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Finale furioso

Spektakuläre Schlussphase gegen die Weltmeister

Münster

Zwei Elfmeter, ein Tor und eine rote Karte – in den letzten Minuten wurde das Duell des Drittligisten Preußen Münster gegen die übermächtigen Bayern aus München zu einem offenen Schlagabtausch.

Alexander Heflik

Weltmeister verladen: Rogier Krohne schickt Manuel Neuer in der 89. Minute vom Elfmeterpunkt aus in die falsche Ecke. Foto: Jürgen Peperhowe

Was für ein Finale furioso. Erst holt Mehmet Kara den Elfmeter raus, als er Weltmeister Jerome Boateng den Ball an die Hand schießt. Rogier Krohne läuft an, verlädt den nächsten Weltmeister mit Torwart Manuel Neuer – das Preußenstadion steht Kopf. Tooooooor. Direkter Gegenzug, Marc Heitmeier holt den neuen Bayern-Star Robert Lewandowski von den Beinen, Rote Karte für den Preußen und Elfmeter für den Meister. Aber dann, der Teufelskerl zwischen den Pfosten, Daniel Masuch hält, warum schießt auch der gefoulte Lewandowski? Das reicht normalerweise dicke für ein Match, das kann eine Sensation sein, das Publikum geht steil, Drama, Baby, Drama.

Leider, zumindest aus Sicht des Drittligisten aus Münster, waren das nur die letzten Minuten einer Pokalpartie, die zu diesem Zeitpunkt bereits längst entschieden war. Vorher, in den abgelaufenen 89 Minuten, legte Bayern München den SCP mit vier Treffern an die Kette, der Pokalverteidiger war erwartungsgemäß weiter. Die Liste der zielgenauen Fußball-VIPs begann bei Mario Götze (19.), dem Weltmeister, wurde von Thomas Müller (29.), wieder ein Weltmeister, fortgeführt, dann kam David Alaba (52.), Champions-League-Sieger mit 22 Jahren und als Österreicher natürlich kein Weltmeister, und noch Claudio Pizarro (73.) – Torgarantie über mehr als eine Dekade nicht nur in München, sondern auch in Bremen oder bei Chelsea. Am Ende gewann Bayern München mit 4:1 (2:0) vor 16 797 dennoch verzückten Zuschauern verdient.

„Wir haben unsere Hausaufgaben sportlich gemacht“, bilanzierte SCP-Coach Ralf Loose später. Und wollte natürlich auch nicht das 1:4 in der Schlussminute missen: „Denn das haben wir uns verdient.“ Ein bisschen war das ein gefühlter Sieg über die beste Abwehr in Deutschland, eine der besten weltweit. Verlieren darf man gegen die Bayern, zumindest auf diese Art und Weise, das tat nicht wirklich weh.

Einige Minuten lag dabei etwas Besonderes in der Luft, da nahmen die Preußen durchaus mutig Anlauf in Richtung Sensation. Es knisterte, und was wäre passiert, wenn Marcel Reichwein in der zwölften Minute getroffen hätte und Nationaltorwart Manuel Neuer nicht reflexartig den Ball ins Aus gelenkt hätte?

Preußen-Trainer Ralf Loose

19 Minuten ging es hin und her, erstmals in dieser Saison waren die Preußen mit Anpfiff voll da. Tatsächlich hatte Bayern-Schlussmann Neuer einiges zu tun. Gerade Reichwein sprühte vor Ehrgeiz und Willen, 19 Minuten bäumte sich der SCP gegen das Unvermeidliche auf. „Die Bayern haben nicht häufiger als wir aufs Tor geschossen in der ersten Halbzeit“, befand Loose. Aber ihre Abschlüsse hatten es in sich, die individuelle Qualität setzte sich durch. Lewandowskis Flanke köpfte – ja, ja – der kleine Mario Götze zum 1:0 ein. Julian Riedel war nicht zur Stelle. Wenig später grätschte Jens Truckenbrod den Ball weg, allerdings direkt vor die Füße von Thomas Müller – und der suchte sich die Ecke aus, wo der Ball zum 2:0 landen sollte. So bitter das war, nach einer halben Stunde war die Entscheidung gefallen.

„Gratulation an meine Spieler für die Seriosität, sie haben Geduld gezeigt. Wir sind zufrieden, weil wir in der nächsten Runde sind. Topfit sind wir noch nicht“, bilanzierte Bayerns Starcoach Pep Guardiola. Schlendrian war bei Gästen von der Isar tatsächlich nicht zu spüren, vehement kämpften die Preußen gegen das Pokal-Aus an.

Nach der Pause legten David Alaba (52.) und Claudio Pizarro (73.) nach, Münsters Keeper Daniel Masuch vereitelte weitere Gegentreffer, die Hausherren hatten nur noch wenige Chancen. Dann kamen die letzten drei, vier Minuten, noch einmal explodierte das Stadion, alle nahmen das mit nach Hause, drehten sich ein letztes Mal um, das war doch was. Das erzählen wir weiter, oder?

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