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Hemmerich wie ein Ehrenpreis

Mühsamer Auswärtserfolg der Preußen in der „Sandkasten-Arena“ zu Lotte

Lotte

Ein Spiel unterirdischer Qualität und trotzdem eine gute Nachricht für alle Preußen-Fans: Die Adlerträger gewinnen 3:2 und  nehmen drei Punkte aus Lotte mit.

Von Alexander Heflik

Der Matchwinner beim SC Preußen: Luke Hemmrich trifft zum 1:0, später markierte er auch das 2:1. Foto: Jürgen Peperhowe

Rödinghausen reloaded oder mal wieder Leidvolles in Lotte. So oder so. Das war keine hohe Fußballkunst, die der SC Preußen Münster da ablieferte. Als Entschuldigung taugte ansatzweise ein Spielfeld von unterirdischer Qualität. Aber, anders als beim 0:1 in Rödinghausen hatte der SCP Luke Hemmerich in seinen Reihen. In einer chancenarmen Partie machte der 24-Jährige mit seinen Saisontoren drei und vier den Unterschied beim 3:2 (1:1)-Auswärtssieg der Adlerträger vor 1619 Zuschauer aus. Positiver Nebeneffekt: Fortuna Köln, auch ein Aufstiegsanwärter, stolperte im eigenen Stadion mit 1:2 gegen Abstiegskandidat Bonner SC.

„Das hat er gut gemacht, nicht nur wegen der zwei Tore“, lobte Trainer Sascha Hildmann den Doppel-Torschützen. Und: „Wir brauchen mehr als nur die elf Spieler, die auf dem Platz stehen.“ Hemmerich kam nach zwei schwierigen Monaten zurück auf den Platz, Verletzung und Corona bremsten ihn ein, in Lotte war der 24-Jährige so wertvoll wie nie. „Ich bin froh, der Mannschaft helfen zu können und auch die 90 Minuten gepackt zu haben“, befand er. Zunächst begann er als Rechtsverteidiger, wechselte später auf die linke Seite und war dann zweimal in der Mitte zu finden. Hemmerich traf doppelt, das war wirklich stark.

Platz eine Zumutung für Profi-Fußball

Die Partie begann auf einem Platz, der das Prädikat Rasenfeld in keinster Weise verdient hatte. Es staubte förmlich, wenn die Spieler mal etwas fester aufstampften, in Zweikämpfen, bei Schüssen oder Flanken. War das jetzt eher ein Ascheplatz oder ein Sandkasten? Das ordinäre Wegerichgewächs Ehrenpreis könnte da wachsen und gedeihen, sandige Böden helfen. Einen Ehrenpreis hätte auch Henok Teklab erhalten, wenn sein Distanzschuss nach drei Minuten im Lotter Tor gezappelt hätte. Tatsächlich war das Geläuf eine Zumutung für bezahlten, für professionellen Fußball, auch wenn der Platzwart vermutlich alles in die Waagschale geworfen hatte.

Es staubte, aber keine Mannschaft holte Förmchen raus, im Sandkasten wurde Fußball rustikal gearbeitet. Die Hausherren hatten dabei durch einen Freistoß von Emre Aydinel (6.) und einen Fernschuss von Muhammad Terzi (22.) zunächst die klareren raren Chancen – wenn man bei dieser Qualität überhaupt davon sprechen durfte. Hochkaräter sehen anders an. Münsters wütende Bälle direkt hintereinander von Hemmerich und Jules Schwadorf (22.) waren nur magere Antworten. Fußball, richtig guter Fußball, war lange nicht zu sehen, vermutlich war das auch eine utopische Anforderung auf dem staubtrockenen Boden zu Lotte.

Nach viel gepflegter Langweile, zumindest was die Offensivaktionen betraf, wurde es urplötzlich turbulent. Eine Flanke von Julian Schauerte, der gerade erst für den an der Schulter verletzten Lukas Frenkert eingewechselt worden war, verwertete Hemmerich (37.) nach einem Haken zur 1:0-Gästeführung. Keine 60 Sekunden später aber drehte Ex-Preuße Exaucé Andzouana SCP-Verteidiger Simon Scherder einen Knoten in die Beine und glich postwendend aus. Das tat weh, zumindest aus Sicht der Preußen.

Preußen musste zulegen

Scherders Zeit an diesem Abend war zur Pause abgelaufen, der SCP musste zulegen, mächtig zulegen, um nicht schon wieder in der Fremde Federn zu lassen. In Lotte. Bei einem Abstiegskandidaten.

Aber Hemmerich brachte die nun wesentlich engagierteren Preußen nach einer Stunde in die Spur, als er entschlossen die Vorarbeit von Schwadorf verwertete. Schwadorf und Nicolai Remberg (68.) mit einer Doppelchance hätten für Ruhe im Karton sorgen können. Das 3:1 von Remberg (77.) fühlte sich so an, wäre da nicht das 2:3 durch Dominique Domröse (81.) gewesen. Am Ende musste Torwart Max Schulze Niehues gegen Hakim Traore retten (90.+2). Durchatmen, der Staub musste erst mal raus aus der Lunge. Münster gewinnt und bleibt dran.

Lotte: Peitzmeier – Alleroth, Sprekelmeyer (57. Lindner), Minz, Terzi – Domröse, Brauer – Franke (69. Franke), Han – Aydinel (69. Lindner), Andzouana (69. Yilmaz).

Münster: Schulze Niehues – Hemmerich, Ziegele, Scherder, Frenkert (25. Schauerte) – Remberg, Klann, Schwadorf (77. Ghindovean) – Teklab, Dahlke (82. Wegkamp), Farrona Pulido.

Tore: 0:1 Hemmerich (37., Flanke Schauerte), 1:1 Andzouana (38., Pass von Dommröse), 1:2 Hemmerich (59., Flanke Schwadorf), 1:3 Remberg (77, Verlängerung Hoffmeier), 2:3 Domröse (81.). – Zuschauer: 1619. – Schiedsrichter: Liedtke (Ennepetal). – Gelbe Karte: Han / -

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