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Fußball: DFB-Pokal

Preußen Münster bringt VfL Wolfsburg an Rand einer Niederlage 

Münster

Ein sehr beherzter Auftritt von Preußen Münster in der 1. DFB-Pokal-Hauptrunde wurde nicht belohnt: Nur denkbar knapp verpasste der Regionalligist die Sensation. Erst nach Verlängerung musste sich der SCP dem Erstligisten VfL Wolfsburg geschlagen geben.

Von Thomas Rellmann

Ein Duell auf Augenhöhe: SCP-Neuzugang Thorben Deters (r.) behauptet den Ball gegenüber Nationalspieler Ridle Baku.  Foto: Wilfried Hiegemann

Potzblitz, war das knapp! Um ein Haar wäre der VfL Wolfsburg, anders als befürchtet, doch keine zu große Nummer für Preußen Münster gewesen. Wenige Minuten fehlten zur vielleicht größten Sensation des Wochenendes. Erst dank eines Treffers kurz vor Ablauf der regulären Spielzeit und einer kraftvolleren Verlängerung setzten sich die Niedersachsen mit 3:1 (0:0, 1:1, 2:1) durch. 

„Es war eine überragende Leistung von uns, ganz toll“, sagte Trainer Sascha Hildmann. Was er noch nicht ahnte: Wegen der sechs Wölfe-Wechsel ist Runde zwei noch möglich, ja sogar wahrscheinlich. Referee Christian Dingert vermerkte den Fauxpas im Spielbericht. Die Regelung mit sechs Auswechslungen galt bei der EM, im DFB-Pokal explizit aber nicht.

Starker Beginn des SCP

„Wir wurden von den Zuschauern getragen, einfach ein schönes Erlebnis.“ Die ganze Partie hatte was von Seelenbalsam für die Fans nach eineinhalb verlorenen Jahren. Die Hausherren servierten ihrem Publikum genau das, wonach sie gelechzt hatten. Elf Löwenherzen gegen den Favoriten. Den Wölfen dämmerte früh, dass das kein Glücklos war. Nach einer Viertelstunde bot sich Jan Dahlke die erste Schusschance. Sein VfL-Pendant Wout Weghorst hatte im Gegenzug fast ein leeres Tor vor der Nase, köpfte nach Renato Steffens Ecke aber seltsam daneben (17.). 

Zwar wurden die eigenen Vorstöße des Außenseiters seltener, die leidenschaftliche Vorstellung honorierten die Ränge aber weiterhin, zumal auch der Bundesligist kaum zwingender wurde. Alexander Langlitz erarbeitete sich mit Grätschen, die Wirkung wie Signalwert hatten, sogar einen kleinen Fanclub auf der Gegengerade und erhielt laute Sprechchöre.

20. Stelle im Kader bleibt frei

Standing Ovations zur Halbzeit

Die Null stand zur Pause. Ein Teilerfolg. Die Münsteraner wähnten vielleicht sogar das Momentum in ihren Reihen. Denn mit dem Abpfiff ließ der VfL eine Dreifachgelegenheit über Lukas Nmecha, Weghorst und Steffen liegen, bei der erst Keeper Max Schulze Niehues und dann noch Simon Scherder auf der Linie retteten. Standing Ovations von der Tribüne zur Halbzeit. Das kam sogar vor Corona lange nicht vor an der Hammer Straße. 

Der Lärmpegel setzte sich nahtlos fort, als Remberg aus der Distanz nur um Zentimeter den Kasten verfehlte (46.). Auf der anderen Seite parierte Schulze Niehues gegen Weghorst (48.). Ein Schlagabtausch. Ridle Baku (54., 69.), Anthony Brooks (56.) und Josip Brekalo, der auch an Schulze Niehues scheiterte (71.), hatten die nächsten Möglichkeiten für die bissiger werdenden Wölfe.

Die Preußen-Kräfte langten nur noch selten für eigene Angriffe, doch die Entschlossenheit in der Deckung schwand nicht. Als der SCP mal wieder eine Ecke rausholt, sprang der eingewechselte Joshua Holtby wie ein Flummi auf und ab, um die Kurve zu animieren. Und ja, es war zwar erst der nächste Standard – aber dann war er drin, der Ball! Holtbys Eckball köpfte Marcel Hoffmeier auf den kurzen Pfosten, Koen Casteels reagierte zu spät, und das Stadion rastete aus vor Glück (74.). Was sich in dieser Sekunde alles entlud, einfach Wahnsinn!

Lange Schlangen, laute Ränge

Hoffmeier überwindet Casteels

Vorher war’s kurz vor der Abwehrschlacht, jetzt wurde es eine. Brooks drüber (76.), Maximilian Philipp in die Arme von Schulze Niehues (83.) und ans Außennetz (84.) – irgendwie ging es immer gut. Bis zur 90. Minute. Da machte es der VfL einmal schnell. Kevin Mbabu durfte von rechts recht unbedrängt flanken, auch Brekalo hatte viel zu viel Platz und machte den Ausgleich (90.). Verlängerung statt Ekstase - so kurz davor. 

Marvin Thiel ging mit einer Handverletzung („Ich hatte tierische Schmerzen“) lange schon auf dem Zahnfleisch, Schlüsselspieler Dennis Daube musste sogar raus. Trotzdem tauchte Joker Deniz Bindemann auf einmal allein vor Casteels auf, blieb aber gestört von Mbabu zweiter Sieger (100.).

Preußen-Joker verpasst erneuten Führungstreffer

Und dann passierte es halt auf der Gegenseite. Maximilian Arnolds Ecke verlängerte Sekunden nach seiner Einwechslung Sebastiaan Bornauw auf Weghorst, der null Mühe mit dem Kopf hatte, weil Schulze Niehues vorbeigesegelt war (102.).

Der zweite Tiefschlag für den tapferen SCP! Von dem erholte sich der Gastgeber nicht mehr, auch wenn Scherder noch einmal freie Schussbahn hatte (120.). Knapp vorbei – dafür machte Baku nach Brekalos Hereingabe noch das 3:1 (120.+1). Die längste Ehrenrunde seit Jahren hatten sie sich dennoch verdient.

Statistik

SCP: Schulze Niehues – Schauerte, Hoffmeier, Scherder, Thiel – Daube (95. Kloth) – Schwadorf (60. Holtby), Remberg – Langlitz, Dahlke (68. Wegkamp), Deters (59. Teklab/91. Bindemann)

VfL: Casteels - Baku, Lacroix (102. Bornauw), Brooks, Roussillon (98. Gerhardt) – Guilavogui (60. Arnold), Schlager – Philipp (102. Mehmedi), L. Nmecha (60. Mbabu), Steffen (46. Brekalo) – Weghorst

Schiedsrichter: Christian Dingert (Lebecksmühle)

Tore: 1:0 Hoffmeier (74.)

Zuschauer: 6703

Gelbe Karten: Hoffmeier, Remberg, Kloth / Steffen, Philipp, Lacroix, Brooks, Baku

Kommentar: Profis mit Gänsehaut

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