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Fußball: Regionalliga West

Preußen verliert gegen Wuppertal nach schwacher zweiter Hälfte verdient

Münster

Nach drei Siegen in Serie musste Preußen Münster am Samstag wieder einen empfindlichen Dämpfer hinnehmen. Vor einer Spitzenkulisse von 9588 Zuschauern unterlag der Tabellenführer im Top-Spiel dem Wuppertaler SV mit 0:1 (0:0).

Von Thomas Rellmann

Auch diese Kopfball-Einlage von Preußen-Spieler Nicolai Remberg konnte an der Heimniederlage gegen den Wuppertaler SV nichts mehr ändern. Foto: Jürgen Peperhowe

Die erste Heimniederlage der Saison stürzt Preußen Münster zwar nicht gleich ins nächste Tief. Doch das 0:1 (0:0) gegen den Wuppertaler SV könnte vor allem deshalb noch weh tun, weil die Adler so den vor der Saison als schärfsten Aufstiegsrivalen ausgemachten Kontrahenten vielleicht zurück ins Titelrennen holten. Dessen Taktik ging voll auf, der SCP hatte im Angriffsspiel kaum Ideen parat und kassierte nicht unverdient die dritte Schlappe gegen einen Traditionsverein. Die Herbstmeisterschaft wurde zudem ebenfalls vertagt.

Coach Sascha Hildmann war natürlich bedient, sparte aber Vorwürfe aus: „Wir haben eine sehr gute erste Halbzeit gespielt, hatten ein gutes Positionsspiel, wenn auch ohne die ganz großen Chancen. Wir standen dann beim 0:1 schlecht, haben uns etwas verzockt. Weil wir mehr riskiert haben, alles versucht haben, hatte der Gegner ein paar Konterchancen. In der Box hatten wir eher unglückliche Aktionen.“ Heftige Worte fand Stürmer Andrew Wooten zum Gegentreffer: „Leichter kann man kein Tor verteidigen. Da müssen wir uns hinterfragen, wie einfach es ist, gegen uns zu treffen. Ein Befreiungsschlag, und es steht 0:1 – das kann man auch in der Bezirksliga verteidigen.“ Verteidiger Niko Koulis sagte: „Ich finde, dass wir einen Punkt verdient gehabt hätten, weil wir bei den Spielanteilen die Oberhand hatten.“

Preußens Startelf unverändert

An der Startelf änderte sich bei den Hausherren nichts. Allerdings mussten drei Reservisten der Vorwochen mit einem Magen-Darm-Infekt passen: Thorben Deters, der ohnehin verletzte Simon Scherder und Ersatzkeeper Tom Müller, für den Roman Schabbing auf der Bank saß. Wieder im Kader war nach fast fünfmonatiger Verletzungspause Lukas Frenkert. Der 22-Jährige hat seinen Knöchelbruch auskuriert.

Direkt nach Anpfiff wurde die Partie gleich mal unterbrochen, weil Münsters Ultras ein Geburtstagsfeuerwerk zündeten. Als es dann weiterging, bot sich Nicolai Remberg nach einem Standard gleich die erste Chance (3.), Ex-Münsteraner Lion Schweers blockte – mit der Hand? Der Pfiff blieb aus, aber der SCP am Ball. Der Spitzenreiter ergriff gleich die Initiative in einem zweikampfbetonten Spiel, in dem Robustheit gefragt war.

Eine halbe Stunde Rasenschach ohne Höhepunkte

Beide Mannschaften setzten auf einen ruhigen Aufbau von hinten nach vorne, bekamen dabei aber auch immer Gegnerdruck. Der Versuch, so Ballverluste zu erzwingen, war logisch, denn aus dem Spiel heraus gab es kaum ein effektives Durchkommen. Auf Torszenen warteten beide Seiten vergeblich, die Gäste suchten mit Ausnahme von Kevin Hagemann auch gar nicht erst den Weg in die gefährliche Zone. Eine halbe Stunde Rasenschach ohne Höhepunkte mit leichten Vorteilen für den SCP war die Folge.

Der WSV stellte mit der Zeit auch das Pressing ein, schoss aber durch Bastian Müller (Freistoß ans Außennetz/36.) erstmals aufs Tor. Marco Stiepermann legte sogar nach (38.), aber alles recht harmlos. Die Preußen scheuten auch zumeist das Risiko, oder war das einfach geduldig? Plötzlich, als alle schon gedanklich beim Halbzeitfazit waren, hätte es fast doch noch gerappelt. Wuppertals Abseitsfalle ging einmal nicht auf, Gerrit Wegkamp hatte Platz im Strafraum, heraus kam halb Schuss, halb Querpass – doch an den reichte Henok Teklabs Fußspitze nur noch leicht heran. Da wäre viel mehr möglich gewesen (45.+2).

Auch Durchgang zwei startete mit Verzögerung, weil es nun im Gästeblock qualmte. Als es losging, gab Marc Lorenz gleich mal den ersten Schuss ab (46.). Doch dann fiel auf einmal auf der Gegenseite das Tor! Bei einem langen Ball bekam Thomas Kok seinen Gegenspieler Serhat Güler nicht in den Griff, der legte dann ab auf Marco Stiepermann, der aus 16 Metern unter Mitnahme des Innenpfostens den Ball ins Netz schlenzte (49.).

Schlechter hätte es gar nicht laufen können, jetzt lag eine Mauertaktik der Bergischen noch näher. Vor allem aber intensivierten die Gäste nun ihr Zeitspiel. Da wurde jede kleine Gelegenheit genutzt, um Zeit von der Uhr zu nehmen. Die Adler standen hilflos daneben. Lorenz hätte beinahe mit einem Freistoß geantwortet, aber Schlussmann Franz Langhoff lenkte das Leder um den Pfosten (57.). Der WSV war dennoch zugleich das giftigere Team, kochte die Münsteraner gerade im letzten Drittel immer wieder ab und verhinderte so wie auch über den Konterweg ein Powerplay. Ehrlicherweise suchte der Tabellenfünfte sogar wesentlich häufiger die Offensive.

20 Jahre Ultra-Bewegung

Den Preußen hingegen fiel nicht viel ein. Ein paar Flanken, ja – aber keine Abnehmer. Ein paar Versuche aus der Distanz – aber keine Präzision. Es war klar, dass es nur noch mit der Brechstange funktionieren würde. Als nach einer Wegkamp-Flanke Andrew Wooten mal zum Abschluss kam, jagte er den Ball in die vierte Etage (75.). Noch größer war die Gelegenheit des gerade eingewechselten Tobias Peitz, der bei einem Gegenstoß nach Güler-Anspiel freistehend an Torhüter Max Schulze Niehues scheiterte (79.). Eine Initialzündung für die Endphase?

Wuppertals Betondeckung hält dem Anrennen stand

Nein, Wuppertals Betondeckung hielt dem Anrennen stand. Ein Wegkamp-Volleyschuss flog deutlich drüber (88.). Vier Minuten Nachspielzeit waren zwar aus WSV-Sicht gnädig, aber die Preußen kamen ohnehin kaum mehr für ein Tor infrage. Stattdessen verhinderte Schulze Niehues nach Grotes abermaligem Ballverlust gegen Moritz Montag (90.+2) und Wegkamps Fehlpass gegen Güler (90.+3) sogar noch weitere Gegentreffer, die natürlich dem Risiko geschuldet gewesen wäre. Dennoch ging der Spitzenreiter nach einer ganz schwachen zweiten Hälfte völlig verdient als Verlierer vom Rasen.

SCP: Schulze Niehues – Koulis, Kok (86. Langlitz), Hahn – Teklab (61. Oubeyapwa), Remberg, Grote, Lorenz – Bouchama (69. Bindemann) – Wegkamp, Wooten

WSV: Langhoff – Pytlik, Schweers, Berisha – Hanke (46. Montag), Rodrigues Pires (85. Prokoph), Müller (74. Henke), Hagemann – Demming – Stiepermann (79. Peitz), Güler

Schiedsrichter: Felix Weller (Neunkirchen)

Zuschauer: 9588

Tor: 0:1 Stiepermann (49.)

Gelb: Teklab, Remberg / Berisha, Hagemann, Müller, Demming, Schweers, Langh

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