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Paratriathlon: Wolfgang Probst wird bei der EM böse überrascht

Wie ein Schlag in die Magengrube

Burgsteinfurt

Mit großen Ambitionen fuhr Wolfgang Probst zu den Europameisterschaften der Paratriathleten nach Polen. Eine unverhoffte Überraschung dämpfte diese jedoch ein wenig.

Von Marc Brenzel

Auf der nassen Radstrecke musste Wolfgang Probst hochkonzentriert fahren, um in den Wendepunkten einen Sturz zu vermeiden. In seiner Lieblingsdisziplin konnte der Burgsteinfurter keine Zeit gut machen.

Die Europameisterschaft der Paratriathleten im polnischen Olszytn lief für Wolfgang Probst nicht wie erhofft. Dafür sorgte unter anderem eine Neuklassifizierung, die den 53-jährigen Ausdauersportler von Marathon Steinfurt in die härteste Wettkampfklasse überhaupt spülte.

Bis dato startete der Stemmerter in der PTS4, in der sich Athleten mit moderaten Beeinträchtigungen messen. Doch vor dem Wettkämpfen in Olsztyn – die 170 000 Einwohner große Stadt liegt in der Nähe zur russischen Enklave Kaliningrad – stuften die Verbandsärzte den Münsterländer nach zweistündiger Untersuchung in die PTS5 zurück. Dort sind die stärksten Sportler mit den laut Reglement mildesten Handicaps vertreten. So auch der deutsche Paralympicssieger Martin Schulz oder der Brite George Peasgood, der vergangenen Sommer in Tokio Silber gewann.

„Das war natürlich ein Schlag in die Magengrube. Damit habe ich nicht gerechnet, eine sehr pingelige Auslegung“, fand Probst. Somit war fast schon klar, dass es für den Deutschen Staffelmeister nicht zu einer Top-Ten-Platzierung reichen dürfte.

Erschwerend kam hinzu, dass sich das Wettkampfgericht dazu entschloss, aus dem Triathlon einen Duathlon zu machen. Die Argumentation: Die Wasser- und Lufttemperaturen seien am Samstagmorgen kurz vor dem Startschuss zu niedrig gewesen. Und so mussten die Athleten in der PTS5 zwei Mal auf die Laufstrecke und einmal aufs Rad. „Das ist für Leute wie mich mit meinem kaputten Fahrgestell alles andere als optimal“, verwies Probst auf seinen Hüft- und Beckenschaden.

Der Kaderathlet des Team D nahm die Herausforderung trotzdem voll motiviert an – und das in einem Feld, in dem der nächstälteste Konkurrent 15 Jahre jünger ist. „An den Spitzenleuten wie Schulz brauchte ich mich gar nicht dranhängen, sonst wäre ich geplatzt“, ging Probst die ersten 2,4 Kilometer in seiner eigenen Zeit an.

Nach 9:03 Minuten wechselte der Burgsteinfurter auf den Sattel (14,7 Kilometer, 23:40 Minuten). Da aufgrund der zusätzlichen Laufstrecke die Radstrecke gekürzt wurde, hatte der Marathoni in seiner Lieblingsdisziplin weniger Chancen, die beim Laufen verlorene Zeit aufzuholen. Auf der teilweise nassen Radstrecke mit Windböen von bis zu 50 km/h musste hochkonzentriert gefahren werden, um in den Wendepunkten Stürze zu vermeiden.

Der Wettkampf fand mit dem 5,2-Kilometerlauf (23:22) dann sein Ende. „Mit der Laufleistung bin ich eigentlich ganz zufrieden“, urteilte Probst, der die EM auf Rang zwölf abschloss und damit die Vorgabe von Bundestrainer Tom Kosmehl erreichte.

Fragen wirft bei Probst und den Trainern der Deutschen Triathlon Union (DTU) die neue und vielleicht auch endgültige Klassifizierung des Stemmerters auf. Verband und Sportler sind bestrebt, in die PTS4 zurückzukehren. Nicht unwichtig, denn in dieser Kategorie ist Probst für die beiden Weltcups in diesen Monat im französischen Besancon und im spanischen A Coruña gemeldet. Ob seine Startberechtigung auch für die PTS5 gilt, bleibt abzuwarten.

Für Wolfgang Probst steht fest: „Sollte ich nicht wieder in meine alte Wettkampfklasse kommen, war es das mit meiner internationalen Karriere wohl. Im Paratriathlon gibt es keine Altersklassen, und mit den jungen, starken Leuten in der PTS5 kann ich einfach nicht mehr mithalten.“

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