Fußball: Regionalliga West

Preußen Münster siegt nach Bindemann-Gala

Düsseldorf

18 Spiele in Serie ungeschlagen: Der SC Preußen Münster marschiert in meisterlicher Manier durch die Regionalliga – leider ohne etwas mit der Meisterschaft zu tun zu haben. Dennoch macht es derzeit Spaß, den Preußen zuzusehen, die beim 4:2 gegen Fortuna Düsseldorf mit Dreifach-Torschütze Deniz Bindemann schon mal Hoffnung auf den Titelkampf im kommenden Jahr machten.

Thomas Rellmann

Völlig losgelöst: Überflieger Deniz Bindemann war mit drei Treffern überragender Mann des Spiels. Gratulant Alexander Langlitz (l.) legte mit dem vierten Treffer für einen perfekten Preußen-Abend in Düsseldorf nach.. Foto: Jürgen Peperhowe

Vierter Sieg am Stück, 18. Spiel ohne Niederlage – alles nette Serien. Nach dem 4:2 (3:1) von Preußen Münster im Nachholspiel bei Fortuna Düsseldorf II sprach aber niemand über Statistiken, sondern alle nur über Deniz Bindemann. Das Sturmtalent erzielte alle drei Treffer vor der Pause und hat nun in der Regionalliga etwa alle 40 Minuten ein Tor gemacht. Na gut, das sind dann doch wieder (individuelle) Zahlen.

„Für einen Stürmer eine gute Ausbeute“, sagte Trainer Sascha Hildmann lapidar. Er will den 18-Jährigen nicht zu sehr hypen – logisch. Auskunftsfreudiger war er bei der Analyse der Partie: „Ein sehr, sehr guter Auftritt. Die Spielfreude war allen anzusehen. Einziger Makel war das Gegentor gegen zehn Mann. Vielleicht ein zu großer Spannungsabfall.“

Keine Experimente

Auch wenn Saisonphase und Tabelle es hergeben, verzichten die Adler weiter auf Experimente. Zumindest nominell. Vielmehr nutzen sie die lange Spielzeit, um Dinge zu verfestigen, die sich im Laufe der vergangenen Monate  als Plus erwiesen haben. Pressing, Diagonalbälle, taktische Flexibilität, Standardvarianten, Ruhe in der Deckung etwa. Der nasse Rasen bot zwar nicht das optimale Probierfeld, doch der Aufbau, zu dem der SCP erneut gezwungen war, ließ sich in Abschnitt eins sehen.

Bindemanns erster Streich

Bald schlug sich das im Resultat nieder. Gerrit Wegkamps Lupfer (5.) war noch kein Problem für Torwart Tim Wiesner. Nach einer Ecke von Dennis Daube war aber Youngster Deniz Bindemann mit dem Kopf zum 1:0 zur Stelle (14.). Immer wieder erfolgte gewinnbringend der lange wie präzise Schlag aus der Kette, das war auf dem Boden so gewollt. „Das war so besprochen und wurde gut umgesetzt“, so Hildmann. „Wir wollten mit der schnellen Verlagerung hinter die Sechserkette kommen.“ Auch das dauerhafte Anlaufen brachte schnelle Erträge. Eine runde Vorstellung. Bis aus dem Nichts Georgios Siadas nach einem Steilpass Alexander Langlitz davonlief und unter Mitnahme des Innenpfostens ausglich (21.).

Bindemann zum Zweiten

Münsters Antwort war Wegkamps nächste Chance. Nach Steilpass von Julian Schauerte kratzte Moritz Montag seinen Versuch von der Linie (25.). Sekunden später war die Kugel doch drin. Wieder leitete Schauerte die Szene ein, diesmal per Flanke. Wegkamp verlängerte, Bindemann war noch mal mit dem Kopf da – 2:1 (26.).

... und zum Dritten

Langlitz hätte nun nach Vertikalanspiel von Marcel Hoffmeier erhöhen müssen, Wiesner war aber im Weg (30.).  Die Schlagzeilen waren sowieso für einen Jungen reserviert, der einfach immer richtig stand. Bindemann erzielte auch den dritten Preußen-Treffer. Wegkamp hatte eine Langlitz-Hereingabe nur dezent und eher unabsichtlich verlängert. Der A-Jugendliche hatte aus wenigen Metern noch weniger Mühe mit dem 3:1 (37.). Und für Fortuna kam es noch übler: Wiesner musste raus aus dem Kasten, als Nicolai Remberg Langlitz bedienen wollte. Mit Ball in der Hand rutschte er über die Strafraumlinie und sah Rot (44.).

Plötzlicher Bruch in Durchgang zwei

Der Gast wollte im zweiten Durchgang ein wenig das Überzahlspiel üben. Doch so entspannt war die Nummer nicht. Wegkamp, der für das Angriffsspiel  einmal mehr seinen Wert nachwies, ließ die gegen Wiesner-Ersatz Tobias Müller die nächste Möglichkeit liegen (50.). Auch Bindemann traf nicht alles, etwa nach einem super Vortrag über den eingewechselten Joshua Holtby und Niklas Heidemann (57.). Den Münsteranern war etwas Entschlossenheit abhanden gekommen. So gelang den Rheinländern mit ihrem bis dato einzigen Vorstoß dieser Halbzeit das 2:3, das Vincent Schaub von rechts vorbereitete, ehe Siadas vollstreckte (62.).

Interview mit Alexander Langlitz

Alexander Langlitz war an einigen wichtigen Aktionen beteiligt. Am Ende beseitigte der 30-Jährige die letzten Zweifel.

Haben Sie allmählich Angst, dass Deniz Bindemann mit jetzt sieben Treffern Sie mit zwölf einholt in der internen Knipser-Wertung?

Langlitz: Nee. Aber man sieht, dass er ein echter Torjäger ist. Er hat ein gutes Näschen. Ich freue mich für ihn, weil er die Sache mit Demut angeht und Tipps von anderen aufnimmt und nutzt.

Trotzdem erleichtert, dass Sie noch ein Tor beisteueren konnten?

Langlitz: Klar, da war der Deckel drauf. Vorne hat es im Dreieck mit Deniz und Gerrit Wegkamp ganz gut geklappt.

Wie konnte die Phase mit Gegentreffer und Elfmeter in Überzahl denn passieren?

Langlitz: In der Kabine haben wir es noch 100-mal angesprochen, aber anscheinend kommt man nicht in alle Köpfe. Das passiert anderen auch. Aber es ist leichtsinnig. Daran müssen wir arbeiten. Rote Karten für den Gegner dürfen nicht zum Nachteil werden.

Dann passierte Seltsames. Düsseldorf bekam Oberwasser. Schaub lief Jannik Borgmann davon, wurde von ihm aber fair am Torschuss gehindert. „Ich habe den Ball gespielt“, sagte der Verteidiger. Dennoch gab Referee Felix Weller Elfmeter. Den jedoch parierte Marko Dedovic gegen Enrique Lofolomo, den Nachschuss drosch Siadas an den Pfosten (66.). „Ob ich den auch bekommen hätte, weiß ich nicht. Den hat er volley mit roher Gewalt genommen“, so der Keeper. Alles, was vor der Pause so leicht ausgesehen hatte, war in diesen Minuten trotz Überzahl  verflogen.

Zumindest beendete Langlitz, der eine starke Heidemann-Flanke einnickte (69.), das Zittern.  Remberg (76., 87.) und Wegkamp (80.) hätten dem Kräfteverhältnis sogar noch mehr Ausdruck verleihen können.

Deters heißer Kandidat

Der zweite Neuzugang nach Jan Dahlke steht bei den Preußen in den Startlöchern. Vom Drittligisten VfB Lübeck soll Thorben Deters an die Hammer Straße wechseln. Mit dem Neuling droht ihm zwei Spieltage vor Schluss zwar als Vorletzter der Abstieg, doch in die Regionalliga zum SCP würde er freiwillig wechseln.

Der 25-Jährige, dessen Vater Bernd Rekordspieler des SV Meppen ist,  verließ die Emsländer Anfang 2019 und kam nach Stationen bei Fortuna Düsseldorf II und dem Lüneburger SK Hansa zur Lohmühle. In dieser Saison kommt der Offensivspieler auf 32 Partien (zwei Tore, fünf Assists).  Insgesamt lief er 53-mal in der 3. Liga und 61-mal in der Regionalliga Nord auf.

Mannschaftsaufstellungen

Fortuna Düsseldorf 2: Wiesner – Montag, Touglo, Oberdorf, Stöcker – Sieben (46. Lofolomo) – Schaub, Kummer (89. Kuhinja), Fink (45.+2 Müller), Siadas – Meuer (60. Bornemann)

SCP: Dedovic - Hoffmeier, Scherder, Borgmann (67. van Eijma) – Schauerte, Daube (55. Holtby), Heidemann – Remberg – Langlitz (81. Mekonnen), Wegkamp, Bindemann (76. Möbius)

Schiedsrichter: Felix Weller (Neunkirchen)

Tore: 0:1 Bindmann (14.), 1:1 Siadas (21.), 1:2 Bindemann (26.), 1:3 Bindemann (37.), 2:3 Siadas (62.), 2:4 Langlitz (69.)

Gelb: Borgmann, Scherder –

Besonderes Vorkommnis: Dedovic hält Foulelfmeter von Lofolomo (67.)

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