1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Steinfurt
  6. >
  7. Ganz demokratisch kicken

  8. >

Fußball: Philipp Lürwer spielt weder beim HSV noch St. Pauli

Ganz demokratisch kicken

Hamburg/Borghorst

New York, Rio, Tokyo hieß es in einem Song von Trio Rio vor 30 Jahren. Barcelona, San Diego, Hamburg heißt es bei Philipp Lürwer, der als Fußballer bei Preußen Borghorst gestartet ist – und in sechs Jahren bei den Senioren einiges erlebt hat.

Günter Saborowski

Philipp Lürwer (l.) ist von Borghorst über Münster, Barcelona und San Diego nach Hamburg umgesiedelt. Foto: gs

Sechs Jahre lang hat Philipp Lürwer im Seniorenbereich von Preußen Borghorst Fußball gespielt und in dieser relativ kurzen Zeit alles erlebt, was der Meisterschaftsspielbetrieb zu bieten hat: Relegation, Aufstieg, Abstieg, Drama am letzten Spieltag, Wiederaufstieg – die ganze Palette halt. Ganz zu schweigen von den vielen Feierlichkeiten – und gelegentlichem Frust –, die solch eine Karriere mit sich bringen. Seit 2014 lebt der ehemalige – meist defensive – Mittelfeldspieler in Hamburg, ist verheiratet und seit acht Monaten Vater einer Tochter.

„Ich habe in der Jugend bei Preußen angefangen, mein erstes Seniorenjahr war unter Schallo Adick als Trainer, als wir als Tabellenzweiter die Relegation erreicht haben“, erinnert sich der 34-Jährige gerne an diese Zeit. „Das war ein Heidenspaß damals. Da passte alles mit der Mannschaft“, sagt Lürwer, vom Trainer bis zu den Spielern. „Das ist in so einer Relegation ja eine ganz andere Spannung als bei normalen Meisterschaftsspielen. Blöd war nur, dass wir die Mannschaftsfahrt sausen lassen mussten“, hatte die Sache wie so oft natürlich auch einen – emotional wie auch finanziellen – Haken.

Dem Happy End der Relegation 2006/07 folgten zwei Jahre Landesliga und der Abstieg in die Bezirksliga in der Spielzeit 08/09. Danach folgte das Kopf-an-Kopf-Rennen mit dem SV Burgsteinfurt und der dramatische letzte Spieltag, als die Preußen unter Trainer Jürgens in Hopsten den Wiederaufstieg vergeigten und an Burgsteinfurt abtreten mussten. Im Jubiläumsjahr des SC Preußen 2011 folgte dann der ersehnte Wiederaufstieg, ein Jahr später nahm Lürwer seinen Abschied aus Borghorst. „Ich wollte zum Studium nach Barcelona. Im letzten Spiel, ich glaube es war gegen Burgsteinfurt, habe ich mir einen Innenbandriss zugezogen“, war‘s vorerst vorbei mit Kicken.

Doch nicht nur in Spanien hat sich der damalige Student der Volkswirtschaft weitergebildet, San Diego in den USA und Peru folgten. Mittlerweile arbeitet Lürwer als Broker für Schiffsversicherungen in Hamburg. „Das hört sich wild an, ist aber nur der englische Begriff. Und da die meisten Reedereien in Deutschland hier in Hamburg sitzen, arbeite ich halt hier“, erzählt er. Seine Frau kommt aus Bremerhaven. Die hat er allerdings mitnichten im Norden bei einem Strandspaziergang kennen gelernt, sondern in Amerika während seines Aufenthalts in San Diego. Die Welt ist halt ein Dorf.

Affinität zum Football hat Lürwer dort jedoch nicht entwickelt. „Für einen, der groß und dünn ist, ist das keine Sportart. Beim Fußball habe ich am liebsten im Mittelfeld gespielt, egal oder defensiv oder offensiv. Da muss man viel laufen, das ist meine Stärke.“ Bei 1,92 Meter Körperlänge und – damals – 70 Kilogramm Gewicht kein Wunder. Aus den 70 sind mittlerweile 80 Kilo geworden, aber „das fällt bei mir ja gar nicht auf“, grinst der immer noch 1,92 Meter lange Lürwer.

In Spanien und den USA hatte der Borghorster mit dem Fußball wenig Kontakt, das änderte sich erst ab 2014 in Hamburg. „Ich habe beim VfL 93, das ist ein Verein in Winterhude, eine Combo gefunden, wo ich in der dritten Mannschaft mitgespielt habe. Das lief alles recht demokratisch ab. Jeder sollte seine Spielanteile bekommen, ohne Trainer sogar. Der stand eigentlich nur als Name auf dem Spielberichtsbogen“, erzählt er. Zwei Mal ist er mit seiner Mannschaft in drei Jahren aufgestiegen. Dann wurde die Dritte vom Verein sogar zur Ersten erklärt. „Aber für die Bezirksliga hat es nicht mehr gereicht“, folgte wieder ein Abstieg. Vielleicht lag es ja daran, dass Lürwer zu oft an den Wochenenden in seiner Heimat war. „Wir sind ja jetzt alle in dem Alter, dass Hochzeiten und Junggesellenabschiede auf dem Programm stehen. Da bin ich schon öfter mal nach Borghorst gefahren“, ist der Kontakt nach Hause nicht abgerissen.

Startseite