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Fußball: Regionalliga West

Preußen tragen Trauer und bleiben viertklassig

Münster

Ein paar Tränen legten sich über die Hammer Straße. Der Blick der Offiziellen, Spieler und Schlachtenbummler des SC Preußen Münster ging gefühlt ins Leere. Dort, wo 14.300 Menschen eine große Party mit ihren Helden feiern wollten, bahnte sich die Enttäuschung ihren Weg.

Von André Fischer

Für einen Moment, dann feierten die Fans ihre Kicker in grünen Shirts und schwarzen Hosen. Der Aufstieg wurde zwar verpasst, aber die Saison ist eine mit Mehrwert. „Feiert unsere Adler für diese tolle Saison“, brachte es Stadionsprecher Martin Kehrenberg auf den Punkt – auch wenn das Gründungsmitglied der Bundesliga mindestens eine weitere Spielzeit in der Regionalliga West kicken muss. Applaus von den Rängen. Münster feierte trotzdem ein kleines Fest.

2:1 (0:1) gegen die Reserve des 1. FC Köln gewonnen, und doch irgendwie verloren, weil RW Essen parallel RW Ahlen mit 2:0 (1:0) in die Knie zwang. Punktgleich gehen diese beiden Konkurrenten in dieser Saison über die Ziellinie mit 87 Zählern, allein das bessere Torverhältnis gibt den Ausschlag zugunsten des Traditionsvereins aus dem „Pott“. Das ist umso bitterer.

Er ist unlängst zu einer Art Tradition geworden, der Platzsturm. Ob in Frankfurt, Köln oder zuletzt auf Schalke – bei großen Festen gibt es kein Halten mehr, fluten die Fans die Arena. Sie wollen ganz nah dran sein am Geschehen, ein Stück Grün erhaschen. Erinnerungen eben an besondere Momente. Liebend gern hätten die Anhänger des SC Preußen am Samstag das Feld in Beschlag genommen, ihre Spieler geherzt und gefeiert. Auf Händen getragen. Alles Träumereien.

Zumindest in Münster. Knapp 100 Kilometer weiter waren die Bilder andere. An der Hafenstraße in Essen stieg die emotionale Sause, stürzte sich das Volk auf seine erfolgreichen Kämpen. Nach so vielen Anläufen ist RWE zurück im Profifußball, nachdem das Team in all den Jahren in unglücklicher Regelmäßigkeit eine mitunter gute Saison auf der Zielgeraden noch verspielt hat. Legende Helmut Rahn, der WM-Siegtorschütze von Bern 1954, hätte an diesem Samstag ein Lächeln auf den Lippen. So eng liegen Freud und Leid im Sport beisammen.

Fanmarsch vom Aasee zum Preußenstadion

Ole Kittner, Geschäftsführer Marketing, Strategie und Kommunikation bei den Preußen, war unmittelbar vor dem Anpfiff noch zuversichtlich: „Wenn wir das schaffen, reißen wir hier die Hütte ab, dann brauchen wir schon morgen ein neues Stadion“, sagte er mit einem hoffnungsvollen Lächeln auf den Lippen. Es war alles angerichtet, Hunderte von Fans hatten sich bereits am Morgen am Aasee versammelt und marschierten geschlossen und lautstark gen Stadion, die Hammer Straße musste vorübergehend gesperrt werden. Die Polizei hatte alles unter Kontrolle. Jetzt mussten es nur noch die Protagonisten auf der Wiese richten.

Ole Kittner

Coach Sascha Hildmann baute seine Startelf im Vergleich zur Vorwoche um, für Luke Hemmerich verteidigte hinten links Jannik Borgmann, für Thomas Kok, Jules Schwadorf und Gerrit Wegkamp rückten Manuel Farrona Pulido, Thorben Deters und Deniz Bindemann in die Formation. Die Zuschauer sahen von Beginn an engagierte, aber auch nervöse Preußen, die nahe an der Abseitskante standen – und Köln mit dieser Spielweise Chancen ermöglichten. Nach zwölf Minuten zappelte das Leder sogar im Kasten von Max Schulze Niehues. Stille im Rund – die Fahne von Assistent Florian Visse war oben. Glück gehabt. Ein kollektives Durchatmen. Auch, als Thomas Kraus aus 14 Metern frei per Volleyabnahme zum Abschluss kam (17.). Vorbei.

Kölner gehen vor der Pause in Führung

Münster verteidigte nicht nur, versuchte nach und nach auch in der Offensive Akzente zu setzen. Henok Teklabs Hereingabe nach 21 Minuten verpassten Bindemann und Deters. Nur eine Nuance später versuchte sich Alexander Langlitz an einem Dribbling im Strafraum der Gäste, ging zu Boden (22.). Kein Strafstoß. Sechs Minuten später stand wieder Langlitz nach einer Ecke im Mittelpunkt, als er sich das Leder an Gästetorwart Daniel Adamczyk vorbeilegte – zu weit. Dann legte RW Essen im Fernduell vor, Cedric Harenbrock traf per Kopf zur Führung (29.). Jetzt mussten schon fünf Treffer her für Münster. Aber das erste Tor wollte einfach nicht fallen, Farrona Pulido natzte nach 32 Minuten gleich zwei Gegenspieler im Strafraum, drosch die Kugel aber ans Außennetz. Was für ein Drama.

In Minute 37 wurde es dann mucksmäuschenstill an der Hammer Straße. Ein Konter des „Effzeh“ über Lukas Nottbeck und Kraus landete bei Joshua Schwirten am linken Strafraumeck, der Schulze Niehues mit seinem Schuss in den Winkel keine Chance ließ. Stark gemacht. Nur eine Minute später musste Münsters Keeper gegen Oliver Issa Schmitt Kopf und Kragen riskieren (38.). Was war denn hier los? Schulze Niehues, eher ein besonnener Typ, platzte der Kragen, er fuhr verbal aus der Haut. Köln machte das gut, ohne Frage, war ein Gegner, der an diesem letzten Spieltag nichts herschenkte.

Frische SCP-Kräfte nach dem Wechsel

Hildmann brachte nach dem Wechsel zwei frische Kräfte, der lange Gerrit Wegkamp ging vorne rein, ersetzte Bindemann, Manfred Kwadwo kam für den glücklosen Alexander Langlitz. Münster im Vorwärtsgang, Kwadwo legte fein in den Raum, Deters vollendete mit einem Schieber unter die Latte. Was ging noch? Die Fans waren wieder da, jetzt war Stimmung in der Hütte. Und Essen? Steuerte schnurstracks gen Aufstieg. Simon Engelmann machte nach 60 Minuten das 2:0. Jetzt musste Münster mit 6:1 gewinnen.

Die Chancen dazu waren durchaus da, Kölns Keeper Adamczyk kratzte Robin Ziegeles Schuss aus der linken Ecke – und tauchte auch beim Pfund des eingewechselten Darius Ghindovean sensationell ab. Die Führung lag in der Luft. Es war ein Anrennen der Preußen, ein vergebliches. Trainer Hildmann setzte alles auf eine Karte, brachte nach 66 Minuten den bulligen Jan Dahlke für Deters.

Und es sollte noch mal Hoffnung aufkeimen, Marcel Hoffmeier traf nach abgefälschter Standard-Hereingabe von Ghindovean mit einem Flachschuss zum 2:1 (72.). Dann legte Wegkamp quer auf Dahlke, der das leere Tor nicht traf (75.). Das sind diese Hundertprozentigen, von denen die Experten immer sprechen. Dann traf Teklab den Pfosten (78.). Unfassbar! Dahlkes 3:1 in der 89. Minute wurde die Anerkennung verweigert, er soll den Ball laut Schiedsrichter Nico Fuchs mit der Hand gespielt haben. Das war es, auch wenn fünf Minuten Nachspielzeit obendrauf kamen. Münster hatte es in der Hand, hätte mit etwas mehr Glück im Abschluss das Ding richtig spannend machen können. So durfte RW Essen schon ein paar Minuten früher ausgelassen feiern.

Pokal-Endspiel am kommenden Samstag

Auch wenn die Saison jetzt vorbei ist, geht sie für den SCP in die Verlängerung. Am kommenden Samstag steigt im eigenen Wohnzimmer das Endspiel im Westfalenpokal gegen den SV Rödinghausen (16.40 Uhr). Ein ganz wichtiges Spiel, immerhin zieht der Sieger in die erste Runde des DFB-Pokals ein. Lukrativ allemal – und die Chance, sich wieder mit einem „Großen“ zu messen. Erst danach ist Schicht im Schacht, dann wird sich Trainer Sascha Hildmann traditionell für eine Woche gen Rügen zum Angeln verabschieden. Die Pause wird er brauchen.

SCP: Schulze Niehues – Schauerte, Ziegele, Hoffmeier, Borgmann – Deters (66. Dahlke), Remberg, Farrona Pulido (60. Ghindovean) – Langlitz (46. Kwadwo), Bindemann (46. Wegkamp), Teklab

FC: Adamczyk - Sponsel (56. Höffler), Henning, Winke, Kuyucu – Nottbeck, Strauch (58. Suchanek) - O. Schmitt, Petermann (77. Wydra), Schwirten – Kraus (56. Mittelstädt)

Tore: 0:1 Schwirten (37.), 1:1 Deters (49.), 2:1 Hoffmeier (72.)

Zuschauer: 14 300 (ausverkauft)

Schiedsrichter: Nico Fuchs (Odenthal)

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