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Leichtathletik: Serie zu 20 Jahren Marathon

Läuferzahlen in Münster gehen zurück - „Wir kämpfen um Novizen“

Münster

Laufen ist voll im Trend, nur die Marathon-Distanz bleibt auf der Strecke. Warum das so ist und wie die Organisatoren in Münster gegensteuern - der neunte Serien-Teil zum hiesigen Marathon.

Von André Fischer

Geschafft: Wen die Menschenmasse am Rande der Strecke bis ins Ziel geleitet, der wirkt unendlich glücklich. Foto: Jürgen Peperhowe

Höhlenmalereien lügen nicht. Der Mensch ist zum Laufen geboren. In der Antike (über-)lebensnotwendig bei der Jagd nach Tieren, geht es heute vorwiegend um Sport, Fitness, die Verbrennung von Kalorien. Millionen von Menschen schnüren täglich ihre Schuhe, joggen, walken, hetzen durch Wälder, Parks oder um Seen.

Vom Bewegungsmuffel über den inspirierten Aktiven in der Breite bis zum nimmermüden Kämpen in der Leistungsspitze – das Klientel ist vielschichtig. Unternehmen machen mit Sportwäsche und Pulsuhren einen Reibach – Laufen liegt im Trend. Nur die Königin aller Disziplinen bleibt seit Jahren auf der Strecke, immer weniger Menschen trauen sich an den Marathon heran. Die Zahl der Teilnehmerinnen und Teilnehmer und damit die der Finisher sinkt stetig.

"Echten Marathon laufen immer weniger"

„Durch das erweiterte Angebot für Läuferinnen und Läufer werden immer mehr von der klassischen Marathonstrecke verbannt – heutzutage kann man seine Finisher-Medaille schon vielfach nach der Hälfte der Strecke bekommen. Die Teilnehmerzahlen steigen zwar insgesamt, aber den echten Marathon laufen immer weniger“, sagt Michael Brinkmann, Cheforganisator des traditionellen Events in Münster.

Veranstalter kämpfen allerorts um Starterinnen und Starter. Ein weiterer Grund für das zurückgegangene Interesse: Viele haben sich den Marathon als Ziel gesteckt. Sobald sie das Ziel erreicht haben, lassen sie es ruhiger angehen. Die Vorbereitung zum Marathon bindet natürlich vor allem in den letzten zwölf Wochen vor dem Event ein hohes Maß an Zeit. Auch gibt es Aktive, die nur zu Premieren gehen, weiß Brinkmann aus langjähriger Erfahrung.

Von 5000 Läufern auf unter 2000

2002 scheint das auch in der Domstadt so zu sein – wahnsinnige 5000 Menschen auf dem Asphalt sorgen bei der Erstauflage für eine Massenbewegung. Aus dem Nichts katapultiert sich der Volksbank-Münster-Marathon an diesem 8. September in die Liga der absoluten Schwergewichte Berlin, Hamburg, Köln, München und Frankfurt. 4030 Ausdauerheldinnen und -helden erreichen glückselig den roten Teppich auf dem festlich geschmückten Prinzipalmarkt.

Auch wenn sich eine gewisse Tendenz abzeichnet, bleibt Münster noch im Rennen. Bis 2007 finishen immerhin über 3000 Menschen, nur 2006 sind es 2890. 2015 laufen nur noch 1939 Nimmermüde über den Zielstrich. Seitdem wird die 2000er-Finishermarke nicht mehr geknackt. Der deutliche Rückgang 2021 ist der Pandemie geschuldet. Alle Veranstalter kämpfen mit Reduzierungen um sogar bis zu 50 Prozent der sonst üblichen Finisher. Viele lassen den Marathon sogar ein zweites Mal ausfallen vor dem Hintergrund der zurückbleibenden Meldungen mit einhergehendem finanziellen Risiko.

Münster-Marathon soll Neulinge anlocken

Die Meldezahlen haben sich seit dem Frühjahr 2022 wieder auf hohem Maß stabilisiert – ähnlich wie im Jahr 2016 – ein Aufwärtstrend ist deutlich zu verspüren. Seitdem allerdings Gesundheitspolitiker wieder bundesweit in allen Medien vor einem „Corona-Herbst“ warnen, verharren die Meldungen in den Monaten Mai und Juni wieder auf deutlichem niedrigerem Niveau. Unsicherheit ist allenthalben zu spüren. Die Sportlerinnen und Sportler sind zurückhaltend geworden. Das bestätigen auch Veranstalterkollegen im Gespräch mit Michael Brinkmann.

Geld-zurück-Garantie in Münster

Zur Wahrheit gehört aber auch: 2002 gibt es deutschlandweit nur leicht über 100 Marathons, da ist die Auswahl überschaubar. Heute, bei weit mehr als 200 Veranstaltungen ist das Angebot riesig. Dazu sprießen allerorts alle möglichen Langstrecken-Varianten wie beispielsweise ein Untertage-Marathon aus dem Boden. Die Aktiven lechzen nach neuen Herausforderungen. Nebenbei steigt die Teilnehmerzahl über die halbe Distanz seit Jahren. Jedes Dorf bietet einen Volkslauf an – die kürzeren Strecken werden immer beliebter. Und in Staffelläufen wird die lange Distanz in überschaubare Laufhappen aufgeteilt. Laufen als Lifestyle.

„Es hat sich viel verändert“, so Brinkmann. „Früher waren Hektik und Druck im Arbeitsleben nicht so groß wie in diesen Zeiten. Wenn du heute für einen Marathon trainierst, musst du dir als Arbeitnehmer die Zeit gut einteilen.“ Doch er bleibt entspannt: „Wir wollen dafür kämpfen, viele Novizen für den Marathon zu gewinnen“. Aktionen, wie der Tag des Laufens sollen Impulsgeber dafür sein. Auch das neue Format, die 28 Kilometer, soll Interessierte auf dem Weg zum Marathon locken, quasi als Zwischenstation.

Teil 10: Der Besenwagen in Münster – wer sitzt drin?

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