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Reitsport: Deutsches Freizeitpferde-Championat

Mit „Wildpferd“ zum Titel

Milte

Die Milterin Mareike Beer war beim deutschen Freizeitpferde-Championat erfolgreich - mit einem ganz besonderen Pferd.

Von Thomas Havelt

Mareike Beer vom RFV Milte-Sassenberg durfte sich in Hannover über den Sieg ihres Wallachs Lenz THC im deutschen Freizeitpferde-Championat freuen. Foto: Hartwig

Über einen schönen Erfolg konnte sich die Milterin Mareike Beer beim 12. Deutschen Freizeitpferde-Championat in Hannover freuen. Der von ihr vorgestellte sechsjährige Wallach Lenz THC gewann als zweitjüngster Teilnehmer das Championat in der Klasse der vier- bis zwölfjährigen Pferde ohne deutschen Abstammungsnachweis.
Zu absolvieren hatten beide einen umfangreichen Anforderungskatalog. Nach einer Rittigkeitsüberprüfung im Rahmen einer Dressurprüfung beurteilte ein Fremdreiter die Rittigkeit und den Ausbildungsstand des Pferdes. Anschließend gab es einen Gruppengeländeritt mit Positionswechsel im Galopp sowie einer Überprüfung der Grundgangarten Schritt, Trab und Galopp.
Dem folgte ein kleiner Geländeritt mit einigen Sprüngen über feste Hindernisse und ein Wasserdurchritt. Zum Abschluss ging es in eine Gehorsamsprüfung mit sechs verschiedenen und sehr anspruchsvollen Stationen wie etwa dem Überwinden einergroßen mit Wasser bedeckten Plane, dem Anhalten aus dem Galopp an einer bestimmten Stelle in einer Stangengasse, dem Passieren eines mit Blechdosen gefüllten Jutesacks, der von einem Helfer über den Boden gezogen wird und ähnliche Gehorsamsaufgaben.
Am Ende hatte Lenz THC 85,5 von 100 Punkten erzielt und sich damit den Championats-Titel in seiner Klasse gesichert.
Dabei hat der von dem Oldenburger Hengst Landrover abstammende Lenz THC eine ganz besondere Vorgeschichte. Denn seine ersten drei Lebensjahre verbrachte er mehr oder weniger ohne menschliches Zutun als „Wildpferd“ in dem einzigartigen Natur- und Artenschutz-Projekt „Thüringeti“ im thüringischen Crawinkel.
Dort betreibt Landwirt Heinz Bley seit knapp 20 Jahren eine deutschlandweit wohl einmalige Art der Warmblut- und Reitpferdezucht. Auf rund 2500 Hektar wachsen 600 Pferde und 300 Rinder nahezu ohne Kontakt zu Menschen auf. Auf riesigen Standweidenstehen die Stutenherden mit den jeweils für die Decksaison ausgesuchten Weidehengsten. Auch die Fohlen werden unter freiem Himmel geboren und wachsen dort mit ihren Müttern bis zum Zeitpunkt des Absetzens auf. Einmal im Jahr, am 3. Oktober, werden rund 100Fohlen und Jungpferde im Rahmen einer Auktion versteigert. So kam Lenz THC dreijährig zu Mareike Beer, die ihn mit viel Ruhe, Gelassenheit und Sachkompetenz anritt und ausbildete.
Aus der Thüringeti sind auch zahlreiche erfolgreiche Sportpferde in allen Disziplinen hervorgegangen. Mit Lenz THC kommt nun auch ein Freizeitpferde-Champion auf die Erfolgsliste.

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