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Fußball: KSG-Urteil

General-Abrechnung – VfL-Referee Glischinski hört auf

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Das Kreissportgericht (KSG) hat den temporären Ausschluss des C-Ligisten Rroma Kultur Verein bis zum Saisonende bestätigt, gleichzeitig aber zur Bewährung ausgesetzt. Folgen hat das Skandalspiel auch für einen hiesigen Unparteiischen.

Von Florian Levenig

Dirk Glischinski (r.), hier eine Archivaufnahme, beendet im Mai nach fast drei Jahrzehnten seine Schiedsrichterlaufbahn. Foto: flo

Den „General“ nennen sie Dirk Glischinski beim Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) Münster ehrfürchtig. Der Berufssoldat ist eher nicht dafür bekannt, dass ihm die Dinge auf dem Spielfeld entgleiten. Klare Ansagen, natürliche Autorität, feste Stimme. Am späten Dienstagabend aber, bei der Spruchkammersitzung in Hiltrup, wirkt der Mann, der für den VfL Senden pfeift, erkennbar angefasst. Da gibt der 49-Jährige preis, dass er mit Ablauf der Saison keine Spiele mehr leiten werde. Betretenes Schweigen allenthalben.

Verhandelt wird der Abbruch der C-Liga-Partie am 31. Oktober zwischen dem Rroma Kultur Verein und dem ESV Münster (WN berichteten). Glischinski war mit der Spielleitung betraut. Die Idee dahinter: Wenn einer die Gastgeber, die nach zwei vergleichbaren Vorfällen bereits unter Beobachtung standen, im Zaum halten könne, dann doch wohl „der General“.

Situation eskaliert

Der Plan, so schildert es Glischinski vor dem Kreisschiedsgericht (KSG), schien aufzugehen. Vier gelbe Karten in Hälfte eins, je zwei pro Team, alles im Rahmen. Mit der fünften Verwarnung aber, kurz vor dem Pausenpfiff, sei das Geschehen von einem Moment auf den anderen eskaliert. Da der Spieler sein Vergehen nicht eingesehen und unablässig gemeckert habe, sei ihm, dem Spielleiter, nichts anderes übrig geblieben, als Gelb-Rot zu zücken. Dann habe er einen Schlag oder Stoß in den Rücken bekommen. Für den Referee Grund genug, die Partie abzubrechen.

In der Folge sei es erst richtig wild geworden. Zuschauer, die den Platz stürmten, wüste Beleidigungen („Nazi-Sau“), Ordner, die unbeteiligt rumgestanden hätten, die zunächst verschlossene Schiri-Kabine („mein Schutzraum“). Nur weil sich ESV-Spieler um ihn geschart und später zum Auto eskortiert hätten, sei (noch) Schlimmeres verhindert worden.

Staffelleiterin bestätigt Angaben des Referees

Manuela Imholt, Leiterin der Parallelstaffel und als Zuschauerin vor Ort, bestätigt die Ausführungen des Referees in den wesentlichen Punkten. Auch die Kammer unter der Leitung von Reiner Hartdorf sieht keinen Anlass, an Glischinskis Worten zu zweifeln. Ihr Urteil: zwölf Spiele Sperre für den Mann, der auf den Unparteiischen losgegangen war. Zudem bleibt der Verein bis zum Saisonende vom Spielbetrieb ausgeschlossen – allerdings auf Bewährung. Und unter strengen Auflagen. So ist bei den restlichen Rroma-Heimbegegnungen kein Publikum zugelassen.

Und jetzt? Hat der Kreisschiedsrichterausschuss (KSA) womöglich ein Problem. Philipp Hagemann, bei der Verhandlung zugegen, weiß noch nicht, „wen wir guten Gewissens zu den nächsten Spielen des Kultur Vereins schicken sollen – wenn selbst einem unserer erfahrensten Leute so etwas widerfährt wie Ende Oktober.“ Denkbar sei, künftig Dreier-Gespanne zu entsenden.

„Grenzüberschreitungen“

Glischinskis Entschluss mache ihn „betroffen“, so der KSA-Chef. Indes: Umstimmen lassen werde er, der Referee, sich nicht. Er pfeife für sein Leben gern, die 30 Jahre als Unparteiischer „wollte ich unbedingt vollmachen“. Aber: Er sei in dem Spiel aufs Übelste beschimpft worden. Es gab „definitiv Grenzüberschreitungen“. Daher nehme er im Mai seinen Hut. Immerhin: Als Schiedsrichter-Beobachter bleibt Glischinski dem Kreis erhalten. Für Hagemann wenigstens „eine gute Nachricht“ am Ende dieses trüben Herbsttages: „Wir wären ja schön blöd, würden wir auf Dirks Expertise verzichten.“

Kommentar: Ungutes Gefühl

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