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Fußball: Regionalliga West

Freude über seltenen Sieg überlagert Gesamtauftritt der Preußen

Lotte

Die hohe Bedeutung des ersten Punktspielsiegs bei den SF Lotte seit 2009 war vielen im Lager von Preußen Münster anzumerken. Auch die Wechselspiele waren zumindest in Teilen aufgegangen. Doch insgesamt war die Vorstellung nur selten überzeugend.

Von Thomas Rellmann

Vor den eigenen Fans jubelt es sich doch am besten. Foto: Jürgen Peperhowe

Die letzten zehn Minuten inklusive Nachspielzeit liefen am Mittwoch völlig untypisch für das Preußen Münster dieser Saison. Die Spieler prügelten die Bälle nur so raus aus der Gefahrenzone, Entlastung hatte keiner mehr im Sinn. Die finale Taktik hatte Erfolg. 3:2 (1:1) gewannen die Adlerträger beim Auswärts-Angstgegner SF Lotte. Kein Glanzstück, einfach nur drei Punkte. Der SCP brach sich einen ab und war doch am Ende ein Gewinner, da Fortuna Köln (1:2 gegen Bonn) parallel Federn ließ.

Kritik mussten sich die Gäste dennoch anhören. Auch von ihrem Trainer, vor allem weil nach dem 1:0 und 3:1 der eigene Jubel jäh erstickt wurde. „Da machen wir endlich einen und kriegen dann direkt selbst das Tor. Die Gegentreffer taten weh, die haben wir uns selbst ja reingeschaufelt, gerade das erste mit einer unglücklichen Zweikampfführung“, so Sascha Hildmann. Davon angesprochen fühlen musste sich Simon Scherder. „Er hatte keinen guten Tag, hat mir nachher selbst gesagt, dass er Bälle falsch eingeschätzt hat. Aber er ist auch sehr reflektiert“, sagte der Coach, der zur Pause wechselte. „Wir mussten reagieren, aber Simon soll sich keinen Kopf machen.“

Remberg vermeidet Sperre in Wuppertal

Der Innenverteidiger war einer von fünf Neuen in der Startelf. „Keiner kann vier, fünf Partien in zwei Wochen machen“, sagte Hildmann, der Rückkehrer Dominik Klann lobte und auch den selten in Szene gesetzten Jan Dahlke in Schutz nahm. „Es war kein einfaches Spiel für ihn, da wurde oft gerangelt mit den beiden anderen Ochsen.“

Dagegen zeichneten sich zwei Akteure, die frisch in die Startelf gerückt waren, mit Toren aus. Allen voran Doppelpacker Luke Hemmerich. „Überrascht war ich nicht, 90 Minuten zu spielen“, sagte er. Zunächst 25 auf der rechten Seite, wo sich der 24-Jährige etwas wohler fühlt, dann links, von wo er zweifach traf. „Ich freue mich sehr für ihn“, sagt Hildmann. „Alle gehören dazu, das müssen sie auch spüren. Ich denke, es gibt allen ein gutes Gefühl, wenn sie Verantwortung bekommen. Das ziehen wir auch weiter genau so durch.“

Den dritten Treffer steuerte Nicolai Remberg nach seiner Verschnaufpause bei. Mit dem Knie nach einer Ecke, die Marcel Hoffmeier minimal verlängert hatte. „Wie es fällt, ist doch egal“, sagte er. Erneut vermied der Schlüsselspieler die fünfte Verwarnung und ist auch Sonntag in Wuppertal (14 Uhr) dabei. „Ich denke über die fünfte Gelbe Karte nicht nach. Sie wird kommen. Diesmal habe ich 20-mal gefoult und bin so davongekommen.“ Vielleicht gelingt Remberg der Spagat ja noch mal. Denn der übernächste Gegner ist Fortuna Köln.

Preußens zwei Chancen auf Platz eins

Die Freude über die Punkte überlagerte bei den Preußen die unnötigen Gegentore, das Zitterspiel zum Schluss und letztlich auch den Gesamtauftritt. Die fast skurrilen Platzverhältnisse (Hemmerich: „Darüber sollten wir uns nicht beschweren“) dienten nur bedingt als Ausrede dafür, dass Münster einem doch arg limitierten Gastgeber lediglich zwischen den Toren zwei und drei für rund 20 Minuten überlegen war.

„Ja, wir haben die erste Hälfte gebraucht, um reinzufinden“, räumte Hildmann ein. „Wir haben uns schwer getan, den Weg in die Spitze zu finden, zu langsam aufgebaut. Auch in den Zweikämpfen und bei zweiten Bällen war es zu wenig. Nach der Halbzeit hatten wir dann mehr Kontrolle, aber mit dem 3:1 muss Ruhe sein.“

War aber nicht. Immerhin war auf Keeper Max Schulze Niehues und die Abwehr um Robin Ziegele, der das dritte Tor per Diagonalball super eingeleitet hatte, in der Endphase Verlass. „Es war wie immer, Lotte hat auch nie aufgegeben“, sagte Hildmann. Weil der SCP den Sieg über die Ziellinie brachte, gibt es am Wochenende sogar zwei Chancen auf die Tabellenführung. Erst Freitag am grünen Tisch bei der Verhandlung des Abbruchs in Essen – und Sonntag dann beim Wuppertaler SV, während RWE erneut coronabedingt pausiert.

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