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Fußball: Oberliga

Preußen Münsters Pascal Koopmann: "Ich war früher selbst ein Chaot"

Münster

Mit 31 Jahren ist Pascal Koopmann beim Oberliga-Team des SC Preußen Münster der mit Abstand älteste Spieler. Im Interview mit unserer Zeitung spricht er über die Jugend von heute, seine Anfänge im Seniorenbereich und eine Gelb-Sperre.

Von Jonas Austermann

Leitwolf: Pascal Koopmann geht mit seinen 31 Jahren bei Preußen Münster II in der Oberliga voran.  Foto: Wilfried Hiegemann

Früher war er ein Chaot, heute ist Pascal Koopmann bei Preußen Münster II der verlängerte Arm von Trainer Kieran Schulze-Marmeling. Ein Gespräch über Generationsunterschiede, Koopmanns Rolle und Führungsqualitäten.

Sie sind mit 31 Jahren der Älteste im Team, der Großteil ist 19 oder 20. Kommen da Vater-Gefühle auf?
Koopmann: Nee, also Vater-Gefühle möchte ich das nicht nennen. Es ist aber schon so, dass ich merke, dass meine halbwegs alten Kollegen Jan Klauke (27), Marius Mause (24) und ich die reifsten sind. Die Jüngeren sind nicht komplett jung geblieben oder machen nur Schwachsinn, aber in einigen Situationen ist es schon wichtig, dass jemand dabei ist, der einen anderen Blick auf die Dinge hat.

Inwiefern unterscheiden sich die Jungen heute von Ihrer Generation?
Koopmann: Ich glaube, dass meine Generation in diesem Alter fußballerisch noch nicht so weit entwickelt war. Unsere Mannschaft hat ein sehr hohes Potenzial und jede Menge Talent. Als ich vor neun Jahren in die U 23 kam, habe ich noch nicht so eine Rolle gespielt wie die Jungs heute. In der Kabine gibt es heute andere Themen als früher. Es geht vermehrt um Youtube, Tiktok oder Instagram. Ich bin diesen Dingen aber nicht fern und finde es wichtig, dass wir Älteren die Sprache der Jüngeren sprechen. Wir leben nicht komplett auf einem anderen Stern. Wir gehen auch zusammen essen und haben abends Spaß. Im Großen und Ganzen sind wir immer noch Fußballer, die viel Quatsch reden.

Trainer Kieran Schulze-Marmeling beschreibt Sie als „idealen Führungsspieler“. Wie leben Sie das aus?
Koopmann: Ich hatte in den drei Jahren bei Borussia Münster eine ähnlich junge Mannschaft, auch da war ich der Älteste. Vieles ist Empathie. Ich war als junger Spieler selbst ein Chaot, habe viel Quatsch gemacht – das kommt mir heute total zugute. Ich kann mich gut in die Jungs hineinversetzen. Ich führe außerdem die Mannschaftskasse, damit habe ich die Jungs im Griff (lacht).

"Wir stellen uns oft doofer an als der Gegner"

Und auf dem Platz?
Koopmann: Ich rede viel und habe die Ruhe am Ball. Wenn eine Mannschaft gegen mich starkes Pressing spielt, ist mir das gelinde gesagt egal. Wichtig ist auch die Härte, die man als älterer Spieler einbringt. Wir sind in manchen Situationen nämlich noch nicht clever genug.

Wie war die Rückkehr in die Oberliga rein sportlich?
Koopmann: Das war gar kein Problem. Nicht deshalb, weil ich der geilste Fußballer bin, sondern weil das Niveau bei Borussia schon sehr hoch war, was die fußballerische Anlage betrifft. Wir haben dort alles flach von hinten rausgespielt, ähnlich spielen wir bei Preußen. Mein Problem war die Fitness. Nach der Corona-Zeit hat es etwas gedauert, bis ich voll da war.

Nach 14 Oberliga-Partien liegt Ihr Team auf Platz 14. Wie sehen Sie die Runde?
Koopmann: Es hört sich doof an, aber wir haben viel zu wenig Punkte geholt für die Art, wie wir gespielt haben. Ich habe mich sonntags auf der Rückfahrt oft gefragt, warum wir nicht gewonnen haben. Wir waren in den 14 Spielen nur dreimal wirklich schlechter. Bei uns kommt leider zu selten etwas Zählbares raus. Kieran hat es schön formuliert: Bei allen talentfreien Aktionen wie Arbeit gegen Ball, Kämpfen oder Cleverness haben wir Defizite. Wir stellen uns oft doofer an als der Gegner.

Am Sonntag geht‘s gegen Kaan-Marienborn, Sie sind gelbgesperrt. Wie erleben Sie Spiele vom Seitenrand?
Koopmann: Ich bin voll dabei, aber immer mit einer großen Portion Spaß und Witz. Für mich ist es wichtig, bei den Jungs, die auf der Bank sitzen und vielleicht unzufrieden sind, für gute Laune zu sorgen. Ich stelle mich nicht zu den Zuschauern und esse eine Bratwurst.

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