Handball: Ausbildung

Kein drittes A-Jugend-Jahr – HSV-Vorstoß abgelehnt

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Ein zusätzliches Ausbildungsjahr, da coronabedingt eine ganze Saison verloren gegangen ist? Wieso nicht, haben sich der HSV Hamburg und der dortige Landesverband gedacht. Im Rest der Republik kam der Vorstoß nicht ganz so gut an.

Von Florian Levenig

Mit 18 ist Schluss: Auch beim ASV Senden ändert sich in den Altersklassen nichts. Foto: flo

„Die Idee“, räumt Patrick Puls ein, „hat einen gewissen Charme.“ Der HSV und der Hamburger Handballverband hatten angeregt, die A-Jugendlichen ein weiteres Jahr in der U 19 zu belassen. Weil sich deren Ausbildung coronabedingt sonst um zwölf Monate verkürze. Gerade an der Schwelle zum Männersport, so die Begründung der Hanseaten, mache sich dieses verlorene Entwicklungsjahr besonders bemerkbar.

Überzeugen konnten die Hamburger den Rest der Republik mit ihrem Vorstoß indes nicht. „Die übrigen Verbände haben das Ganze mit großer Mehrheit abgelehnt“, so Puls. Auch der Jugendvorsitzende im HV Westfalen findet, „dass am Ende die Risiken schwerer wiegen als die möglichen Vorteile“. Zum einen bereite das G 8-Abi den Vereinen Kopfzerbrechen: „Viele Spieler verlassen ihren Klub schon jetzt vor der zweiten U 19-Saison, weil sie ein Studium beginnen. Den 2002er-Jahrgang würde das erst recht betreffen, gerade im Breitensport.“

Zum anderen müsse man die Jüngsten bei einem solchen Szenario konsequent mitdenken: „Man kann ja schlecht in der U 19 alles umwerfen, von der B- bis zur E-Jugend aber beim Status quo bleiben.“ Die Lehrpläne in sämtlichen Altersklassen anzupassen, juristische Dinge im Blick zu behalten und – nicht ganz unwichtig – „zu überlegen, wann man wieder zum ursprünglichen Modell zurückkehrt“: Das sei dann doch ein bisschen viel Aufwand, findet Puls.

Thomas Hammerschmidt, U 17-Coach und Nachwuchskoordinator des ASV Senden, ist in der Frage zwiegespalten. Einerseits sei das letzte Juniorenjahr entscheidend für den weiteren Werdegang: „Da lernen die Jugendlichen, Verantwortung zu übernehmen. Auch müssen sie physisch zulegen, um sich später bei den Erwachsenen behaupten zu können.“

Gleichwohl bezweifelt Hammerschmidt die Praxistauglichkeit des Hamburger Modells: „Was sollen wir mit drei Jahrgängen in Senden anstellen? Bereits die 2003er-Jungs müssten um ihre Anteile bangen. Von den noch Jüngeren ganz zu schweigen. Es sei denn, wir bekämen eine zweite Mannschaft zusammen.“

Hammerschmidt: Quali kann warten

Mehr noch als die Frage, ob es übergangsweise drei A-Jugend-Jahrgänge gibt, beschäftigt Thomas Hammerschmidt, wann die Qualifikationsturniere für die Spielzeit 2021/22 ausgetragen werden. Bislang habe sich der Handballverband dazu nicht geräuspert, so der U 17-Coach des ASV Senden.Er selbst hat dazu eine klare Meinung: „Noch vor der Sommerpause mit den Ausscheidungsspielen auf Kreisebene zu starten, wäre aus meiner Sicht unverantwortlich. Selbst wenn wir – wonach es momentan überhaupt nicht aussieht – im Mai wieder in die Hallen dürften: Die Vorbereitungszeit wäre viel zu kurz.“ Bereits am 5. Juli beginnen in NRW die Schulerferien. Zwar habe der HV Westfalen angeregt, ein paar Freundschaftsspiele vorzuschalten, um die Mädchen und Jungs allmählich wieder an den Wettkampfmodus zu gewöhnen, so Hammerschmidt. Aber: „Die Intensität in den Quali-Spielen ist eine völlig andere.“ (flo)

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