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Sportkegeln: Willi Baumeister beendet nach fast 40 Jahre seine Karriere

Eine ruhige Kugel schieben

Ottmarsbocholt

Knapp vier Jahrzehnte stand Willi Baumeister in Diensten des SC BWO Ottmarsbocholt. Jetzt aber, mit 79, ist Schluss. Kraft und Präzision ließen mit zunehmendem Alter nach, so der Lüdinghauser. Dem Verein bleibt er als Fan erhalten.

Von Florian Levenig

In den 1990er-Jahren stiegen Willi Baumeister und Co. in die Oberliga auf. Foto: Archiv Heitbaum

Willi Baumeister wird im nächsten Frühjahr 80. Das sei doch, findet der Lüdinghauser, ein passendes Alter, um fortan, wie man so sagt, eine ruhige Kugel zu schieben. Was man in seinem Fall wörtlich nehmen darf. Denn: Baumeister hat, nach 38 Jahren in Diensten des SC BW Ottmarsbocholt, dem Sportkegeln Lebewohl gesagt.

Ob ihm in Zukunft nichts fehlen wird? „Nee“, schmunzelt der 79-Jährige, „um mich zu bewegen, habe ich ja noch einen großen Garten“. Das sei bislang im Wesentlichen das Revier von Ehefrau Gertrud gewesen, „die freut sich schon, dass ich ihr da stärker zur Hand gehe“.

Und er sei, mit Blick auf den Verein, dem er fast vier Jahrzehnte die Treue gehalten hat, „ja nicht aus der Welt“. Die Kameradschaft habe „selbstverständlich“ über das Ende der Laufbahn hinaus Bestand: „Ich werde mir Heimspiele der ersten und zweiten Mannschaft anschauen. Außerdem gibt es zu Beginn und zum Ende einer jeden Saison ein gemütliches Beisammensein“, auf das er sich jetzt schon freue.

Bloß: Aushelfen, wenn mal Not am Mann sei, das werde er ziemlich sicher nicht: „Ohne Training macht das wenig Sinn.“ Er habe bereits in den vergangenen Jahren gemerkt, dass, trotz der regelmäßigen Übungseinheiten, Kraft und Präzision mit dem Alter nachlassen: „Pro Partie werden 120 Kugeln bewegt, weitere 20 sind es beim Einspielen. Da weiß man nachher genau, was man getan hat.“

1983 trat er in den Verein ein, der neun Jahre zuvor als KSC 74 Ottmarsbocholt gegründet und just in KSA BWO umbenannt worden war. Unglaubliche 545 Mal war er für die Blau-Weißen im Einsatz – Platz drei in der ewigen Rekordliste.

Oberliga-Aufstieg Ende der 90er

Höhepunkt mit der Mannschaft: „der Aufstieg in die Oberliga Ende der 1990er-Jahre“. Auch wenn die Sonntage ab da komplett verplant waren: „Bei Auswärtspartien sind und waren 100 Kilometer je Wegstrecke keine Seltenheit. Da geht’s morgens um 9 Uhr los, und man ist selten vor 18 Uhr zurück.“ Aber auch das habe ihm die Gattin nachgesehen: „Gertrud war ja selbst lange Zeit für die BWO-Damen aktiv.“

An der Stelle wird Willi Baumeister kurz nachdenklich. Das Frauenteam hat gerade den Betrieb eingestellt (siehe Infokasten). Und auch im Männerbereich gingen die Zahlen zurück: „Uns fehlt der Nachwuchs.“ Auch weil es weniger Sportstätten gebe: „Früher waren, gerade im Ruhrgebiet, Acht-Bahnen-Lokale fast Standard.“ Heute müsse man schon froh sein, wenn man – wie in der Gaststätte Vollmer – zwei funktionstüchtige Bahnen zur Verfügung hat.

Viele Einzel-Erfolge

Zu den Blau-Weißen war Baumeister damals gestoßen, weil er zuvor bei den „Soliden Jungs“ (sind schon lange Geschichte) in seiner Heimatstadt sehr solide Ergebnisse auf den glatten Belag gezimmert hatte. Lüdinghauser Stadtmeister war er zu der Zeit ebenfalls. Später, in Otti, triumphierte er vier Mal bei Klubmeisterschaften, feierte Erfolge auf Bezirks- und Verbandsebene – im Einzel, aber auch in den damaligen Paarwettbewerben, meist mit dem nur ein Jahr jüngeren Walter Stratmann an seiner Seite.

Baumeisters Bestwert: 838 Holz. Damit würde er aktuell die meisten Oberligakonkurrenten aus dem Spiellokal fegen. Aber: „Da käme ich heute nicht mal mehr annähernd ran.“ Zuletzt hatte der Endsiebziger regelmäßig in der Zweiten (Bezirksliga) ausgeholfen. Aber auch damit sei jetzt Schluss. Gertrud Baumeister wird’s ihm danken.

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