Fußball: Quartett an der Pfeife

Das sind die Schiedsrichter des SV Rinkerode

Rinkerode

Gleich vier Schiedsrichter stellt der SV Rinkerode. Der Jüngste ist 18, der Älteste 65. Aus Sicht von Obmann Jochen Richter stellt das Quartett eine wichtige Facette des Vereins dar. Die Tätigkeit als Unparteiischer sei gleich in mehrfacher Hinsicht charakterbildend. Eine klare Meinung vertritt er auch zum Video-Schiedsrichter.

Matthias Kleineidam

Das Quartett des SV Rinkerode hat seine Leidenschaft für das Schiedsrichterwesen entdeckt: Jochen Richter (oben von links, im Uhrzeigersinn), Lukas Sasse, Ismael Blum und Winfried Thiemeyer. Foto: SV Rinkerode

Nicht nur die Amateur- und Jugendfußballmannschaften müssen seit mehr als einem halben Jahr auf Meisterschaftsspiele verzichten. Auch diejenigen, die dafür sorgen, dass die Regeln eingehalten werden, sind zur Untätigkeit verdammt. Der SV Rinkerode hat vier Schiedsrichter in seinen Reihen, Obmann ist Jochen Richter.

Der 25-Jährige ist seit 2012 Unparteiischer. Ab der C-Jugend hatte er zunächst beim SVR Fußball gespielt und war auch Jugendtrainer. Wegen seiner landwirtschaftlichen Ausbildung legte er von 2012 bis 2015 eine Pause ein. „Ich wollte dem Fußball treu bleiben, sonntags habe ich ja Zeit“, sagt der Rinkeroder. „Ich habe mit der Schiedsrichterei angefangen, um am Ball zu bleiben.“

Am Ball geblieben

In normalen Zeiten pfeift Richter jede Saison circa 16 bis 20 offizielle Partien. „In den ersten Jahren habe ich nebenbei auch viele Spiele der SVR-Jugendmannschaften geleitet“, blickt er zurück. Im Männerbereich ist er bis zur Kreisliga B im Einsatz, bei den Frauen bis zur Landesliga. Seit Anfang 2017 engagiert sich Richter auch als Schiedsrichter-Obmann beim SVR und gehört damit dem Fußball-Vorstand an. Seine Aufgaben: „Hauptsächlich die Betreuung der aktiven Schiedsrichter. Außerdem bin ich Bindeglied zwischen den Schiedsrichtern und dem Verein. Die eine oder andere Regelfrage kann ich auch beantworten.“

Nach seiner Ausbildung zum Landwirt wurde Richter in der SVR-Zweiten aktiv – als Spieler, zwischenzeitlich als Mannschaftsverantwortlicher und seit Sommer 2019 als Trainer. Mit Ende der Saison 20/21 hört er aber als Coach des C-Kreisligisten auf. „Der zeitliche Aufwand ist zu groß. Ich bleibe der zweiten Mannschaft aber definitiv erhalten. Ob als Co-Trainer oder Spieler – meine fußballerischen Fähigkeiten sind sehr begrenzt – wird sich zeigen“, sagt Richter.

SV Rinkerode erfüllt das Soll

Neben dem 25-Jährigen gibt es drei weitere Schiedsrichter beim SVR. Der 27-jährige Ismael Blum ist seit 2009 dabei. „Er pfeift am längsten von uns. Er wohnt in Meinerzhagen und ist am Wochenende in Rinkerode“, so Richter. Der 65 Jahre alte Winfried Thiemeyer senior ist seit 2011 Unparteiischer. Lukas Sasse ist mit 18 Jahren der Jüngste des Quartetts, er pfeift seit 2018.

Laut FLVW-Kreis Münster muss der SV Rinkerode dreieinhalb Schiedsrichter stellen, damit kein Ordnungsgeld pro Quartal fällig wird. Den Obmann freut es natürlich, dass der Verein sein Soll erfüllt. „Ja, wir sind durchaus zufrieden mit dem Ist-Zustand. Jedoch können wir jede Verstärkung gebrauchen und würden uns über jeden Neuzugang im SVR-Schiedsrichter-Team freuen“, sagt Richter.

Schiedsrichterei fördert die Persönlichkeit

Aus seiner Sicht gibt es viele Vorzüge als Unparteiischer – zum Beispiel die Gemeinschaft. In Nicht-Corona-Zeiten gibt es beim SVR mindestens zwei Treffen pro Jahr. Zum Saisonabschluss werden die Referees zum Essen eingeladen. Die Fahrten zu den Lehrgängen (zwei bis drei pro Jahr) werden nach Möglichkeit gemeinsam absolviert. Zudem gibt es vom Verein eine Aufwandsentschädigung und „für jedes gepfiffene Spiel Spesen“, sagt Richter und spricht von „Taschengeld“. „Das Wichtigste ist meiner Meinung aber der persönliche Fortschritt. Man arbeitet so viel an seiner Persönlichkeit“, sagt Richter und nennt Punkte wie Entscheidungsfindung, Handlungsschnelligkeit sowie Umgang mit verschiedenen Charakteren.

Klare Meinung zum Video-Schiedsrichter

Seine Fähigkeiten als Schiedsrichter hat Jochen Richter zuletzt am 7. Oktober 2020 unter Beweis gestellt – im Frauen-Kreispokal bei der Partie SV Herbern gegen SG Telgte (1:4). Ob ihm was fehlt in dieser außergewöhnlichen Situation? „Definitiv“, betont Richter. Die fußballfreie Zeit weiß er aber zu nutzen. „Langweilig wird mir nicht. Wir haben einen landwirtschaftlichen Betrieb, da gibt es immer was zu tun.“ Um fit zu bleiben, joggt Richter regelmäßig zwei- bis dreimal pro Woche.

Mit seinen Schiedsrichter-Kollegen vom SVR hält er über eine Whatsapp-Gruppe Kontakt. Vom Kreis werden Online-Lehrgänge angeboten, um die Theorie aufzufrischen. Den Videobeweis gibt es in den Ligen, in denen er pfeift, nicht. Trotzdem hat der Rinkeroder eine Meinung zum Video Assistent Referee (VAR). „Ich finde ihn gut, ich bin eher ein Befürworter“, sagt Richter. „Es gibt aber auch kritische Szenen.“

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