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Boxen

Schnelle Hilfe: 30 Ukrainer kommen eventuell in Münster unter

Münster

Nach dem internationalen Turnier in Sofia/Bulgarien ist die Box-Nationalstaffel der Ukraine in großen Teilen direkt weiter zur einer Trainingsmaßnahme nach Heidelberg gefahren. Möglicherweise wird Anfang April Münster und das Boxzentrum mittelfristig zum Standort für die Olympia-Kandidaten aus dem Kriegsgebiet.

Von Alexander Heflik

Stargast bei der Eröffnung des Boxzentrum 2013: Der Ex-Schwergewichts-Weltmeister im Boxen, der Ukrainer Vitali Klitschko. Foto: Jürgen Peperhowe

Schnelle Hilfe ist geplant, erst in Heidelberg, dann im Idealfall auch aus Münster: Die ukrainische Box-Nationalstaffel, die im Kern in zweieinhalb Jahren bei den Olympischen Sommerspielen in Paris starten soll, kann zum großen Teil die nächsten Wochen in Deutschland verbringen. Auf Anraten des Verbandspräsidenten Vladimir Prodivus kehrten die meisten Athleten und Athletinnen sowie Betreuerstab nicht in die Heimat zurück. Eine 40-köpfige Delegation hatte am Strandja-Turnier im bulgarischen Sofia teilgenommen. Zehn Ukrainer gingen nichtsdestotrotz zurück.

30 Personen in Heidelberg

30 Personen dagegen machten sich nach Heidelberg auf. Hier wird der Tross der Faustkämpfer und Coaches bis zum 5. April bleiben. Im Anschluss ist denkbar, dass Münster gleichermaßen ein sicherer Aufenthaltsort wie auch mittelfristig Trainingsstätte wird.

Michael Müller, Sportdirektor des Deutschen Boxverbandes, hatte am Wochenende, als die Lage sich für die Sportler in Sofia weiter zuspitzte, schnell gehandelt. „Wir haben mit dem auswärtigen Amt und dem DOSB nach schnellen Lösungen gesucht. Allen Athleten wurde freigestellt, ob sie ihn ihr Land zurückkehren oder nach Heidelberg kommen“, sagte Müller. So beginnt dort am Dienstag ein kurzfristig anberaumtes Trainingslager am Olympia-Stützpunkt und geht bis zum 23. März. Daran schließt sich ein schon langfristig geplanter Sparringslehrgang (bis 5. April) an. Bis dahin sind die Dinge für die Delegation aus der Ukraine somit geklärt. Müller: „Wir prüfen, wie wir direkt weiterhelfen können.“ Das ist die oberste Maxime.

Man habe sich nicht eingemischt in innerukrainischen Angelegenheiten, sprich Rückkehrpflicht oder Reservistenaufruf für die Armee debattiert, sondern nur schnelle Hilfe angeboten. Offenbar kam aus dem Kreis der Sportler und Betreuer in Sofia die Nachfrage, inwieweit unterstützt werden kann. Müller nennt das unbürokratische Soforthilfe für Sportkameraden, die von einer Reihe gemeinsamer Trainingsmaßnahmen aber auch von Wettkämpfen bekannt sind.

Boxzentrum prüft

„Auch Farid Vatanparast unterstützt uns und setzt seine Kontakte ein“, sagt Müller. Vatanparast, Cheftrainer im Boxzentrum Münster und Verbandsfunktionär, steht im engen Austausch mit Club-Präsident Ulrich Thelen sowie Wolfgangs Pissarsky und anderen Club-Mitgliedern. Mit Hochdruck arbeitet das Team des Boxzentrums an möglichen Plänen für Anfang April. Vatanparast: „Wir telefonieren Tag und Nacht. Glücklicherweise ist Heidelberg jetzt erste Anlaufstelle. Wir sehen uns gemeinsam in der Verantwortung, da Lösungen zu finden.“ Natürlich sei auch die Stadt Münster angesprochen worden, es geht um Unterkünfte, Essen sowie die Trainingsmöglichkeiten.

Bereits am Wochenende glühten die Drähte. In Sofia boxte sich die ukrainische Staffel noch in den Vordergrund, konnte durch Alexander Khyzhniak (bis 75 Kilogramm) einen Turniersieg erringen sowie mit zwei weiteren Finalteilnahmen und drei dritten Rängen überzeugen. In Anbetracht der kriegerischen Entwicklung im Heimatland war das bemerkenswert. 30 Nationen nahmen an dem Turnier teil, im Fokus stand die Ukraine.

Klitschkos Nachfolger

Boxen und Ukraine ist nicht nur durch die Klitschko-Brüder Vitali und Wladimir ein Begriff. Auch im Amateurbereich kamen immer wieder Top-Athleten nach vorne. Fußball, hier vor allem Dynamo Kiew, ist die populärste Sportart. Aber dass Vitali Klitschko Bürgermeister der Millionen-Metropole werden konnte, unterstreich seinen Stellenwert und auch die Reputation des Boxsports.

Der ehemalige Schwergewichts-Weltmeister war im Juni 2013 Stargast bei der Eröffnung des damals nagelneuen Boxzentrum in Münster. Vor 400 geladenen Gästen zeigte er sich beeindruckt von dem, was da aufgebaut worden war. Er gab den anwesenden Sportlern mit auf den Weg: „Nichts ist unmöglich. Träumen allein reicht nicht, seid fleißig.“

Vielleicht ist das auch auf den großen Teil der ukrainischen Box-Riege heute gemünzt gewesen: Die Athleten sollen weitermachen, nicht aufgeben. Klitschko sagte damals auch: „Vielleicht komme ich mal zum Training hierhin.“ Es war eher eine Nettigkeit. Seine Nachfolger könnten daraus eine Realität werden lassen.

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