Fußball: Saison 1980/81

Meistertruppe der SG Telgte mit Kult-Status

Telgte

Den Betriebsunfall Landesliga-Abstieg korrigierte die SG Telgte in der Saison 1980/81 umgehend. Die Truppe von damals genießt auch 40 Jahre später noch Kult-Status im Club. Es folgte eine große Zeit für die SG. Trainer Fritz Kinateder und einige frühere Spieler geraten noch heute ins Schwärmen.

Ralf Aumüller

Die Bezirksliga-Meistertruppe der SG Telgte 1980/81 mit (hi.v.l.) Trainer Fritz Kinateder, Norbert Grieswald, Uwe Schäfers, Franz-Josef Hübbertz, Uwe Niemeyer, Horst Stuermer, Herbert Döhlinger, Klaus Ermeling, Josef Holtmann, Willi Kersten, Peter Heitmann (stellvertretender Abteilungsleiter), Siegfried Brockmann (Co-Trainer), Bernd Pahgenkemper (Abteilungsleiter) sowie (vo.v.l.) Wolfgang Heidkamp, Michael Stephan, Thomas Nachtigall, Michel Sentef, Wolfgang Schwarzkopp, Günter Hasken und Franz-Josef Laumann Foto: privat

„Warum sollten wir tiefstapeln?“ Mit dieser rein rhetorischen Frage wurde im Sommer 1980 Peter Heitmann in einem WN-Artikel zitiert. „Immerhin haben wir große Anstrengungen unternommen, um unsere Mannschaft zu verstärken“, sagte der stellvertretende Fußball-Abteilungsleiter der SG Telgte. Er hatte den Mund nicht zu voll genommen.

Nach vier Jahren in der Landesliga war die Sport-Gemeinschaft 1980 abgestiegen, als abgeschlagener Tabellenletzter. Einige verdiente Routiniers hörten auf, die Mannschaft wurde groß umgekrempelt. Mit dem gewünschten Erfolg: Telgte kehrte umgehend in die Landesliga zurück. Die SG feierte 1981 unangefochten mit neun Zählern Vorsprung (es galt noch die Zwei-Punkte-Regelung) die Meisterschaft in der Bezirksliga.

Unabhängig von dieser sportlichen Bilanz: Die Truppe genießt auch 40 Jahre später noch Kult-Status im Club. Die SG hielt sich bis 1986 in der Landesliga, es war eine große Zeit. Günter Hasken und Herbert Döhlinger, Jupp Hübbertz und Seppl Holtmann, Franz Laumann und Uwe Schäfers, Michael Sentef, Klaus Ermeling und Wolfgang Heidkamp – alles Namen, die für ein Stück Vereinsgeschichte stehen.

Weltmeister mit der Militär-Auswahl

Und da war ja noch der Trainer. Fritz Kinateder kam 1979 ins Jugendstadion und blieb bis 1985. Als Sportlehrer an der Bundeswehr-Sportschule in Warendorf leitete er auch Lizenz-Lehrgänge, die vom DFB anerkannt wurden. 25 Jahre lang betreute Kinateder zudem die deutsche Bundeswehr-Nationalmannschaft. Mit der Auswahl wurde er sogar mal Weltmeister.

Wolfgang Heidkamp

„Fritz Kinateder war einer der besten, wenn nicht der beste Trainer, den Telgte je hatte“, sagt Heidkamp. „Ein Fußballlehrer. Das war eine richtige Ausbildung für uns. Auch den älteren Spielern konnte er noch etwas beibringen“, schwärmt Ermeling. „Er hatte Charisma und ein Händchen, eine Mannschaft zu führen“, erinnert sich Hübbertz. „Er hatte eine ruhige Art, konnte aber auch energisch sein. Und er hat alle mitgenommen.“

So viele waren das Anfang der 80er-Jahre allerdings nicht. Mit einem kleinen Stammkader von nur 16 Spielern kam die SG durch die Saison. Den personellen Umbruch stielte die Vorstandsriege um Abteilungsleiter Bernd Pahgenkemper ein, unterstützt von einem starken lokalen Sponsorenpool. Neun Mann waren neu im Aufgebot, darunter Torwart Willi Kersten vom Oberligisten TSG Harsewinkel und Hübbertz vom Verbandsligisten VfB Bottrop.

Diszipliniert und leistungsbereit

„Ja, Willi Kersten war toll. Jupp Hübbertz hat damals schon einen modernen Außenverteidiger gespielt. Der lange Günter Hasken war souverän als Mannschaftskapitän“, erinnert sich Kinateder. „Mir fallen noch ganz viele andere Namen ein. Alles hat gepasst, auch drumherum. Als Trainer in einem Verein war es für mich die schönste Zeit.“ Der heute 82-Jährige lebt seit 20 Jahren in Kolbermoor nahe Rosenheim. Immer noch hat er Kontakt zu einigen ehemaligen Weggefährten, Spielern und Funktionären, aus Telgte.

„Die Mannschaft war unglaublich diszipliniert und leistungsbereit. Davon bin ich heute noch begeistert“, betont Kinateder. „Die Spieler hatten eine professionelle Einstellung.“

Klaus Ermeling

Bei aller Wertschätzung für technische und taktische Trainingsformen schickte der diplomierte Übungsleiter seine Schützlinge auch in den Wald. Harald Norpoth, Telgter Läufer-Legende und zuvor als Spieler und Trainer selbst bei der SG erfolgreich, habe ihm gesagt, so erinnert sich Kinateder: „,Fritz, Du musst mit den Jungs in die Klatenberge.’ Aber auch da gab es kein Aufmucken, alle haben voll mitgezogen.“

„Wir waren alle topfit und auch deshalb so stark in diesen Jahren. Mich jedenfalls hat in 90 Minuten keiner kleingekriegt“, sagt Ermeling „Wir kannten in den Klatenberge jeden Weg“, schmunzelt Hübbertz. „Unglaublich, was wir da gemacht haben. Davon haben wir aber alle profitiert.“ Noch wichtiger: Kinateder hat es geschafft, mit den vielen Neuen schnell eine Einheit zu formen. „Der Zusammenhalt war toll, auch wenn die Spieler zum Teil aus verschiedenen Richtungen gekommen sind“, so Hübbertz. „Die Truppe mit der starken Telgter Achse war super“, so Heidkamp, damals 17 Jahre jung, noch A-Junior und wie Michael Stephan mit einer Seniorenerklärung ausgestattet. „Das gesamte Paket passte. Drumherum haben sich viele Leute gekümmert. Das hat Fritz Kinateder die Arbeit erleichtert.“

Mannschaft bleibt komplett zusammen

Und nur als laufstarke und ballsichere Ehrgeizlinge muss man sich die Klasse von 1980/81 natürlich auch nicht vorstellen. „Sonntags nach den Spielen haben wir bei Tante Lina tüchtig gefeiert“, sagt Ermeling. Dass die Loblieder auf den Teamgeist keine Verklärung alter Zeiten sind, zeigt diese Tatsache: Nach dem Wiederaufstieg 1981 ist die Mannschaft komplett zusammengeblieben. Wie hatte es doch Peter Heitmann im Sommer 1980 gegenüber den WN gesagt: „Eigentlich müsste für einige Jahre der Grundstein für eine gesicherte sportliche Zukunft gelegt sein.“

Der Stammkader 1980/81

Neuzugänge: Norbert Grieswald (Post Münster), Franz-Josef Hübbertz (VfB Bottrop), Willi Kersten (TSG Harsewinkel), Franz-Josef Laumann (GW Gelmer), Thomas Nachtigall (A-Jugend Post Münster), Uwe Niemeyer (TuS Freckenhorst), Uwe Schäfers (Preußen Münster), Wolfgang Heidkamp, Michael Stephan (beide eigene A-Jugend). Der Kader: Tor: Willi Kersten. Feld: Herbert Döhlinger, Klaus Ermeling, Norbert Grieswald, Günter Hasken, Wolfgang Heidkamp, Josef Holtmann, Franz-Josef Hübbertz, Franz-Josef Laumann, Thomas Nachtigall, Uwe Niemeyer, Uwe Schäfers, Wolfgang Schwarzkopp, Michael Sentef, Michael Stephan, Horst Stuermer.

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