Fußball: Regionalliga West

Preußen-Serie endet in Wegberg-Beeck unter wildem Geschrei

Wegberg-Beeck

Nach 18 Partien ohne Niederlage stolperte der SC Preußen beim 1:2 gegen den FC Wegberg-Beeck überraschend. Am Mittwoch steht das Halbfinale im Westfalenpokal gegen den Drittligisten SC Verl an. Trainer Sascha Hildmann hofft dann auf einen Leistungsschub bei seiner Mannschaft.

Alexander Heflik

Mitten ins Tor, mitten ins Preußen-Herz: Yannik Leersmacher (2.v.l., Rückennummer 31) trifft in der Schlussminute zum 2:1. Foto: Sebastian Sanders

Das beschauliche Wegberg, Stadtteil Beeck – im Umland sprießen in der Regel die Kohlköpfe, pitoresk ist die Anfahrt zum Spielort, 100 Meter vor dem Stadion liegt der Beecker Friedhof. Genau hier endet die Superserie des SC Preußen Münster. Ungeschlagen war das Team von Trainer Sascha Hildmann in der Regionalliga, 18-mal hatte der Tabellendritte nicht verloren.

Und dann war es alles andere als angenehm im Waldstadion, als der FC Wegberg-Beeck die Preußen mit 2:1 (0:0) förmlich niederrang, niederschrie. In der Schlussminute traf Yannik Leersmacher aus dem Gewühl nach einer Ecke zum Sieg für den Außenseiter. Der Ball landete mitten im Tor – mitten ins Herz der erfolgsverwöhnten Preußen.

Horsch-Serien unangetastet

Unter Helmut Horsch blieb der SCP in den Oberliga-Spielzeiten 1987/88 und 1988/89 jeweils über 20 Meisterschaftsspiele am Stück ungeschlagen, ehe der Titelgewinn perfekt, die Aufstiegsrunde zur 2. Bundesliga erreicht war. So gesehen war das auch schon eine bemerkenswerte Ausbeute der Hildmann-Auswahl bis zu diesem Tag. Doch in Wegberg-Beeck wirkte der SCP einerseits nicht so ausgeschlafen und abgezockt wie in den letzten Wochen, und bekam andererseits einen Vorgeschmack auf das, was in der nächsten Saison die Häscher mit dem dann vermutlichen Titelanwärter zu veranstalten gedenken.

Keine Angst vor dem SCP

Wer angstvolle Gastgeber erwartet hatte, die vor den erfolgreichen Adlern kuschen würden, der wurde getäuscht. Wegberg, eine Fahrstuhlmannschaft zwischen fünftklassiger Mittelrheinliga und Regionalliga, ließ dem SCP nicht einen Augenblick Ruhe. Die Spieler zerrten und rissen am Gegner, nervten die Preußen in Ballbesitz kolossal, nervten die Preußen ohne Ball kolossal. Am Spielfeldrand schreckte auch Trainer Mark Zeh nicht davor zurück, Hildmann in dessen eigener Coaching-Zone „anzupesten“.

Auf der Tribüne saßen zehn Personen, die mit Ordner-Westen ausgezeichnet waren, mit ihrer Schreierei aber für alles, nur nicht für Ordnung sorgten. Es war ein eigenartiges Geisterspiel, weil die wenigen Menschen im Stadion unheimlich viel Aufhebens machten. Die Wegberger deutlich mehr als die faden Preußen. Der SCP verlor viel zu viele Zweikämpfe, fand nie ins Spiel. Münster wurde diesmal gejagt und gehetzt.

Lautes Geisterspiel

In der noch recht ordentlichen ersten Hälfte hatte der SCP je zweimal durch Alexander Langlitz (4.. 21.) und Simon Scherder (32., 33.) herausragende Chancen, zudem ein doch umstrittenes Abseitstor durch Deniz Bindemann (15.). „Ein gebrauchter Tag, auf jeden Fall. Vor das Pause war das okay“, war Hildmanns Urteil zwiespältig. Denn: „In der zweiten Halbzeit haben wir uns zu viele technische Fehler geleistet. Vielleicht waren wir etwas müde.“

Das Wegberger Schrei-Spektaktel auf dem Spielfeld, am Seitenrand und auf der Tribüne wurde nach der Pause zum Inferno. Unglaublich, aber es war wirklich so. Der Außenseiter witterte die Chance auf den Coup. Erst recht, als André Mandt zum 1:0 getroffen hatte (53.). Ein Kunstschuss, allerdings hatte der SCP davor im Mittelfeld die Orientierung verloren. Joshua Holtby, der dieses Mal in der Zentrale für Dennis Daube ran durfte, rückte ins Zentrum der Kritik. Dass der Spielmacher ausgewechselt wurde (54.), begründete Hildmann so: „Ihm fehlte die Zweikampfhärte. Das eine ist Fußball, das andere Arbeit.“

Maloche war angesagt

Das Spiel war eindeutig und nur Maloche. Und doch: Gerrit Wegkamp verwandelte kurz vor Ende einen Handelfmeter (Yannik Leersmacher) souverän (83.). „Ich war mir sicher, dass wir nach dem 1:1 noch gewinnen“, so Hildmann. Das Gegentor zum 1:2 (90.+1) durch Leersmacher, als die Abwehr erst recht leichtfertig eine Ecke zuließ und dann fahrig verteidigte, zeigte: Es war ein gebrauchter Tag.

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