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Fußball: Regionalliga West

Preußens Monstersieg: Borgmann trifft in der Nachspielzeit zum 2:1 gegen Aachen

Münster

Das ist ein Monstersieg, das sind drei ganz wichtige Punkte auf dem Weg in eine kräftezehrende Regionalliga-Spielzeit. Durch einen Treffer in der Nachspielzeit von Defensivspieler Jannik Borgmann (90.+3) setzte Preußen Münster am Samstag im Westschlager die Alemannia aus Aachen matt.

Von André Fischer

Nach dem Siegtreffer in der Nachspielzeit war der Jubel bei den Preußen-Spielern groß. Foto: Jürgen Peperhowe

Die Kombo von Trainer Sascha Hildmann war vor allem in der zweiten Hälfte klar tonangebend. Nur das erlösende Tor ließ auf sich warten. Bis, ja bis sich Borgmann im Strafraum der Gäste um die eigene Achse drehte und das Leder in die rechte Ecke schob. Mit ganz viel Gefühl. Stark gemacht. Tolles Spiel, toller Auftakt. Die Preußen machen Lust auf so viel mehr.

Die Tradition liegt klar vorne. Ja, RW Essen und der SC Preußen Münster sind die Top-Favoriten auf den Aufstieg in die 3. Liga. In einer Umfrage unter den Regionalliga-Trainern gab es keine zwei Meinungen. SCP-Coach Sascha Hildmann äußerte sich gewohnt kleinlaut: „Ich habe Essen, Fortuna Köln, Rot-Weiß Oberhausen und den Wuppertaler SV auf der Rechnung. Die Möglichkeiten von RWE übertreffen den Rest der Liga.“ So zurückhaltend muss der SCP nach dem famosen Sieg am Samstag gar nicht sein. Warum auch?

4104 Zuschauer an der Hammer Straße, darunter 400 Gästefans – wie vor einer Woche beim DFB-Pokalspiel gegen die Bundesliga-Wölfe aus Niedersachsen herrschte eine tolle Atmosphäre im Rund des altehrwürdigen Stadions. Der Hunger, die Lust auf einen tollen Kick ist nach all den Entbehrungen der vergangenen Monate während der Pandemie riesig, die Freude auf ein Liveerlebnis in den Gesichtern zu sehen. Hoffentlich bleibt das so, stabilisieren sich die Zahlen wieder.

Getriebeschaden am Gäste-Bus

Geduld war indes am Samstag erst mal gefragt. Der Mannschaftsbus der Gäste legte am Kamener Kreuz einen unfreiwilligen Zwischenstopp ein – Getriebeschaden. So wurde es knapp. Erst um 13.35 Uhr fuhr das Gefährt auf dem Parkplatz hinter der Haupttribüne vor. Der Spielbeginn wurde um 20 Minuten verschoben. Zeit genug, vor dem Spiel noch eine Ehrung vorzunehmen. Für die Preußen-Fans gab es nach dem deutschen nun auch den europäischen Fairnesspreis. Mit einer bemerkenswerten Aktion und lautstarken „Nazis raus“-Rufen hatten sie beim Spiel gegen die Würzburger Kickers im Februar 2020 auf einen Rassismus-Vorfall reagiert. Applaus von den Rängen.

All jene, die ein Ticket ergattert hatten, sahen zudem prominenten Besuch auf der Bank der Alemannia. Trainer Patrick Helmes, der 2019 unter anderem mit den ehemaligen Münsteranern Arne Barez und Ovid Hajou seinen Fußball-Lehrer absolvierte, hat immerhin 13 Länderspiele in seiner Vita stehen. Der 1. FC Köln, Bayer Leverkusen und der VfL Wolfsburg – das waren seine Stationen im Oberhaus. Alles andere als ein unbeschriebenes Blatt ist auch sein Assistent. Uwe Grauer stand lange bei Borussia Dortmund in Lohn und Brot. Beide haben den Aachenern, die in der vergangenen Spielzeit die Rückrunde als Schlusslicht abschlossen, ein neues Gesicht verpasst. 16 Abgänge gab es, zehn neue Spieler wurden geholt. Ein Umbruch.

Hildmann setzt auf Viererkette

Münsters Trainer Sascha Hildmann hatte sich in der Defensive für die bewährte Viererkette entschieden. Julian Schauerte, Simon Scherder, Marcel Hoffmeier und Jannik Borgmann sollten den Laden dichthalten. Und das gelang zu Beginn ganz ordentlich, auch wenn die Gäste die erste Chance hatten, ein Schuss aus der Drehung von Christian Gartner strich knapp am Kasten von Maximilian Schulze Niehues vorbei (8.). Es war ein munterer Auftakt samt eines wahren Eckenfestivals – hüben wie drüben. Und einer dieser Standards führte nach 15 Minuten zur überraschenden Führung für die Alemannia. Die Ecke von Gartner trudelte an Freund und Feind vorbei – und landete bei Tjorben Uphoff, der den Latschen nur noch hinhalten musste. Der Junge war selbst überrascht – und freute sich umso mehr. Den Zahn hatte er den Preußen erst mal gezogen. Nach und nach leisteten sich die Platzherren immer mehr Ballverluste, vor allem der Fauxpas von Jules Schwadorf hätte böse enden können. Sein Rückpass nach 34 Minuten wurde beinahe ein gefundenes Fressen für Matti Cebulla, Marcel Hoffmeier haute dazwischen. Glück gehabt. Acht Minuten später waren die Preußen dann wieder obenauf – vor allem Schwadorf. Nach einem Ballgewinn im Mittelfeld ging es ganz fix, Schwadorf legte das Leder raus auf Thorben Deters, der mit einem Schlenzer fein vollendete (42.). Ein Zauberfuß, dieser Deters. Mit dem Remis ging es in die Pause.

Möglichkeiten in Hülle und Fülle

Was folgte im zweiten Abschnitt war eine Machtdemonstration des Adlerclubs. Nicolai Remberg brachte nach 46 Minuten Jules Schwadorf ins Spiel, der den Ball versuchte über Aachens Nummer eins, Joshua Mroß, zu lupfen. Ein simpler Flachschuss hätte es auch getan. Es war der Auftakt in richtig starke weitere 45 Minuten. Chancen gab es im Minutentakt. Schwadorf rieb sich auf, war an vielen gefährlichen Situationen beteiligt, ehe er entkräftet für Joshua Holtby Platz machte (73.). Julian Schauerte (54./69.), Thorben Deters (59.), der eingewechselte Gerrit Wegkamp (65.), Borgmann (67.) oder Alexander Langlitz (89.) – es gab Möglichkeiten zur Führung in Hülle und Fülle. Der Ball wollte nur nicht rein. Erst ein Geistesblitz von Borgmann in der dritten Minute der Extrazeit brachte denn doch noch den Laden zum Kochen. Richtig zum Kochen. Die Zuschauer feierten ihre Jungs mit Applaus. Ein besonderes Erlebnis nach so vielen Entbehrungen in all den Monaten. Mit den Preußen ist zu rechnen.

Preußen Münster: Schulze Niehues – Schauerte, Scherder (80. Teklab), Hoffmeier, Borgmann – Remberg, Daube – Schwadorf (73. Holtby) – Langlitz, Dahlke (59. Wegkamp), Deters (59. Bindemann)

Alemannia Aachen: Mroß – Müller, Uphoff, Wilton, Damaschek – Gartner, Bajric – Mause, Cebulla (62. Zahnen), Fejzullahu – Buchheister (84. Schiffer)

Tore: 0:1 Uphoff (15.), 1:1 Deters (42.), 2:1 Borgmann (90.+3)

Schiedsrichter: Kevin Domnick (Duisburg)

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