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Fußball: Regionalliga West

Preußen Münster zieht im Spitzenspiel den Kürzeren

Dortmund

Es ist ein schwacher Trost, dass der SC Preußen Münster Ligaprimus Borussia Dortmund II am Dienstagabend im Stadion Rote Erde mächtig quälte und ins Schwitzen brachte. Unter dem Strich setzte es mit dem 0:2 die zweite Saisonniederlage und die Erkenntnis, dass die Spitze der Regionalliga West kurz in Sicht-, nicht jedoch in Greifweite war.

Thomas Rellmann

Preußen-Stürmer Joel Grodowski bringt sich kraftvoll in Position, blieb aber in Dortmund am Ende ohne Torerfolg. Foto: Jürgen Peperhowe

in Glück in den Schlüsselszenen und dazu ein Kontrahent, der wie ein Meisterschaftsanwärter aufspielte – das waren die Gründe für die 0:2 (0:2)-Niederlage von Preußen Münster im Top-Spiel bei Borussia Dortmund II. Der Tabellenführer ist nun ein gutes Stück enteilt, dabei lieferte der SCP trotz der Gegentreffer vor der Pause einen bissigen und couragierten Auftritt und warf auch in Hälfte zwei alles nach vorn.

„Wir sind hingefallen, stehen wieder auf“, sagte Trainer Sascha Hildmann. „Ich kann den Jungs in Sachen Einsatz wenig vorwerfen. Wir müssen aus solchen Spielen weiter lernen.“

„Ich glaube, ich konnte da nicht viel machen. Nur den einen Schritt raus hätte ich mir sparen müssen“, sagte der Keeper. Wenige Sekunden später schon zog Steffen Tigges ab, diesmal aber war Schulze Niehues zur Stelle (8.). Der BVB trat mit dem Anpfiff unglaublich aggressiv, laut- und laufstark auf, hatte ein extrem variables Positionsspiel. Münster wollte dagegenhalten, war aber hinten zunächst unsortiert.

Gelbe Karte für Trainer Hildmann

Die Intensität war für Regionalliga-Verhältnisse sehr hoch – und der SCP trotz Rückstand mittendrin. Grodowski besaß nach Flanke von Niklas Heidemann auch eine Großchance, doch den Schuss kratzte Torhüter Stefan Drljaca von der Linie (19.). Nach den anschließenden Ecke zog Heidemann aus 16 Metern ab, traf aber nur die Latte (21.). Pech für den Tabellendritten – damit aber nicht genug. Routinier Daube musste kurz darauf verletzt vom Feld.

Trainer Sascha Hildmann, den einige Entscheidungen von Referee Thibaut Scheer (Essen) wie ein ungeahndetes Halten von Drljaca gegen Atilgan im Sechzehner (9.) zur Weißglut brachten und der sich so Gelb einhandelte, brachte Naod Mekonnen (26.). Doch Münster blieb dran, erarbeitete sich viele Standards, die nun Erdogan ausführte. Benedikt Zahn köpfte etwa nach einer Ecke knapp vorbei (30.). Der Ausgleich wäre verdient gewesen.

Stattdessen zogen die Hausherren in der Nachspielzeit der ersten Hälfte noch mal an. Erst scheiterte Tigges an Schulze Niehues (45.+1), dann aber zog Franz Pfanne, der froh war, noch nicht Gelb-Rot gesehen zu haben, aus 16 Metern stramm und unhaltbar zum 2:0 ab (45.+2).

Schwächerer zweiter Abschnitt

Dortmund presste auch nach der Pause in den ersten Minuten konsequent und effektiv, so kam Kolbeinn Finnsson zu einer Gelegenheit (52.). Die hohen Bälle der Adler blitzten hingegen in der Regel an der körperlich überlegenen Innenverteidigung der Schwarzgelben ab. Bei allem Bemühen entfachte der Herausforderer bei weitem nicht mehr die Szenen wie vor der Pause.

Alarm war weiterhin auf dem Rasen, aber viele Wechsel und schwindende Kraft, dazu eine abgeklärte U 23 raubten dem SCP den Nerv. „Es war zwar ein Spiel auf ein Tor, aber wir waren nicht mehr richtig zwingend“, so Hildmann. Die einzige Möglichkeit durch Simon Scherder ergab sich erst kurz vor Schluss (89.). Da war die Hoffnung schon erloschen.

Mannschaftsaufstellungen:

BVB: Drljaca – Hippe, Dams, Maloney – Duman (82. Ercan), Hober (62. Harlass), Pfanne, Finnsson – Tachie (62. Krebs), Tigges, Bakir (66. Bah-Traore)

SCP: Schulze Niehues – Langlitz, Scherder, Hoffmeier, Heidemann (79. Frenkert) – Daube (26. Mekonnen) – Atilgan (68. Schwadorf), Schauerte, Erdogan, Grodowski (73. Touray) – Zahn

Schiedsrichter: Thibaut Scheer (Essen)

Tore: 1:0 Bakir (6.), 2:0 Pfanne (45.+2)

Gelb: Pfanne, Hober / Zahn, Mekonnen

Kommentar

Selten fiel es den Preußen so schwer, ein halbwegs belastbares Saisonziel zu formulieren wie diesmal. Erst im Juli stand fest, in welcher Spielklasse die Adler antreten. Dann dauerte die Kaderzusammenstellung lange, und schließlich begleiten den Sport in diesen Monaten ohnehin unendlich viele Fragezeichen.

Mit der Niederlage bei der BVB-Reserve scheint der Zug nach ganz oben fürs Erste abgefahren. Auch wenn der nie offizielles Ziel war. Klar, sechs Punkte lassen sich sogar mit einem Spiel weniger aufholen. Doch das würde extrem schwer, zumal sich Dortmund keine Blöße gibt. Auch der reife Auftritt am Dienstag beeindruckte. Die Münsteraner, die zwar gegen die halbprofessionell aufgestellte Konkurrenz alles gewonnen, jedoch bisher kein fürs obere Drittel infrage kommendes Team geschlagen haben, spielen eine vernünftige Serie. Die Auswärtsergebnisse (zwei Siege in sieben Spielen) lassen sich aber nicht ausblenden.

Dennoch werden die Preußen die Saison nicht aufgeben, sondern irgendwie dranbleiben, immer mal wieder Richtung Platz eins schielen. Allein schon, um im Gespräch zu bleiben, Kraft für neue Anläufe zu sammeln – und um zur Stelle zu sein, falls BVB oder Essen schwächeln.

Von Thomas Rellmann

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