Frauen-Fußball: Kreisliga B

Geschichte wiederholt sich – BW Ottmarsbocholt mit Kracher zurück

Ottmarsbocholt

1972 waren die Damen des SC BW Ottmarsbocholt echte Pioniere. 47 Jahre später melden sie sich zurück – und wie. Das Kreispokalspiel am Mittwoch, 19.30 Uhr, elektrisiert die ganze Gemeinde. Kein Wunder bei diesem Gegner.

Florian Levenig

Freuen sich auf den Kreispokalkracher am heutigen Mittwochabend daheim gegen den VfL Senden: die neu formierten B-Liga-Damen des SC BW Ottmarsbocholt Foto: BWO

Wer glaubt, mit der Gründung einer Frauen-Fußballmannschaft seien sie bei BW Ottmarsbocholt spät dran, der irrt. Tatsächlich waren die Blau-Weißen auf dem Gebiet mal Avantgarde. Wie man der sehr lesenswerten Lokalsportchronik „Wo Kumpelkinder gegen Bauernblagen spielen“ des WN-Kollegen Theo Heitbaum entnehmen kann, stellte der Verein vor 47 Jahren das erste Damen-Team im Altkreis überhaupt. Auch das Ergebnis der ersten Partie am 9. April 1972 ist überliefert, ein torloses Remis gegen SuS Oberaden.

Am Sonntag, im ersten Pflichtspiel nach vier Jahrzehnten Pause zwischen BWO und dem TuS Altenberge 2, fielen übrigens ebenfalls keine Tore. Und die jüngste Volte in dieser wendungsreichen Geschichte hätte kein Netflix-Schreiber besser erfinden können: Am heutigen Mittwoch um 19.30 Uhr hat das Team von Harald Cunen in Kreispokalrunde eins den VfL Senden zu Besuch. Ausgerechnet. Der große Nachbar. Amtierender Bezirksliga-Vizemeister. Neben den eigenen Landesligamännern das fußballerische Aushängeschild in der Stevergemeinde.

Neuanfang in der Jugend

Zurück in die 1970er-Jahre: Jobs und Familienplanung sorgten dafür, dass das Ganze rasch wieder einschlief. Erst 2012, erinnert sich der sportliche Leiter Christian Schmauck, habe es einen Neustart bei den Mädchen gegeben. Bedrängt von ihren Töchtern, die nicht mehr nach Ascheberg, Amelsbüren oder Senden fahren mochten, um ihrem Hobby nachzugehen, hoben Hans-Peter Bregulla und Frank Schulz ein Jugendteam aus der Taufe. Es folgten diverse Spielgemeinschaften und, vor gut einem Jahr, die JSG Ottmarsbocholt/Senden – rückblickend der Durchbruch. „Seinerzeit hatten wir schon die Hoffnung, dass sich daraus irgendwann mal ein Senioren-Team entwickelt. Dass es aber so schnell gehen würde, damit konnte keiner rechnen“, so Schmauck.

Den Grundstock des B-Ligisten bilden sieben Kickerinnen aus der JSG-U17, die meisten aus dem größeren Ortsteil. Was nicht alle dort toll finden. Schon bei der Gründung der Spielgemeinschaft gab es kritische Stimmen an der Bulderner Straße, die unkten, von der Kooperation profitiere vor allem der kleinere Nachbar. Die sehen sich nun bestätigt.

VfL-Mädchen-Koordinator Dirk Glischinski sieht das etwas anders: „Natürlich darf die Zusammenarbeit keine Einbahnstraße sein. Aber zuallererst ist es doch eine gute Nachricht, dass diejenigen, die altersmäßig der B-Jugend entwachsen sind, überhaupt weitermachen.“ BWO-Damen-Coach Harald Cunen ergänzt, „dass die Mädchen unbedingt gemeinsam zu den Senioren rüberwechseln wollten“. Niemand habe sie gedrängt, statt beim künftigen Ligarivalen VfL Senden 2 in Ottibotti anzuheuern.

Senden kein Gradmesser

Was den Pokalknüller („die Mädels reden seit Tagen von nichts anderem“) angeht, ist Cunen ziemlich entspannt. Dies- wie jenseits des Kanals werde doch einzig über die Höhe des VfL-Sieges diskutiert: „Jeder erwartet doch, dass wir mindestens zehn Stück kriegen. Insofern können wir nur positiv überraschen.“ Und weiter: „Natürlich ist Senden für uns kein Gradmesser. Zumal wir uns als bunt zusammengewürfelter Haufen erst noch finden müssen.“ Neben den JSG-Eigengewächsen zählen vor allem Spielerinnen aus Ascheberg und Davensberg zum Kader. Daraus in den kommenden Wochen und Monaten eine Einheit zu formen, die im Unterhaus dauerhaftig konkurrenzfähig ist, sei das eigentliche Ziel.

Klare Angelegenheit?

Annika Scheunemann, Trainerin des VfL Senden, ordnet die Dinge vor dem Pokal-Derby ähnlich ein wie BWO-Coach Harald Cunen: „Auf dem Papier ist es eine klare Angelegenheit. Allerdings werden wir auf einen tief stehenden, auf Konter lauernden Gegner treffen. Der Ball muss erstmal ins Tor. So einfach wird das nicht.“ Und: „Für die Ottmarsbocholter ist es das Spiel des Jahres. Die haben nichts zu verlieren, wir aber sehr wohl.“ Theresa Wellerdieck steht verletzungsbedingt eher nicht zur Verfügung. Ansonsten sind alle an Bord.

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