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Der (vielleicht) älteste Torwarttrainer der Fußball-Landesliga

„Fischi“ hat einen Traum

Altenberge

Per Zufall zwischen die Pfosten und dann dazwischen hängen geblieben: Bodo Nelde hat beim TuS Altenberge schon einiges erlebt und einige Posten bekleidet.

Günter Saborowski

Für Bodo Nelde (unten rechts) Foto: verai

Zwei Wochen dauerte die Karriere als Feldspieler, dann stand Bodo Nelde sein Leben lang zwischen den Pfosten. Die damals wahrscheinlich sogar noch aus Holz waren und eckig. Ein ähnliches Hölzchen hat ihm dazu verholfen, denn „als in der D-Jugend unser Torwart krank war, haben wir Streichhölzer gezogen. Und ich habe das kürzeste abbekommen“, erzählt der 60-jährige Altenberger, wie er zu seinem Job als Torwart kam.

Lang ist‘s her, 55 Jahre ist der Vater von zwei Kindern nun Mitglied beim TuS – und stand immer im Kasten, seit 1994 allerdings nicht mehr, zu dem Zeitpunkt begann seine Karriere als Co- und Torwarttrainer. „Ich habe das anscheinend ganz gut gemacht, deshalb musste ich drin bleiben“, brachte ihn sein Können bis in die Bezirksliga unter Trainer Bernd Kipp. Mit der A-Jugend der Nullneuner stand Nelde 1979 im Kreispokalfinale gegen Preußen Münsters Jugend ebenfalls auf dem Acker: „Das war in Sprakel auf Asche. Wir haben knapp mit 1:2 verloren“, erinnert er sich – und muss wohl erneut ganz gut gehalten haben.

Danach ging es hoch in die Senioren. Unter Reinhard Fabisch, von 1969 bis 1971 Profi bei Borussia Dortmund und später Nationaltrainer in Nepal und Barbados, dann Norbert Steiner und Eppi Hammer blieb Nelde dem TuS treu. Drei Mal in Folge wurden die Altenberger mit ihrem „100 000-Mark-Sturm“ in Folge Vizemeister der A-Liga. „Wir wurden so von den anderen Mannschaften genannt, weil unser Trainer einige Spieler aus Münster mitgebracht hatte, unter anderem Eppi Hammer, Hajo Thermann (heute Professor für Orthopädie in Heidelberg, Anm. d. Red.) und Klaus de Boer“, erinnert sich der Altenberger. Mit Bernd Kipp als Trainer klappte der Aufstieg dann endlich: Der TuS war in der Bezirksliga. Nelde: „Wir hatten nur ein Spiel verloren, das war in Kinderhaus. Da habe ich ich auch meine einzige Rote Karte in meiner Laufbahn bekommen, unberechtigt natürlich.“

Ein einziges Mal lockte ihn die Versuchung, die Seiten zu wechseln. Keineswegs auf dem Platz, es zog ihn vielmehr zu einem anderen Verein. „Ich hatte zusammen mit Klaus de Boer ein Probetraining beim ASC Schöppingen, damals noch in der Verbandsliga unter Hans-Werner Moors. Altenberge wollte allerdings eine Ablösesumme haben. Schlussendlich haben sie dann einen anderen Torwart genommen, einen Lenz vom Bünder SV“, erinnert sich Bodo Nelde dunkel.

In Altenberge ging es unter Frank Burghaus weiter um Meisterschaftspunkte in der Bezirksliga, bis Nelde 1994 aufhörte: „Ich war 34 Jahre alt, und Johannes Gerdes, der nach mir kam, war jünger und besser. Ich habe ihm dann den Weg freigemacht und bin Co-Trainer geworden.“ Heute trainiert er nur noch die Schnapper, hatte allerdings zwischen 2010 und 2016 aus familiären Gründen eine Pause eingelegt. „Der Beste bisher war Marc Wenning-Künne. Wenn der fünf Zentimeter größer wäre, würde der auch höher als Landesliga spielen können. Aber Jan Fabian Winter ist mittlerweile auch richtig gut geworden“, hält der BVB-Fan Nelde auch große Stücke auf den Mann aus der Zweiten.

Für den ältesten Torwarttrainer der Landesliga hält er sich ebenfalls – „ich habe noch keinen älteren gesehen“ – der älteste Torwart, der je in der Landesliga auf dem Platz gestanden hat, will er noch werden. „Unser Trainer weiß das. Ich möchte einmal mit meinen 60 Jahren für zwei Minuten bei einem Punktspiel noch auf dem Platz stehen. Das war schon für die letzte Saison sogar geplant“, sagt Nelde. Gescheitert ist dies mitnichten am fehlenden Trikot in der passenden Größe, denn aus seinen 86 Kilo bei 186 Zentimetern Körperlänge ist mittlerweile mehr geworden – und dies nicht nach oben. „Wenn alles passt, Spiel- und Tabellensituation, können wir das machen“, ist TuS-Trainer André Rodine für diesen Gag zu haben. Aber: „Fischi muss schon noch ein wenig abnehmen dafür.“ Womit auch sein Spitzname ins Spiel gekommen wäre: „Den habe ich seit der A-Jugend. Ich hatte eine gute Sprungkraft und habe die Bälle oft auch aus dem Winkel gefischt“, erklärt Nelde – und geht sein Torwarttrikot suchen.

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