP-Trainer Pavel Dotchev absolvierte er 2014 zwei Drittliga-Partien für die erste Mannschaft, gehörte zwei Jahre zu den Profis. Für ganz oben aber reichte es nicht. „Damals war ich einfach zu jung im Kopf. Dann kommst du in eine gestandene Profimannschaft, und die zeigen dir dann mal, wie es läuft. Damit bin ich nicht richtig klargekommen“, erinnert er sich.

Als sein Vertrag endete, ging es bei den Preußen nicht mehr weiter. „Für mich war dann relativ schnell klar, dass ich nicht mehr alles dafür tun werde, um Profi zu werden“, sagt Koopmann. Aus der Bahn warf ihn das aber keinesfalls. Er beendete seine Ausbildung, arbeitete zwischenzeitlich als Videoanalyst und „halber Co-Trainer“ bei Sportfreunde Lotte und ist heute Videoredakteur beim Philippka-Sportverlag in Münster.

Führungsfigur bei Preußen Münster II

Über den SC Roland Beckum und Borussia Münster landete Koopmann, der nebenbei auch noch ein begeisterter Speckbrettspieler ist, im Sommer 2021 wieder bei den Preußen. Mit der Zweitvertretung steht er aktuell auf dem dritten Tabellenplatz und absolvierte erst jüngst sein 100. Oberliga-Spiel. Trainer Kieran Schulze-Marmeling ist ein enger Kumpel, Koopmann eine Führungsfigur. „Meine Erfahrungen kann ich an die Jungs weitergeben. Das macht mir total Spaß und ist für die anderen auch viel wert. Das sagen sie mir auch immer wieder mal“, weiß er.

Pascal Koopmann hat erst jüngst sein 100. Oberligaspiel absolviert. Bei der Zweitvertretung der Preußen nimmt er die jüngeren Spieler auch mal an die Hand – eine Rolle, die ihm Spaß macht. Foto: Wilfried Hiegemann

Eine Zeit lang werden seine Mitspieler noch von ihm profitieren. Wenn die Stollenschuhe dann an den Nagel gehängt sind, soll der Rennhelm aufgesetzt werden. Vielleicht kommt der eine oder andere Fußball-Kumpel ja mal am Nürburgring vorbei. „Das wär‘s“, lacht Koopmann und verspricht: „Ich mache eine Box klar für alle.“

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