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Fußball: Westfalenpokal-Finale

Rödinghausens Sebald hält drei Elfmeter – Schadenfreude bei Siegerehrung

Münster

Preußen Münster hat die Chance auf den Einzug in die erste Hauptrunde des DFB-Pokals vertan. Gegen den SV Rödinghausen unterlag Münster im Elfmeterschießen mit 2:3, nach regulärer Spielzeit hatte es vor 6480 Zuschauern 1:1 gestanden.

Von Alexander Heflik

Enttäuschte Preußen nach der Entscheidung. Foto: Jürgen Peperhowe

Drama, Drama, Drama. Nach einer an Spannung nicht mehr zu überbietenden Saison in der Fußball-Regionalliga machte es der SC Preußen auch im Westfalenpokal-Finale maximal spannend. Und scheiterte im Elfmeterschießen mit 2:3 am SV Rödinghausen, nach regulärer Spielzeit hatte es 1:1 gestanden. Im Elfmeterschießen hielt SVR-Schlussmann Alexander Sebald drei Elfmeter von Jan Dahlke, Henok Teklab und Darius Ghindovean, Münsters Max Schulze Niehues gelang das nur beim Schuss von Justin Wolff. Nach dem 0:1-Rückstand durch Damjan Marceta (61.) hatte Teklab (71.) per verwandeltem Foulelfmeter zum 1:1 getroffen. Nach dem verpassten Aufstieg ist dies ein weiterer bitterer Schlag ins Kontor, der DFB-Pokal findet ohne den SCP statt, zum vierten Mal in den letzten sechs Jahren scheitert Münster an „Angstgegner“ Rödinghausen. Die Preußen hatten vor dem Finale keine Elfmeter geübt, Trainer Sascha Hildmann hatte darauf verzichtet. So oder so, eine eigentlich herausragende Saison verwässerte innerhalb von einer Woche schon. Aber, so Preußens Sportchef Peter Niemeyer: „Ich lasse mir und den Jungs die Saison nicht kaputtreden.“ Was wiederum keiner wollte, aber das Gefühl war auf gewisse Art und Weise schon da.

Für noch größeren Frust beim SCP sorgte, dass die Spieler, die Spalier stehen mussten für die siegreichen Rödinghauser, sich beleidigt fühlten. „Sich verhöhnen zu lassen, ist in diesem Moment bodenlos“, meinte SCP-Torwart Max Schulze Niehues nach Spielende. Die Gratulations-Tour durch die Preußen war die Fortsetzung einer durch und durch toxischen Partie. Rödinghausen spielte mit allen erdenklichen Mitteln, kratzte, keifte, käbbelte sich – wann immer nötig. Der SCP hielt nicht immer entsprechend dagegen. Schulze Niehues: „Das Verhalten von Rödinghausen war respektlos. Das tut noch mehr weh.“ Da bahnt sich eine Fehde für die nächste Saison an.

Hildmann-Kritik an Chancenverwertung

„Wir haben versucht, das Spiel in der regulären Spielzeit zu entscheiden“, sagte Preußen-Coach Hildmann. Er meinte damit, dass nur der SCP das versucht hätte. Wobei sich die Gäste das 1:1 nach 90 Minuten mindestens durch Kampfkraft, Einsatzwillen und Motivation gewissermaßen erarbeitet hatten. Rein sportlich sagte Hildmann auch: „Es ist eine Tatsache, dass wir im letzten Drittel bei unseren Angriffen zu ungenau waren. Die Chancen, auch wenn es nicht viele waren, muss man dann auch nutzen.“ Rödinghausens Coach Carsten Rump hatte, vielleicht fiel es ihm auch leicht im Moment des Sieges, fast schon eine Entschuldigung ausgesprochen: „Die erste Halbzeit tut mir extrem leid.“ Er meinte nicht die vom Samstag, sondern die gegen RW Essen am vorletzten Spieltag, als Rödinghausen Dienst nach Vorschrift abgeliefert hatte und 0:3 verlor. In Münster, im Westfalenpokal-Finale, schraubte sich der SVR dagegen eine maximal intensive Partie heraus. Rump, und es klang eigenartig, sagte: „Ich wäre auch zufrieden gewesen, wenn wir heute so verloren hätten. Es passt ins Bild, dass wir euch auch noch den Pokal wegschnappen.“ Das war – keine Ahnung, was das war…

Nicht hochklassig, aber verbissen und resolut

Davor wurde Fußball gespielt, nicht hochklassig, aber verbissen und resolut. Der SCP agierte anders als beim Saisonausstand gegen den 1. FC Köln II (2:1) wieder mit dem Niederländer Thomas Kok als zentralem defensiven Mittelfeldspieler. Kok sollte für Stabilität sorgen, zumal Manuel Farrona Pulido mit einem Magen-Darm-Infekt passen musste. Erneut hatte aber auch Angreifer Deniz Bindemann den Vorzug vor Gerrit Wegkamp im Angriff erhalten. In der Innenverteidigung war Simon Scherder erste Wahl, weil Marcel Hoffmeier erkrankt war. Hildmann setzte auf ein 4-3-3-System.

Die Preußen ließen sich nerven, weil die Rödinghauser wie fußballerische Quälgeister agierten. Stören und bremsen war die Devise, in der Offensive wollte Trainer Carsten Rump wohl auf den einen gewinnbringenden Konter warten. Zudem hier ein Rempler, vielleicht noch ein Schubser am Ende des Zweikampfes, noch ein Foul obendrauf, garniert mit einer Schauspieleinlage – Spielfluss kam so nicht zustande. Die Gäste erreichten ihr erstes Ziel, der SCP kam nicht ins Rollen. Überhaupt nicht.

Schiedsrichter ignoriert Nickeligkeiten der Rödinghauser

Die Direktabnahme von Thorben Deters (6.) war noch vielversprechend. Dann begann das Gepöhle. Der SCP versuchte vergebens, seine spielerische Klasse ins Geschehen einzubringen. Doch der gute Beginn des SCP wurde vom SVR im Keim erstickt. Zumal auch Schiedsrichter Leonidas Exuzidis aus Castrop-Rauxel die lange Leine ausgepackt hatte. Die Nickeligkeiten der Rödinghauser im Zweikampf ignorierte er geflissentlich. Tatsächlich dauerte es nun bis zur 28. Minute, ehe Deniz Bindemann eine Kopfballablage von Alexander Langlitz nicht ins Tor drücken konnte. Nun ja, es gab einige Halbchancen für den SCP, den einen oder anderen vielversprechenden Ansatz, doch es war eher eine verunglückte Hereingabe von Julian Schauerte, die knapp am Rödinghauser Tor vorbeitrudelte – das war es dann schon mit dem Chancenplus der Hausherren. Da, als Schauerte schoss, war die Partie bereits in der Nachspielzeit der ersten Hälfte angekommen. Rödinghausen hatte mit seinem unangenehmen Defensivverhalten, Fußballer nennen das gerne ehrfurchtsvoll „ekelig“, die Nullnummer erreicht. Das war ein zähes Stück Fußball in der ersten Halbzeit.

Alles besser nach dem Wechsel? Leider nein, leider gar nicht. Münster um Deutungshoheit auf dem Platz bemüht, Rödinghausen giftig dagegen anarbeitend. Es wurde kurios, weil Julian Schauerte nach einer Stunde auf dem Platz über eine Taube stolperte, kein Witz. Im Gegenzug Robin Ziegele den gerade eingewechselten Damjan Marceta gewähren ließ und der aus halblinker Position mit Zuhilfenahme der Latte zum 0:1 traf. Rumps Konzept war voll aufgegangen, der SCP lief nun einem Rückstand hinterher.

Dramatik pur in den letzten zehn Minuten

Für zehn Minuten: Dann war die Situation unübersichtlich, nach einer Verletzungspause sollte Rödinghausen den Ball wieder anspielen, tat das nicht, Wegkamp ging dazwischen und wurde von Julian Wolff gefoult. Im Strafraum, Elfmeter für Münster – und Henok Teklab verwandelte sicher. Jetzt hatten die Preußen endlich die Betriebstemperatur, die man für solche Partien benötigt.

Münsters „Angstgegner“ Rödinghausen jubelt im Preußenstadion. Foto: Jürgen Peperhowe

Dramatik pur in den letzten zehn Minuten, der SCP wollte den Sieg in der regulären Spielzeit. Rödinghausen hoffte auf einen weiteren Streich per Konter oder Überfalltaktik. Hildmann versuchte alles, nahm Mittelfeldspieler Kok raus und warf „Mister Westfalenpokal“ mit Jan Dahlke rein für fünf Minuten. Dahlke, der in vier Pokalpartien, neunmal getroffen hatte in dieser Saison. Nur der SCP versuchte es noch, kam aber nicht wirklich gefährlich in Strafraumnähe.

Elferschießen vor dem Gäste-Fanblock

Das Elfmeterschießen begann beim Stand von 1:1, Rödinghausen gewann die Wahl und wählte die Seite vor dem spärlich besetzten Gäste-Fanblock.

  • 2:1 Julian Schauerte, sicher ins linke Eck verwandelt
  • 2:2 Damjan Marceta, sicher verwandelt
  • 2:2 Jan Dahlke scheitert an Alexander Sebald
  • 2:2 Justin Wolff scheitert an Max Schulze Niehues
  • 3:2 Simon Scherder, ins linke Eck sicher
  • 3:3 Hoffmeier trifft, Schulze Niehues ist in der richtigen Ecke
  • 3:3 Teklab scheitert an Sebald, schießt einfach in die Mitte
  • 3:4 Riemer trifft sicher ins linke Eck
  • 3:4 Ghindovean scheitert an Sebald

Münster: Schulze Niehues - Schauerte, Ziegele, Scherder, Borgmann - Remberg, Kok (86. Dahlke), Deters (78. Ghindovean) – Langlitz (56. Kwadwo), Bindemann (56. Wegkamp), Teklab. – Trainer: Hildmann. Reservebank: Dedovic (Tor), Dahlke, Hemmerich, Klann, Ghindovean.

Rödinghausen: Sebald – Choroba (80. Ercan), Flottmann, Wolff, Langer - Kurzen, Schaub (65. Schuster), Wiemann, Bravo Sanchez (74. Riemer) – Ibrahim (56. Marceta) Hoffmeier. – Trainer: Rump. Reservebank: Deubel (Tor), Ercan, Salman, Schuster, Riemer, Büscher.

Tore: 0:1 Marceta (61.), 1:1 Teklab (71., Foulelfmeter).

Elfmeterschießen: 2:1 Schauerte, 2:2 Marceta, 2:2 Dahlke verschießt, 2:2 Wolff verschießt, 3:2 Scherder, 3:3 Hoffmeier, 3:3 Teklab verschießt, 3:4 Riemer, Ghindovean verschießt.

Zuschauer: 6480. – Schiedsrichter: Exuzidis (Castrop-Rauxel). – Gelbe Karten: Remberg, Kok, Ziegele / Ibrahim, Flottmann, Riemer

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