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Leichtathletik: Serie zu 20 Jahren Münster-Marathon

Urgestein Helmar Winkler hatte extremes Glück - nun laufen bei ihm alle Fäden zusammen

Münster

Ein Münster-Marathon ohne Helmar WInkler wäre nicht vorstellbar, beim Start geht nichts ohne den 62-Jährigen. Seit Beginn ist er dabei, ist ein Mann der ersten Stunde, entwickelte das Event in Münster mit. Er ist selbst ein begeisterter Ausdauersportler - und das hätte 2008 auch tödlich enden können.

Von André Fischer

Helmar Winkler (r.) gehört zu den Männern der ersten Stunde. Foto: Walter Wagner/laufreport.de.

Über der Jungfrau erhebt sich die Sonne an diesem einladenden Morgen im August 2008. Sie erleuchtet die schneebedeckte Krone des dritthöchste Berges der Berner Alpen mit seinen 4158 Metern. Ein imposantes Schauspiel für Helmar Winkler, der schon den Mont Blanc (4809 Meter) an der Grenze zwischen Frankreich und Italien erklommen hat.

Mit einem Bergkameraden bricht er von Endorphinen berauscht auf – und später ein. Beim kräfteraubenden Abstieg rutschen die beiden in eine Gletscherspalte, werden acht Meter in die Tiefe gerissen, landen wie durch ein Wunder auf einem Schneebett. Stundenlang hocken sie eingeschlossen in der bitteren Kälte, versuchen mit einer Trillerpfeife auf sich aufmerksam zu machen. Haben Glück: Eine Seilschaft auf dem Rückweg vom Gipfel zieht sie aus der beinahe vollkommenen Dunkelheit. Gerettet.

Ein Marathon ohne Winkler? Unmöglich!

„Das war meine letzte Tour dieser Art“, gibt Winkler zu. Die Bilder sind in seinen Erinnerungen sehr präsent. „Meine Tochter Kajsa war damals nicht mal ein Jahr alt.“ Tausend Gedanken gehen ihm auf der Schwelle zwischen Leben und Tod durch den Kopf. Der Pädagoge am Berufskolleg in Dülmen und Lüdinghausen weiß heute mehr denn je jeden Tag zu schätzen.

Michael Brinkmann, Chef-Organisator des Volksbank-Münster-Marathons, ist heilfroh, dass alles gut ausgeht. Er und Winkler sind Männer der ersten Stunde, eng befreundet. Ein Event ohne Winkler? Unmöglich!

Der 62-Jährige ist ein Urgestein, 2. Vorsitzender und Bereichsleiter Start. Und ganz nebenbei für das Sicherheitskonzept verantwortlich. Früh morgens ab 3.30 Uhr laufen bei ihm am Veranstaltungstag die Fäden zusammen. Mit Edelhelfer Sven Eilinghoff weist er die übrigen ehrenamtlichen Hilfskräfte ein – Schlossplatz sperren, abgittern, Sponsorentafeln und Bühne aufbauen. Ganz nebenbei müssen Startnummern kontrolliert und die Staffelläufer in die Busse gen Nienberge und Roxel geleitet werden. Punkt für Punkt hakt er auf seiner Checkliste ab.

Helmar Winkler ist seit Beginn dabei. Foto: privat

Winkler ist hart im Nehmen

Dass es mitunter auch in der Tiefebene Westfalens nicht immer gefahrlos zugeht, erlebt Winkler 2021. Auf dem Fahrrad will er in der Frühe einen Lkw, der als Terrorsperre dient, zu seinem Standort bringen. Die Startfreigabe durch die Polizei erfolgt schließlich erst, wenn alle Sperrstellen besetzt sind. Plötzlich rutscht er auf dem feuchten Asphalt mit dem Hinterrad weg, stürzt schwer. Benommen versucht er wieder auf die Beine zu kommen. Dann versagt der Kreislauf. Helferinnen und Helfer nehmen sich seiner an, leisten Erste Hilfe, wollen einen Rettungswagen rufen. Aber: „Dafür hatte ich doch keine Zeit“, sagt er mit einem Lächeln auf den Lippen – und macht weiter, die blutige Platzwunde wird später von Rennarzt Dr. Ralph Schomaker mit einer kleinen Naht versorgt. So ist er.

Beeindruckt von der Premiere

Eigentlich könnte Winkler zu jedem der bislang 19 Marathons (s)eine ganz eigene Geschichte erzählen. Eine hat sich aber besonders in sein Gehirn gebrannt. Die erste Auflage. Die Premiere. Mit 5000 Startern. „Diese Zahlen haben uns alle erschlagen.“ Wettkampfbüro und Duschen sind damals noch am Stein-Gymnasium. Während des Kontrollgangs am Nachmittag traut Winkler seinen Augen nicht. Der Abfluss im Duschraum ist verstopft, das Wasser steht knöchelhoch, es müffelt. Überall liegen Duschgel-Tüten. Auch diverse Kleidungsstücke oder Reste von Energieriegeln und Obst finden sich in allen möglichen Ecken und Ausgüssen. Wer hat denn hier gewütet? „Es war ein heißer Tag, die mehr als 4000 Finisher haben die Gelegenheit für eine erfrischende Dusche ausgiebig genutzt“, erinnert sich Winkler. Und zeigt Verständnis.

Er scharrt seine Helferschar fix um sich, beauftragt einen professionellen Reinigungsservice. Es dauert Stunden, bis die Waschräume wieder begehbar sind. Ein Segen – am nächsten Tag ist Schule. Spät abends kommt er heim. Was für ein Tag denkt er. Trotz der Überstunden ist Winkler geflasht. Dieser Marathon hat Potenzial, viel Potenzial. Die Läuferinnen und Läufer, die begeisterte Menschenmenge, der rote Teppich in Münsters guter Stube, die bunten Fähnchen, die den Prinzipalmarkt schmücken – all das geht ihm nicht mehr aus dem Sinn. „Für das bist auch du verantwortlich“, sagt er sich. Schließt die Augen – und träumt von der zweiten Auflage, von einem Marathon, der mitten ins Sportherz trifft und für Gänsehaut sorgt.

Teil 4: Ludger Fliss, der Mann für die Technik, den Strom und das Wasser beim Marathon

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