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Fußball: Regionalliga West

RW Essen: Die Erben des „Bosses“ wollen in den Profizirkus

Münster

RW Essen ist ein Traditionsclub, der seit Jahren mit aller Macht zurück in den Profizirkus strebt. Vor dem großen Saisonfinale gegen RW Ahlen am Samstag herrscht rund um die Hafenstraße das Prinzip Hoffnung bei den Erben von Helmut Rahn.

Von André Fischer

Ein Idol bei RW Essen bis heute: Helmut Rahn, hier 1958 im WM-Viertelfinale für Deutschland gegen Jugoslawien. Foto: dpa

Sein Treffer im WM-Finale gegen Ungarn 1954 löst eine Euphorie in Nachkriegsdeutschland aus. Helmut Rahn, ein Junge aus dem Revier, schießt die Nationalmannschaft zum ersten Titel. Fritz Walter und Co. liegen sich im wolkenverhangenen Bern in den Armen. Weltmeister!

Als Rahn, den seine Freunde und Mannschaftskollegen schlicht „Boss“ nennen, am 14. August 2003, zwei Tage vor seinem 74. Geburtstag stirbt, trägt nicht nur der „Pott“ Trauer – bundesweit haben sie eine Legende verloren. In der Pfarrkirche von Essen würdigen Größen aus Politik und Sport den brillanten Kicker, der RWE 1953 zum DFB-Pokal und 1955 zur ersten und einzigen Meisterschaft führt. Der ehemalige NRW-Ministerpräsident Peer Steinbrück sagt damals: „Sein Tor veränderte die Republik, war Balsam für gestörte Seelen und gab ihr ein Stück Selbstvertrauen zurück.“ Große Worte.

Auf dem Vorplatz der Westkurve, dort, wo Fans und Ultras bei Bratwurst und einem Stauder über ihren Lieblingssport sinnieren, haben sie ihr Vorbild in Bronze gegossen. Seit dem 5. Mai ziert diesen beliebten Sammelpunkt ein Straßenschild mit dem Schriftzug „Helmut-Rahn-Platz“. Hier wird Fußball gelebt. Wenn auch weit entfernt von Glanz und Gloria der Vergangenheit.

Die Statue von Helmut Rahn am Stadion an der Hafenstraße in Essen. Foto: Imago/Team2

Gefühlt seit einer Ewigkeit fristen die Rot-Weißen ihr Dasein in Liga vier. Immer wieder nimmt der Kultverein einen langen Aufstiegsanlauf, immer wieder geht das Unternehmen schief. Der Traditionsverein muss im Juni 2010 gar Insolvenz anmelden. Nach dem Abstieg aus dem Unterhaus 2007 geht es in den Folgejahren sportlich und wirtschaftlich steil begab – runter bis in die NRW-Liga. Essen erholt sich nicht wirklich, steckt seit mehr als einer Dekade in Liga vier fest. Um nun wieder aufzustehen, mit seiner beeindruckenden Fanbase und dem schmucken Stadion an der Hafenstraße von einer Rückkehr in den großen Fußball-Zirkus zu träumen. Mittelfeldspieler Thomas Eisfeld bringt es vor dem alles entscheidenden Duell mit RW Ahlen am Samstag mit wenigen Worten auf den Punkt: „Essen ist ein Verein mit einer Riesen-Wucht. RWE muss in den Profifußball zurück.“

2021 machen die Erben des „Bosses“ erstmals wieder auf sich aufmerksam, stehen gegen Holstein Kiel vor dem Einzug ins Halbfinale des DFB-Pokals – und scheitern beim 0:3 gegen den Bayern-Bezwinger deutlich. Der Aufstieg in die 3. Liga steht über allem. Aber der BVB II ist konstanter, macht‘s. Nun, ein Jahr später, will RWE zum ganz großen Schlag ausholen. Helmut Rahn hätte gewiss nichts dagegen einzuwenden.

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