Fußball: Westfalenpokal

Preußen nehmen auch als Außenseiter in Verl das Finale ins Visier

Münster

Die letzte große Herausforderung der Saison ist für Preußen Münster der Westfalenpokal. Beim Drittligisten SC Verl haben die Adler die Chance, sich für das Endspiel zu qualifizieren. An der gängigen Spielweise möchte Trainer Sascha Hildmann trotz Außenseiterrolle nichts ändern.

Von Thomas Rellmannund

Mit der Rückkehr von Dennis Daube verbinden die Preußen auch die Hoffnung auf mehr Mittelfeld-Stabilität. Foto: Jürgen Peperhowe

Ein weiteres Ziel hat Preußen Münster am Wochenende erreicht, ein anderes ist geplatzt. Platz drei in der Liga ist den Adlern nicht mehr zu nehmen, die erste Niederlage seit September (1:2 in Wegberg- ­Beeck) dominierte aber natürlich die Gefühlslage. Nun ist es Zeit, sich einen neuen Anreiz zu schaffen. Der Westfalenpokal im Miniaturformat kommt da wie gerufen. Im Halbfinale beim SC Verl am Mittwoch (18 Uhr) ist der SCP eher Außenseiter, doch den Pott möchte Trainer Sascha Hildmann aus dieser Rolle heraus erst recht holen, auch wenn die DFB-Pokal-Teilnahme über die Liga längst abgesichert ist.

„Deshalb können wir befreit aufspielen, während der Gegner das Ticket noch lösen muss. Die Situation ist für uns also besser“, sagt der Coach. Tief formieren will er seine Elf trotz des Klassenunterschieds nicht. „Wir müssen weiter mutig bleiben, nach vorn verteidigen. Es wäre fatal, wenn wir unser ganzes Konzept jetzt ändern.“ Da spielt es auch keine Rolle, dass die Ostwestfalen (im Viertelfinale 3:1-Sieger beim SC Wiedenbrück) neben Standards vor allem über Umschaltmomente erfolgreich sind. „Es ist wichtig, dass wir verhindern, dass sie ins Pressing reinkommen und so Ballverluste provozieren“, sagt Hildmann. Qualitativ erkennt er einen gewissen Unterschied zu den Regionalliga-Spitzenteams aus Dortmund und Essen. „Da sehe ich Verl noch mal besser besetzt.“

Erste Schlappe 2021 aufgearbeitet

Gern wäre der Pfälzer mit 19 Begegnungen ohne Niederlage in dieses Duell gegangen. Doch in Wegberg-Beeck setzte es am Samstag die erste Schlappe des Jahres. „Wir haben das aufgearbeitet“, sagt er. „Es lag an vielen Faktoren. Wir waren gedanklich nicht schnell genug, zu unpräzise, im letzten Drittel zu kompliziert und auch zu einfallslos.“ Allzu lange aufhalten sollen sich die Spieler mit dem Rückschlag aber nicht. Personell wird es so oder so erneut ein paar Änderungen geben. Sicher ist, dass Dennis Daube, dessen Wert auch während der 90-minütigen Verschnaufpause noch mal deutlich sichtbar wurde, zurückkehrt. Bangen muss der SCP hingegen um Alexander Langlitz, der eine Nackenverletzung vom Auswärtsspiel mitbrachte. Sollte der Routinier aussetzen müssen, spricht vieles für ein 3-5-2-System. Schließlich fallen mit Jules Schwadorf und Joel Grodowski (sitzt bei seinem künftigen Arbeitgeber verletzt auf der Tribüne) zwei weitere offensive Außen weg. Kandidaten für den Platz neben Daube und Nicolai Remberg wären ­Joshua Holtby, der genesene Okan Erdogan oder Dominik Klann. Noch kein Thema ist Max Schulze Niehues zwischen den Pfosten.

Überraschend starker Drittligist

Der ehemalige Preußen-Akteur Guerino Capretti (2008 bis 2010) hat den SC Verl zur Überraschungsmannschaft der 3. Liga geformt. Schon der Aufstieg im Vorjahr war eine kleine Sensation, nun wird der Neuling die Saison mindestens als Siebter abschließen. Gerade auswärts trumpften die Ostwestfalen oft auf, am Samstag ging das Heimspiel gegen Waldhof Mannheim hingegen 0:1 verloren. In der neuen Saison muss der Club allerdings wohl nach Lotte ausweichen, da die Arena an der Poststraße nicht die erforderlichen 10 000 Plätze aufweist. Die gestattete Übergangsspielzeit endet laut DFB-Statut. Die Top-Schützen sind Zlatko Janjic und Aygün Yildirim mit je 14 Treffern. Weitere Leistungsträger: Keeper Robin Brüseke, Kapitän Julian Stöckner, US-Boy Mael Corboz und Routinier Justin Eilers. Eine Liga über Preußen spielte Verl schon mal: 2007/08 in der Regionalliga, nachdem der Underdog Oberliga-Meister geworden war.

„Uns erwartet eine außergewöhnliche Aufgabe, wir haben ein richtig dickes Ding vor der Brust“, sagt Hildmann. „Wir wollen aber auch unbedingt ins Endspiel.“ Der „Tag der Amateure“ sei eine „sehr coole“ Angelegenheit. „Unsere Chancen werden wir kriegen, auch wenn die Verler absoluter Favorit sind.“ Wenn die Profis vor dieser Aufgabe so heiß sind wie ihr Trainer, steht einem erfolgreichen Abend wenig im Weg.

Der FLVW bietet einen ­Facebook-Livestream beider Halbfinals (parallel wird SF Lotte gegen SV Rödinghausen angepfiffen) an. Sky-Kommentator Hansi Küpper sitzt in Verl am Mikro.

SCP: Dedovic – Hoffmeier, Scherder, Borgmann – Schauerte, Daube, Heidemann – Erdogan, Remberg – Wegkamp, Bindemann

Liveticker aus Verl ab 17.30 Uhr:

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