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DFB-Pokal: Preußen Münster in der zweiten Runde

Spiel gegen Wolfsburg wird nach Wechselfehler mit 2:0 für Münster gewertet

Münster/Frankfurt

Das Sportgericht des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) hat entschieden: Der Wechselfehler des VfL Wolfsburg hat zur Folge, dass Preußen Münster in der zweiten Runde des DFB-Pokals steht. Das Urteil fiel nach einer langen Sitzung.

Von Jonas Austermann

Wolfsburgs Trainer Mark van Bommel (rechts) im Austausch mit dem vierten Offiziellen Tobias Fritsch, der die Wölfe bereits zur Halbzeitpause aufgeklärt hatte, dass nur fünf Wechsel im DFB-Pokal erlaubt seien. Foto: Imago/Team 2

Das DFB-Pokalspiel zwischen dem SC Preußen Münster und dem VfL Wolfsburg ging nicht nur sportlich in die Verlängerung, am Montag gab es auch vor dem DFB-Sport­gericht in Frankfurt eine Fortführung des Erstrundenduells.

Nach über fünf Stunden mündlicher Verhandlung entschied das Sport­gericht unter Vorsitz von Stephan Oberholz: Das Spiel, das auf dem Platz nach Verlängerung mit 1:3 aus Preußen-Sicht endete, wird mit 2:0 für Münster gewertet.

Sportgericht sieht Fehler bei den Wölfen

„Wir sind davon überzeugt, dass der VfL Wolfsburg bei der Einwechslung des sechsten Spielers leichtfertig gehandelt und Pflichten verletzt hat“, erklärte Oberholz. „Für die Ein- und Auswechslung ihrer Spieler ist jeder Verein eigens verantwortlich. Wir erkennen einen schuldhaften Einsatz eines nicht einsatzberechtigten Spielers.“

Zur Erinnerung: Bundes­ligist Wolfsburg hatte am 8. August in der 102. Minute einen Doppelwechsel durchgeführt, die Wechsel Nummer fünf und sechs. Zuge­lassen sind im DFB-Pokal – explizit auch im Falle einer Verlängerung – nur fünf Spielerwechsel. Die Preußen legten Protest gegen die Spielwertung ein und be­kamen nun Recht. Der Regionalligist zieht damit, vorbehaltlich einer Wolfsburger Berufung, in Runde zwei des DFB-Pokals ein. Ausgelost wird diese am 29. August (18.30 Uhr, ARD-Sportschau), gespielt wird am 26. und 27. Oktober.

Bis es am Montag so weit war, legte in erster Linie Wolfsburgs Anwalt Christoph Schickhardt harte Bandagen an. Die Argumen­tation des VfL stützte sich darauf, dass sowohl Torwarttrainer Pascal Formann – der bei Auswechslungen die Tafel hochhält – als auch Coach Mark van Bommel vom vierten Offiziellen Tobias Fritsch erfahren haben wollen, dass in der Verlängerung ein weiterer Spielerwechsel zulässig sei. So waren die ­Regeln zuletzt bei Europameisterschaft und Olympia, in deutschen Wettbewerben aber noch nie.

Münster im Recht und weiter

Fritsch, der am Montag ­genauso wie Hauptschiedsrichter Christian Dingert persönlich aussagte, machte deutlich, er habe den VfL Wolfsburg bereits zur Halbzeitpause darüber aufgeklärt, dass auch bei einer Verlängerung nur fünf Einwechselspieler erlaubt sind. Lediglich die Möglichkeit einer weiteren Spielunterbrechung für eine Ein­wechslung, ein sogenannter Slot, sei dann gegeben. Die Kommunikation sei „klar und unmissverständlich“ gewesen, meinte Fritsch.

Der vierte Offizielle des Pokalspiels räumte lediglich ein, dass ihm in besagter Minute 102 im „Eifer des Gefechts“ durchgegangen sei, dass die Einwechslung von Admir Mehmedi gegen das Regelwerk verstößt. Dies habe er erst vor Beginn der zweiten Hälfte der Verlängerung gemerkt und Chef Dingert nach Abpfiff in der Kabine darüber informiert. „Selbst wenn eine falsche Auskunft erteilt worden wäre, kann das den VfL Wolfsburg nicht aus der Hauptschuld für den Einsatz eines nicht einsatzberechtigten Spielers entlassen“, meinte Sportrichter Oberholz.

Stephan Oberholz, stellvertretender Vorsitzender des DFB-Sportgerichts, leitete die Verhandlung in Frankfurt. Foto: Jonas Austermann

Nachdem am Montag Formann, van Bommel und Wolfsburgs Sportdirektor Marcel Schäfer sowie Fritsch und Dingert gehört worden waren, zogen sich die Parteien zu einem rechtlichen Gespräch zurück. Der VfL wollte dem SC Preußen durch seinen Vertreter offenbar ein Angebot machen, der genaue Inhalt ist unbekannt und letztlich unerheblich. Denn: Der SCP, besonnen vertreten durch Simeon Scheuermann von der Rechtsanwaltsgesellschaft Duvinage aus München, lehnte ab.

Der Club aus Münster blieb bei seiner Forderung, die Spielwertung aufzu­heben und die Partie mit 2:0 für Preußen zu werten. Dieser Meinung war auch ­Anton Nachreiner als Vorsitzender des DFB-Kontroll­ausschusses. Und letztlich auch das DFB-Sportgericht um Oberholz. Die Entscheidung des DFB-Sportgerichts ebnete Preußen Münster nicht nur den Weg in die zweite Pokal-Runde. Zugleich bescherte der Richterspruch dem Viertligisten eine fixe Prämie von rund 257.000 Euro.

Kommentar: SCP erfüllt seine Pflicht

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