1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Senden
  6. >
  7. Das letzte Wort – „Radio Hölscher“ nicht mehr auf Sendung

  8. >

Fußball: Kreisliga A 2 Münster

Das letzte Wort – „Radio Hölscher“ nicht mehr auf Sendung

Senden

Denis Hölscher, torgefährlicher Angreifer des SC BW Ottmarsbocholt, beendet mit nur 29 Jahren seine Karriere. Seine Tore werden die Blau-Weißen schmerzlich vermissen – aber nicht nur die.

Von Florian Levenig

Typische Handbewegung: Trotz anhaltender Knieprobleme war Denis Hölscher (l.) auch in Ottmarsbocholt immer für Tore gut. Foto: flo

Er sei ja „nicht auf den Mund gefallen“, sagt Denis Hölscher über sich selbst. Was eher noch untertrieben ist. Der Mann ist mitunter kommuniaktionsfreudiger als Bayern-Quasselstrippe Thomas Müller. Eigene Leute, Gegenspieler, Gästetrainer. BWO-Coach, Referee, WN-Berichterstatter: Für alle hat der Mann ein paar (fast immer freundliche) Worte übrig. Während des Spiels, wohlgemerkt. Den Rand hält der 29-Jährige in der Regel nur kurz, um sich seiner eigentlichen Aufgabe, dem Toreschießen, zu widmen. Doch damit ist jetzt ebenso Schluss wie mit dem Ohrabkauen. Der Mann, der sonntags 90 Minuten ununterbrochen auf Sendung ist, geht in Fußballrente.

Neues Knie? Danke, nein

Das letzte Wort hatte dabei überraschenderweise nicht Hölscher, sondern Dr. Cornelius Müller-Rensmann. Wenn sein Patient weiter dem Kicken nachgehe, so die deutliche Ansage des namhaften Sportmedizinern aus Münster, dann brauche er spätestens mit Ende 30 ein künstliches Knie. Puh, erinnert sich der Angreifer des A-Ligisten BW Ottmarsbocholt, da habe es ihm für den Moment echt die Sprache verschlagen.

Einen Tag später, als er wieder bei Stimme war, habe er umgehend die Trainer, Sebastian Schnetgöke und Patrick Döhla, darüber informiert, dass es das jetzt war mit dem Amateursport. Vor diesem Gespräch habe er „echt Schiss gehabt. Ich mag Schneti und Patti sehr, und ich denke, dass das auf Gegenseitigkeit beruht. Gerade weil wir so viele blutjunge Spieler im Team haben, die ein bisschen Anleitung brauchen.“ Döhla kann das bestätigen: „Klar werden wir auch Denis’ Buden vermissen. Aber wenn es darum ging, die Mannschaft zu pushen, ihnen in der Kabine einzuheizen, da war er mindestens ebenso wertvoll.“

Job und Gesundheit wichtiger

Eigentlich wollte Hölscher erst im Sommer die Karriere ausklingen lassen und (eventuell gemeinsam mit Daniel Beutel) zu den Alten Herren wechseln. Dafür habe er während des zweiten Lockdowns „richtig Gas gegeben“, zwölf Kilo abgenommen. Um beim Re-Start topfit zu sein. Doch die Beschwerden im Knie, sie blieben. Zwei Kreuzbandrisse, Meniskus kaputt, ein Knorpelschaden: Zu groß das Risiko, dauerhaft Schaden zu nehmen. „Ich habe als Leiter eines Kindergartens ja auch eine Verantwortung“, erklärt der Sportinvalide.

So schwer ihm die Entscheidung gefallen sei: „Ich bin mit mir im Reinen.“ Tolle Jahre habe er gehabt, sowohl bei den Blau-Weißen als auch in der Landesliga beim VfL Senden. Dessen damalige Trainer, Rainer Leifken und André Bertelsbeck, hätten ihm nicht nur fußballerisch eine Menge mitgegeben, sondern „mich auch menschlich enorm weitergebracht“.

Tanzkurs mit der Freundin

Auch an die letzten Jahre bei BWO – Krönung: die A-Liga-Rückkehr 2020 – denkt Hölscher gern zurück. Noch mal für seinen Herzensverein aufzulaufen: Dieses Versprechen hatte er schließlich seinem früh verstorbenen Vater Jürgen gegeben.

Und jetzt? Einen Tanzkurs will der Ex-Goalgetter mit seiner Freundin machen, vielleicht den Bootsführerschein. Und natürlich regelmäßig sonntags auf dem Platz nach dem Rechten sehen. Sein Torhunger, der mag gestillt sein, sein Redebedarf ganz gewiss nicht.

Startseite
ANZEIGE