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Judo: Talent

Lev Unterberg legt selbst Papa Satur aufs Kreuz – und träumt von Olympia

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Lev Unterberg hat große Ziele. 2032, im australischen Brisbane, will der zwölfjährige Sendener Olympia-Gold holen. Familienintern ist der junge Mann bereits die Nummer eins. Letztens, in Luxemburg, hat er einen besonderen Wurf gelandet.

Von Florian Levenig

Eine beträchtliche Sammlung an Pokalen und Medaillen: Bei 43 Turnieren stand der junge Sendener Lev Unterberg zuletzt 37 Mal auf dem Siegertreppchen. Foto: flo

Hoch im Kurs stehen bei den Jungs in Senden seit Menschengedenken Fußball und Handball. Doch als Lev Unterberg mit seiner Familie 2015 – fünf war der Sohnemann damals – aus Russland in die Stevergemeinde übersiedelte, da hatte er sein Herz längst an den Judosport verloren. Mutter Xenia erinnert sich: „Zwei Jahre, höchstens drei“ sei der Kleine gewesen, als ihn Papa Satur das erste Mal mit in die Halle genommen habe. Seither vergehe kaum ein Tag, an dem Lev nicht trainiert.

Corona? Na und? Nur eine Frage der Organisation. Xenia Unterberg verdreht noch heute die Augen: „Er und Satur haben das Wohnzimmer mit Matten ausgelegt und zur Turnhalle umfunktioniert.“ Die Mutter findet ganz grundsätzlich, eine Familie mit drei Kindern könne ihr Wohnzimmer während eines Lockdowns auch anders nutzen. Aber dazu noch dieses Geräusch, wenn einer den anderen aufs Kreuz legt: „Rums. Rums. Alle paar Minuten – bitte kein zweites Mal.“

Technik entscheidend

Nun würde man annehmen, dass, wann immer es „Rums“ gemacht hat, Satur – selbst Schwarzgurtträger, einen knappen Kopf größer und etliche Kilo schwerer – dem Filius eine Lektion erteilt hat. Tatsächlich aber war es letztens der Sohn, der den Vater mit einem geschickten Eindreher – die Spezialität des Jungen – bezwang. „Die richtige Technik“, sagt Lev Unterberg, „ist im Judo letztlich entscheidender als bloße Kraft.“

Satur Unterberg sagte, als er so am Boden lag, erst mal nichts. Klar wird er irgendwann stolz auf seinen Ältesten gewesen sein. Aber in dem Moment überwog halt der Schmerz. „Ich habe ihm zwei Rippen gebrochen“, erzählt der Zwölfjährige und strahlt dabei bis über beide Ohren.

Seine Gegner auf die Matte befördern: Lev ist darin recht geübt. 43 Wettkämpfe – viele auf internationalem Niveau – hat Unterberg junior seit 2019 bestritten, 37 Mal stand er anschließend auf dem Treppchen. Drei seiner bis dato größten Siege hat der junge Mann aus der Stevergemeinde in diesem Sommer gefeiert: zwei in den Klassen U 14 und U 16 (also gegen durchweg ältere Konkurrenten) beim Messestadtturnier im österreichischen Dornbirn, dazu einen in Luxemburg (U 15), wo er seinen Finalgegner mit einem Uchi Mata bezwang, einem besonders spektakulären Schulterwurf. „Adrenalin pur“, beschreibt Unterberg die Aktion, gerade weil ihm dieser hochkomplexe Move in seiner Vollendung zuvor nur selten gelungen sei.

Fernziel Olympia

Zum Beweis zeigt er ein Handyvideo von dem Kampf. Vater Satur, der ihn auf Turnieren stets betreut, kauert am Mattenrand und ist außer sich vor Freude. Auch Mutter Xenia reist regelmäßig mit: „Dank Lev kommen wir ganz schön rum in Europa.“ Frankreich, Belgien, die Niederlande und Estland heißen die kommenden Stopps der Familie. Unterbergs Fernziel aber ist ein anderes: Brisbane, Australien. Dort finden 2032 die Olympischen Sommerspiele statt. Dort will er seinem großen Idol, Shōhei Ōno, nacheifern, der in Rio und Tokio jeweils Gold gewann.

Dafür übt Lev Unterberg jede Woche zwölf Stunden und mehr: mit Vater Satur bei Clever Fit in Senden, an den Landesstützpunkten in Osnabrück und in Bottrop, bei seinem Verein, dem TSC Münster-Gievenbeck. Über kurz oder lang dürfte für den Realschüler ein Wechsel an den Bundesstützpunkt in Köln nebst angeschlossenem Internat Thema sein.

Xenia würde den etwaigen Auszug aus dem gemeinsamen Zuhause gern etwas hinauszögern. Dieser aufgeweckte Heranwachsende, der da auf dem Sofa neben ihr sitzt, von Olympia träumt und die Gegner reihenweise in den Staub schickt, „der ist doch noch ein Kind. Mein Kind.“

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