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Aus zwei Wochen werden 50 Jahre: Die Geschichte von Andrea Böckmann

Münster

Es ist das Jahr 1972, als sich die junge Engländerin Andrea Blomer mit zwei Freundinnen einen kleinen Abenteuer-Trip nach Deutschland wagt. Auf Umwegen landet sie auch in Münster, wo die erste Viererzug-WM stattfindet. Nun fügt sich eins zum anderen.

Von Michael Schulteund

Andrea Böckmann kam vor 50 Jahren als Andrea Blomer aus England nach Münster – und hat hier ihr Glück gefunden. Auf dem alten Foto ist sie rechts zu sehen. Foto: Jürgen Peperhowe

Ihr Großvater war entsetzt, als ihm die 20-jährige Andrea Blomer klarzumachen versuchte, dass sie mit zwei Freundinnen einen längeren Trip von der britischen Insel hinüber auf den Kontinent machen wollte. Und das erst recht, als er erfuhr, dass das britisch-kanadische Damen-Trio in einem Planwagen, gezogen vom achtjährigen Shire Horse Prince, die deutschen Lande erkunden wollte. Und er war vollkommen fertig, als er auf den Kalender schaute: Frühjahr 1972. Aber später, als alles gut ausgegangen war, da war er stolz auf seine Andy.

Diese hatte sich mit Georgie Roy und Marny Hyde in dem exotischen „Gypsy Caravan“ von Essex auf den Weg nach Essen gemacht. Sie wollten zur Equitana, weil sie allesamt ein Faible für Pferde hatten. Auf der Messe wurden sie zu einer kleinen Attraktion mit dem großen Pferd und bekamen den guten Rat, doch weiter nach Münster zu ziehen. Denn dort stand die erste Viererzug-WM an. „Und das wollten wir uns nicht entgehen lassen.“

Unterkunft auf dem Hof Elberich

In Münster angekommen, durften sie Pferd und Wagen beim Veranstalter auf dem Hof Elberich am Haus Lütkenbeck abstellen („Das war nicht selbstverständlich, viele waren skeptisch“) und schauten sich das Spektakel an. Und nicht nur das. Bei der WM-Abschlussparade über den Prinzipalmarkt waren sie dabei. An­drea Blomer erinnert sich: „Der Veranstalter hatte uns eingeladen, aber wahrscheinlich auch bald wieder bereut. Denn wir brachten alles durcheinander.“ Immerhin hat ihnen WM-Schirmherr Prinz Philip vom Rathausbalkon aus zugewunken, das weiß sie heute noch.

Neben dem Interesse am Sport verstand sich das lustige Mädel-Trio durchaus auch aufs Feiern. Schön für Ulrich Fertmann, 18-jähriger Nachbarjunge, und seine Freunde, die sich schnell für Pferd, Wagen und vor allem die jungen Damen erwärmten. Wollten die Mädels anfangs nur drei Tage bleiben, wurden am Ende zwei Wochen daraus. Denn sie hatten Zeit und finanziell hatte sich Andrea auch gut vorbereitet. „Ich habe meinen Morris 1000 an meine Mutter verkauft.“ Fertmann: „Wir zogen von Schützenfest zu Schützenfest rund um Münster und hatten viel Spaß.“ Echte Freunde sind sie geworden, der Uli und die Andy.

Ausbildung als Krankenschwester

Diese Freundschaft sollte auch anhalten, als Andrea Blomer nach drei Monaten wieder auf die Insel zurückgekehrt war. Und weil die Britin einerseits die deutsche Sprache erlernen und andererseits ihre Freunde wiedersehen wollte, kam sie ein Jahr später zurück. Sie ließ sich im Hiltruper Krankenhaus zur Krankenschwester ausbilden und wohnte zunächst bei den Fertmanns.

Nun kam der Landwirt Bernhard Böckmann ins Spiel, den sie auf einem Schützenfest in Handorf getroffen hatte. Es funkte sofort, und es funktioniert bis heute. Drei Kinder haben Bernhard und Andrea, die längst Böckmann heißt: Rebecca, Benedikt und Eva. Alle haben sie die Leidenschaft für Pferde geerbt und leben sie aus: Rebecca als Hausfrau, Benedikt als Bauer und Eva, die im Stall von Michael Klimke arbeitet. Und alle wohnen in Kasewinkel, nur einen Steinwurf voneinander entfernt. „Schön, aber auch anstrengend“, lacht Oma Andrea, wenn sie an die Enkel denkt.

Und sie ist froh, dass sie damals den großen Schritt gewagt hat. Mit Uli Fertmann ist sie immer noch befreundet, und Uli ist längst Bernhards bester Freund.

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