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Handball: Interview

Bloß keine zweite Welle – ASV-Boss Jungblut bangt um Neustart

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Die zweite Welle ist im Handball ein erprobtes Mittel, um zum Erfolg zu kommen. Eine zweite Welle an Corona-Infizierten wäre für den ASV Senden indes fatal, weiß Jochen Jungblut. Der Abteilungs-Chef hat aber auch Positives zu verkünden.

Florian Levenig

Die ASV-Reserve hat sich um einen Platz in der Bezirksliga beworben. Wann im Sportpark wieder gespielt wird, vermag Jochen Jungblut (kl. Bild) nicht vorherzusagen. Foto: flo/rau

An Handball, diesen Vollkontaktsport (fragen Sie mal einen Kreisläufer!), ist in Zeiten von Covid-19 noch weniger zu denken als an andere Bewegungsformen. Wie und wann aber geht es für den ASV Senden weiter? Muss die Sparte gar um ihren Fortbestand fürchten? Dies und mehr wollte unser Redaktionsmitglied Florian Levenig vom langjährigen Vorsitzenden der Abteilung, Prof. Dr. Jochen Jungblut, wissen.

In einem Interview mit den Ruhr Nachrichten hat der Vorsitzende des Kreises Dortmund, Wolfgang Sommer, geäußert, „nie und nimmer“ könne er sich vorstellen, dass bis Ende 2020 Handball gespielt wird. Sind Sie optimistischer?

Jungblut: Natürlich hoffe ich – wie jeder Fan der Sportart – dass es im September weitergeht. Sollte es aber, wie von den Virologen befürchtet, im Herbst tatsächlich eine zweite Infektionswelle geben, sehe ich ähnlich schwarz wie der Dortmunder Kollege.

ASV-Abteilungsleiter Jochen Jungblut Foto: rau

In einem offenen Brief haben ASV, VfL und Westfalia Senden ihre Mitglieder und Sponsoren gebeten, den Vereinen die Treue zu halten. Folgen die Handballer bislang diesem Appell?

Jungblut: Ja, zum Glück. Jeder weiß ja, dass nicht wir diese Krise zu verantworten haben. Problematisch könnte es werden, wenn im September immer noch kein Ende der Pause in Sicht ist. Möglich, dass uns dann ein Sponsor wegbricht. Andererseits sind wir in dem Bereich relativ breit aufgestellt und nicht von einem einzigen Gönner abhängig.

Wenn über Monate weder trainiert noch gespielt wird: Geht Ihnen dann bei den Allerjüngsten ein ganzer Jahrgang flöten?

Jungblut: Die Sorge habe ich nicht. Gerade bei den Minis und in der F-Jugend hatten wir vor Corona einen enormen Zulauf. Das sollte ausreichen, um später, bei den Älteren im Leistungsbereich, weiter je zwei Mannschaften bilden zu können.

Die Qualifikation der Jugend-Teams ist offiziell noch nicht abgesagt. Glaubt der Verband ernsthaft, diese Wettbewerbe durchführen zu können?

Jungblut: Kann ich mir nicht vorstellen, schon zeitlich wäre das ja gar nicht möglich. Es wird auf eine Annullierung hinauslaufen. Wer in der aktuellen Spielzeit – wie wir bei den A- und B-Jugendlichen – einen Platz in der Verbandsliga hatte, wird ihn auch 2020/21 erhalten – vorausgesetzt, die Teams sind konkurrenzfähig.

Sind sie das beim ASV?

Jungblut: Ja. Der U 19 hätte ich im Falle einer Quali sogar den Sprung in die Oberliga zugetraut.

Mal was Positives: Die zweite Mannschaft kann eine Wildcard für die Bezirksliga beantragen. Kehrseite: Die überaus zuschauerträchtigen Nachbarschaftsduelle mit der HSG Ascheberg/Drensteinfurt würden entfallen.

Jungblut: Stimmt – leider. Trotzdem haben wir die Wildcard beantragt. Sportlich ist das Team, denke ich, stark genug für die Spielklasse. Ich glaube sogar, dass sich die junge Mannschaft dort besser zurechtfindet, da in der Bezirksliga das Tempo höher ist und ein sauberer Ball gespielt wird als in der Kreisliga.

Jugend-Quali womöglich im Herbst, Ligenreform wohl auf Eis

Patrick Puls ist im Handballverband Westfalen für den Nachwuchs-Spielbetrieb zuständig. Und auch wenn der Mann „nicht in die Glaskugel schauen kann“, arbeite er mit Hochdruck an einer Lösung, wer wann wo an den Start gehe. „In der ersten Maihälfte“ wolle der Verband ein entsprechendes Konzept präsentieren. Ob das dann auch umsetzbar sei, hänge letztlich von der Politik ab. „Praktisch ausschließen“ kann Puls, dass die umfangreichen Qualifikationswettbewerbe bereits im Frühjahr starten. Eher machbar erscheint dem Verbandsfunktionär das Modell, im Herbst Quali-Turniere anzusetzen. Dann würde es ab Anfang 2021 statt einer Hin- und Rückserie eine einfache Runde geben. Auch stehe die Ende 2019 beschlossene, lebhaft diskutierte Verschlankung der Spielklassen in den Ober- und Verbandsligen auf dem Prüfstand. Die hält Puls nach wie vor für „absolut notwendig“, damit nicht die Qualität im höchsten Leistungsbereich auf HVW-Ebene leide. „Sollte die Saison aber halbiert werden, wären vorerst weiter zwölf Teams je Liga denkbar.“ (flo)

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