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Volleyball: Frauen-Bundesliga

Ballett, Berge und Balkanblut: So tickt USC-Goldschatz Nikolina Maros

Münster

Nikolina Maros spielt im zweiten Jahr für den USC Münster und ist die einzige Österreicherin in der Bundesliga. Die temperamentvolle 25-Jährige fühlt sich wohl in der westfälischen Tiefebene, aber eines vermisst sie dann doch.

Von Wilfried Sprenger

Stimmungsvoller Einlauf mit Nebelmaschine: Nikolina Maros genießt ihre Zeit beim USC. Die einzige Österreicherin in der Bundesliga stand in dieser Saison schon mehrfach in der Startformation. Foto: Jürgen Peperhowe

Als sich Nikolina Maros im Frühjahr 2021 einen Berater zur Seite nahm, und ihr dieser gar nicht viel später einen Kontakt inklusive Angebot zum USC Münster vorlegte, hatte die Volleyballerin aus Österreich ihre Koffer gedanklich schneller gepackt, als der berühmte Landsmann Hermann Maier (kurz Herminator) jemals eine Abfahrtspiste runter jagte. „Passt“ habe sie damals nur gedacht und daheim in der Familie direkt mitgeteilt: „Das will ich, das ist es, das mache ich.“ Da spielte es keine Rolle, dass Maros weder über den Verein noch über die Stadt „irgendetwas wusste“. Hauptsache Bundesliga. „Das war mein großes Ziel.“

In der Heimat hatte Maros zu diesem Zeitpunkt bereits höchste Weihen erfahren. Mit Askö Linz gewann sie 2019, 2020 und 2021 die österreichische Meisterschaft und den Pokal. Die Nationalmannschaft führt sie als Kapitänin aufs Feld. Auch beim USC benötigte Maros nur einen kurzen Anlauf, um anzukommen. „Sie ist unser Goldschatz“, konstatierte Lisa Thomsen unlängst. „Es ist schön und wertschätzend, wenn die Trainerin so etwas über dich sagt“, erklärte die Spielerin in ihrer Reaktion.

Maros: „Ich denke, es liegt am Balkanblut“

Nikolina Maros ist ein sehr emotionaler Mensch. „Das sind wir allerdings alle“, sagt sie und meint die Familie: die Eltern mit bosnischen Wurzeln und die beiden Schwestern, die wie sie in Hall in Tirol aufgewachsen sind. Ein sportbegeistertes Quintett, das seine Gefühle nicht aufstaut. „Auf dem Feld sind wir alle laut. Ich denke, es liegt am Balkanblut.“ Davon profitiert auch der USC. Maros ist im besten Sinne des Wortes mitreißend. „Ich kann’s ja nicht selbst beurteilen. Aber wenn es so ist, ist es gut. Und es ist ja auch das Ziel“, sagt sie.

Maros fühlt sich wohl in Münster. „Ich bin gern in der Stadt, vieles hier ist wirklich richtig schön.“ Was ihr fehle, seien die Berge. „Als Tirolerin muss ich das natürlich sagen“, meint sie, „aber im Ernst: Berge geben Orientierung. Die fehlt mir in Münster manchmal.“

Von der Balletttänzerin zur Allzweckwaffe

Auf dem Spielfeld braucht der Volleyball-Profi keinen Kompass. Maros weiß, was zu tun ist, egal auf welcher Position. Von Haus aus ist die frühere Balletttänzerin („Aber da war ich wirklich noch ganz jung“) Diagonalangreiferin. Im Nationalteam hat sie auch schon Außen gespielt. Und als beim USC zuletzt die Mittelblockerinnen reihenweise ausfielen, wurde sie von Trainerin Thomsen kurzerhand ins Zentrum bestellt. Kein Problem für die Vielseitige, auch diese Aufgabe hat Maros bravourös gelöst. Abwarten, was für sie als Nächstes kommt. Die Libero-Position wäre etwas wirklich Neues, das Zuspiel nicht: „Das habe ich in Österreich schon einmal in einem Pokalspiel gemacht.“

Volleyballs ist Maros’ große Leidenschaft. Als Tirolerin hat sie natürlich auch schon auf Skiern gestanden. Aber das sei bestimmt schon zehn Jahre her. In Linz waren alpine Exkursionen vertraglich untersagt. „Zu gefährlich“, erklärt Maros. In Münster steht der Skispaß nicht auf dem Index. Maros wird sich die Bretter vorerst dennoch nicht unterschnallen. „Wenn ich nach so langer Zeit wieder vom Berg ins Tal schauen würde, hätte ich vermutlich einen gehörigen Respekt. Ich schiebe es mir lieber für später auf.“

Wobei die Versuchung da wäre. Den Heiligabend und den Tag davor verbringt Nikolina Maros in Hall. „Familie ist mir sehr wichtig“, betont sie. Am ersten Weihnachtstag geht es dann schon wieder zurück nach Münster zwecks Vorbereitung auf das Auswärtsspiel in Schwerin am 27. Dezember. So ist’s halt als Volleyball-Profi in Münster. „Kein Problem“, sagt Maros, „ich habe es mir ja so ausgesucht.“

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