Fußball: Krisenmanagement

Mit Treue punkten – BW Ottmarsbocholt und VfL Senden appellieren an Mitglieder

Ottmarsbocholt/Se...

Die Spielerinnen des SC BW Ottmarsbocholt und des VfL Senden kommen bislang vergleichsweise gut durch die Krise. Damit nicht doch noch Vereinsmitglieder abspringen, haben beide Klubs gemeinsam mit dem Kreis Münster eine Aktion gestartet.

Von Florian Levenig

Dirk Glischinski (VfL/v.l.), Manuela Imholt (Kreis Münster) und Harald Cunen (BWO) hoffen, dass die Spielerinnen bei der Stange bleiben. Foto: red

Die Zahl, sie klingt einigermaßen beruhigend. „Nur“ 0,9 Prozent seiner Mitglieder habe BW Ottmarsbocholt im ersten Jahr der Pandemie verloren, berichtet BWO-Jugendleiter Markus Thiem. Womit die Blau-Weißen sogar noch unter dem kreisweiten Schnitt liegen. Auch dem benachbarten VfL Senden ist die von vielen befürchtete Corona-Austrittswelle erspart geblieben.

Aber, schränkt Dirk Gischinski, VfL-Juniorinnenkoordinator und Coach der U 17-Fußballerinnen der Jugendspielgemeinschaft (JSG) Ottmarsbocholt/Senden ein: „Wie viele von den Mädels tatsächlich bei der Stange bleiben, weiß ich erst, wenn wir wieder auf den Platz dürfen“. Bekanntlich trainieren derzeit nur – und wer weiß, wie lange noch – die bis 14-Jährigen in größeren Gruppen. Insofern könne es nicht schaden, die Menschen zu bitten, ihren Vereinen weiter die Treue zu halten, wie Thiem, Glischinski sowie die Damen-Coaches Annika Scheunemann (VfL) und Harald Cunen (BWO) bei einem Pressegespräch mit den WN betonen.

Unterstützung aus Münster

„Auch wenn wir, wie es scheint, gut durch die Krise kommen: Je länger das Virus uns im Griff hat, desto größer ist die Sorge, dass Mitglieder doch noch abspringen – weil wir ihnen eben derzeit nur ein begrenztes Angebot machen können“, fürchtet Thiem. Unterstützung bekamen die Klubs jetzt vom hiesigen Fußballkreis. Der hat eine Idee des Stadtsportbundes Münster aufgegriffen und wirbt unter dem Motto „Bleib‘ dabei – Unsere Vereine brauchen dich“ gezielt für den Verbleib jeder Spielerin und jedes Spielers – ob jung, ob alt.

Am Sonntag war Manuela Imholt, Staffelleiterin und Mitglied im Kreisfußballausschuss (KFA), zu Besuch an der Clemens-Hagemann-Straße – im Gepäck das „Bleib’ dabei“-Banner. Die Kampagne laufe super an, so Imholt, bereits zehn Vereine hätten sie binnen kürzester Zeit eingeladen.

Glischinski treibt derweil noch etwas anderes um: „Weil wir, anders als die Jungs, keinen U 19-Bereich haben, ist der Sprung zu den Damen eh schon riesig. Jetzt kommt auch noch ein mehr oder weniger verlorenes Ausbildungsjahr hinzu“ – für vier JSG-B-Juniorinnen, die im Sommer in den Seniorenbereich wechseln, eine echte Herausforderung.

Zwangspause zur Unzeit

Auch für die beiden Damen-Teams kam der Lockdown im Herbst zur Unzeit. „Wir hatten ja 2019 einen größeren personellen Umbruch und waren gerade wieder in Schwung gekommen“, erläutert Scheunemann. Während Cunen darauf verweist, „dass unsere Frauen-Mannschaft erst seit gut anderthalb Jahren am Spielbetrieb teilnimmt, wir also immer noch Aufbauarbeit leisten. Da braucht so eine Zwangspause kein Mensch.“

Mit einem blauen Auge durch die Krise

Der von vielen befürchtete Exodus ist im ersten Seuchenjahr ausgeblieben. Kreisweit hätten 2,7 Prozent aller Vereinssportler ihre Mitgliedschaft gekündigt, teilt der Kreissportbund (KSB) Coesfeld in einer just veröffentlichen Bestandserhebung mit. „Die Klubs kommen bislang mit einem blauen Auge durch die Pandemie“, erklärt Jens Wortmann. Gleichwohl hält der KSB-Geschäftsführer zwei Entwicklungen für bedenklich: Zum einen sei die Zahl der Austritte in den großen Mehrspartenklubs deutlich höher (teils im zweistelligen Prozentbereich). Zum anderen ist die Quote bei Mädchen und Frauen (4,4 Prozent) gut drei Mal so groß wie bei Männern. (flo)

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