Trainer: Was machen sie mit der vielen coronabedingt freien Zeit?

Eine Angel hat sich keiner gekauft

Laer/Metelen/Ocht...

Die Punktspiele, die Spielvorbereitungen, die Trainingseinheiten – das alles fällt gerade weg. Folglich haben die Trainer mehr freie Zeit. Aber was fangen die Übungsleiter mit ihr an?

Günter Saborowski

SVB-Trainer Christoph Klein-Reesink (2.v.l.) geht die fußballfreie Zeit langsam auf die Nerven. Foto: Thomas Strack

Zwei bis drei Mal in der Woche Training, dann am Sonntag das Spiel, zudem Gespräche mit Spielern, Scouts oder Trainerkollegen, die den nächsten Gegner kennen, dazu noch die Vorbereitung der Übungseinheiten – Trainer, egal ob beim Fußball oder Handball, müssen in der Woche eine Menge Zeit aufwänden, wenn sie mit ihren Mannschaften Erfolg haben wollen. 15 bis 20 Stunden kommen in den meisten Fällen locker zusammen, vorausgesetzt der Coach wohnt um die Ecke und muss nicht erst noch aus Münster oder Pusemuckel nach Stemmert anreisen. Dann käme noch die Fahrtzeit hinzu. Doch was machen die Übungsleiter mit der vielen freien Zeit, die ihnen Corona seit Monaten beschert? Angeln gehen, mit dem Hund spazieren oder Puzzles in der Stückzahl 2000 auf dem Wohnzimmertisch zusammenbauen?

„15 bis 20 Stunden? Ja, das passt ungefähr, nicht zu vergessen die Gespräche mit der Zeitung am Freitag“, witzelt Burgsteinfurts Trainer ChristophKlein-Reesink, der die freie Zeit am Anfang genossen hat. Aber „jetzt fängt es an zu nerven. Joggen kann ich wegen meiner Hüften ja nicht mehr“, fällt sportliche Betätigung bei Reese aus. „Und meine beiden Jungs wollen auch nicht unbedingt mit dem Papa Fußball spielen.“ Ein neues Hobby hat Klein-Reesink nicht für sich gefunden, einzig: „Ich habe ja früher nie Netflixserien geguckt. Das mache ich jetzt schon mehr.“

ChristianWoltering, Coach der Ochtruper Handballer, kann nicht behaupten, dass er nichts in Sachen Handball unternimmt. Seit ein, zwei Monaten arbeitet er mit seinem Team an der „Verbesserung von Kleinigkeiten“, die seine Mannschaft besser machen sollen. Natürlich alles digital. Darüber hinaus werde einmal in der Woche in puncto Athletik und Stabilisation einiges unternommen. Seine Spieler bekommen sozusagen Hausaufgaben von ihm. Für sich selbst hat Woltering das Golfen entdeckt: „Das ist eine geniale Sache, die auch später gerne machen möchte. Und am besten fängt man ja früh an, damit man es später, wenn ich mehr Zeit habe, auch richtig kann.“

Bei Matellia Metelens Trainer ThomasDauwemacht sich das Plus an freier Zeit durch den Wegfall des Fußballs nicht gravierend bemerkbar. „Ich habe diese 20 Stunden ja nicht komplett frei. Da gibt es immer noch den Kontakt zum Vorstand, zu den Spielern und zu anderen Trainern. Außerdem bekommt die Mannschaft ihre Aufgaben digital zugestellt. Ich bin in der Vorbereitung immer sehr akribisch – alles mit Ausrichtung auf die neue Saison. Wenn man gar kein Ziel hat, dann nagt das an der Motivation“, sagt der Matellia-Coach. „Ich glaube, im Mai oder Juni darf man wieder auf die Plätze, daher halte ich schon jetzt Kontakt zu anderen Trainer mit Blick auf die neue Saison.“

RonKonermann, der bei TuS Laer die Einheiten leitet und sonntags mit seinen Nullachtern um den Sieg zittert, kommt diese coronabedingt „Freizeit“ aktuell entgegen, weil er in Gimbte ein Haus umbaut. „Einen Hund hatte ich schon, daher musste ich mir keinen zulegen. Ich verbringe im Moment viel Zeit mit Behörden wegen Genehmigungen und so weiter. Da kann man besser eine Horde Fußballer trainieren, das ist einfacher und macht mehr Spaß“, behauptet Konermann.

FlorianGerkevom Borghorster FC rechnet auf die 20 Stunden noch mindestens fünf Stunden an Fahrt drauf, da er in Münster wohnt. Ansonsten beschäftigt sich der Kollege von Michael Straube, der im Winter sein „Elternhaus umgebaut hat“ mit Frau, Küche, Teuto und Tischtennis. „Ich verbringe viel Zeit mit meiner zukünftigen Frau. Außerdem stellt sich bei uns bald Nachwuchs ein. Darauf kann man sich jetzt gut vorbereiten. Ich war noch nie so viel im Teuto wie zuletzt. Wir haben das Spazierengehen für uns entdeckt“, erzählt Gerke, der nebenbei auch mehr Zeit in der Küche verbringt: „Klar, es wird ausgiebiger gekocht, und man probiert auch mehr aus als früher. Und ich spiele einmal in der Woche mit Marius Wies Tischtennis. Da kann nix passieren, denn es ist ja eine Platte zwischen uns“, ist der Abstand schon mal coronakonform.

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