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Fußball: Westfalenpokal-Finale

Rödinghausens Roboter entnerven die Preußen

Münster

Zweiter Sieger im Doppelpack. Eine Woche nach der Vizemeisterschaft in der Regionalliga West musste Preußen Münster auch den Traum von der Titelverteidigung im Westfalenpokalfinale begraben. Im Elfmeterschießen setzte sich der SV Rödinghausen durch.

Von Alexander Heflik

Darius Ghindovean scheitert am Rödinghauser Tormann Alexander Sebald. Der SVR benötigt nur drei Elfmetertreffer, Münster verschießt drei Mal. Foto: Jürgen Peperhowe

Alexander, der Große. Bei Preußen Münster spielte keiner mehr, der diesen Vornamen trägt, der Langlitz Alex war zu diesem Zeitpunkt ausgewechselt. Also muss es ein Spieler des SV Rödinghausen gewesen sein, der sich diesen Ehrentitel angelte. Ein Torwart, Alexander Sebald, er hielt gleich drei – zugegebenermaßen schwach geschossene – Elfmeter. Jan Dahlke, Henok Teklab und Darius Ghindovean scheiterten an Sebald.

Rödinghausen sicherte sich mit dem 3:2 im Elfmeterschießen, nachdem es 1:1 nach der regulären Spielzeit gestanden hatte, nicht nur den Erfolg im Westfalenpokal, sondern auch das Ticket für die Hauptrunde im DFB-Pokal. Der SC Preußen ist raus, keine zusätzlichen rund 300.000 Euro, keine lukrative Kür auf nationaler Ebene. Die Saison endet hier, Vizemeisterschaft in der Regionalliga und Finalist im Westfalenpokal, zweiter Sieger im Doppelpack.

Rödinghausen raubt SCP den letzten Nerv

6480 Zuschauer wurden Zeuge, wie Rödinghausen den Gastgebern immer und immer wieder, wie eine gefühllose Roboter-Elf, den Nerv raubte. Rödinghausen kratzte den SCP, kitzelte den SCP, ärgerte die Preußen – und das bis aufs Blut. Die Geschichte einer eigentlich an Chancen armen Partie ist schnell, vielleicht auch kurios erzählt. Vor der Pause hatte Münster durch Thorben Deters (6.), Deniz Bindemann (28.) und Julian Schauerte (45.) etwas mehr als vernünftige Halbchancen. Rödinghausen blieb im defensiven Quälgeist-Modus unterwegs.

Dann wurde es skurril, weil zunächst nach einer Stunde Schauerte auf der rechten Seite fast eine auf dem Rasen verweilende Taube überrannte, was ihm aber von keiner Tierschutzorganisation wirklich vorgeworfen werden dürfte. Und praktisch im Gegenzug traf der eingewechselte Damjan Marceta, zunächst narrte er den zögerlichen Robin Ziegele und überwand dann Max Schulze Niehues zum 0:1 nach 61 Minuten.

Kurioser Ausgleich durch Teklab

Es blieb kurios, weil dem Elfmeter zum Ausgleich durch Teklab eine Nachlässigkeit von Rödinghausens Routinier Daniel Flottmann vorausging. Einen Schiedsrichterball spielte er nicht an, Gerrit Wegkamp wurde es zu bunt, als er dem Ball hinterher stürmte wurde er von Julian Wolff umgestoßen. Teklab traf hier sicher.

Später, als die Siegerehrung vorbei war, trottete er wie alle anderen mit gesenktem Kopf in die Kabine. „Sorry“, er entschuldigte sich, wollte aber nichts sagen. Wie alle anderen auch. Ziegele verschenkte noch pflichtbewusst ein letztes Trikot. Jannik Borgmann machte noch eine Reihe von Bildern mit Fans, mancher packte seine Sachen in blauen Plastiktüten zusammen. Im Elfmeterschießen waren die Preußen nicht mehr auf den Punkt gekommen.

Preußen improvisiert bei Elfmeterschützen

„Julian Schauerte und Jan Dahlke wollten unbedingt schießen“, sagte Trainer Hildmann später. Kapitän Schauerte verwandelte sicher, Dahlke eben nicht. Und auch Teklab und Ghindovean nicht. „Das ist eine Lotterie“, befand Hildmann später. Man habe das Elfmeterschießen nicht trainiert.

Die Auswahl der Schützen wirkte dementsprechend auch improvisiert. Rödinghausen wirkte da, wie auch in den Zweikämpfen und dem Grenzgang in seinen Aktionen, entschlossener und wilder als der SCP. Die Gäste waren spielerisch schwächer, in Sachen Mentalität besaßen sie aber einen Vorsprung.

Statistik zum Spiel

Schulze Niehues: „Das war bodenlos“

Diese Aggressivität legten einige der Sieger auch bei der Ehrung durch den Verband nicht ab. Die Preußen gingen durchs Spalier der Rödinghauser, wie abgesprochen, doch blöde Kommentare machten das zum Spießrutenlauf für die Adlerträger.

„Das war respektlos von Rödinghausen“, sagte Torwart Schulze Niehues, bekannt für seine Höflichkeit und Zurückhaltung, kopfschüttelnd. Der Moment der Niederlage tat weh, das aber potenzierte alles noch einmal: „Verhöhnung ist einfach bodenlos.“ Ein bescheidenes, unwürdiges Ende.

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