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Volleyball: Frauen-Bundesliga

„Bin sehr stolz“: Warum USC-Trainerin Thomsen den Erfurt-Sieg besonders feiert

Münster

Im Volleyball gibt es für einen Sieg im Tiebreak zwei Punkte. Dass ein Erfolg aber auch mehr wert sein kann, hat der USC Münster am Samstagabend erlebt. Einen klaren Rückstand in Satz fünf drehten die Unabhängigen noch und bezwangen Erfurt.

Ein Schrei der Befreiung: Zuspielerin Katerina Valkova und Iris Scholten bejubeln einen Punkt, im Hintergrund freuen sich (v.l.) Anna Church, Maria Schlegel, Mia Kirchhoff und Juliane Daniela Öhman. Foto: Jürgen Peperhowe

Aus sportlicher Sicht, das war allen Beteiligten am Samstagabend bewusst, war nicht alles bling-bling, was da letztlich in Form von zwei Punkten so glänzte. Zu viele Fehler hatte sich der USC Münster in dem 130-minütigen Schlagabtausch mit Schwarz-Weiß Erfurt geleistet, hatte bei einigen Hochs noch zu viele Tiefs. Dass aber der 3:2 (25:21, 26:24, 19:25, 19:25, 15:13)-Erfolg dem Selbstvertrauen einen mächtigen Schub geben wird, auch darin waren sich alle einig. „Der Sieg ist für den Kopf unheimlich wichtig. Ich bin sehr stolz auf die Mannschaft, wie sie zurückgekommen ist“, sagte Trainerin Lisa Thomsen.

Es war eine emotionale Berg- und Talfahrt, auf die der USC die 1200 Zuschauer in der Halle Berg Fidel mitgenommen hatte. Nach einer kurzen, etwas holprigen Eingewöhnungsphase reduzierte der Volleyball-Bundesligist, der mit einem 3:0-Erfolg beim VC Neuwied in die Saison gestartet war, seine Fehlerquote als erstes der beiden Teams. Neben Iris Scholten – die niederländische USC-Kapitänin war mit 26 Zählern Topscorerin – punktete Mia Kirchhoff in wichtigen Momenten, dazu bot Juliane Schröder erneut eine gute Partie – nicht nur als Blockerin, sondern auch als effektive Aufschlägerin (vier Winner). So gewann der Gastgeber Satz eins am Ende ungefährdet und schickte sich auch im zweiten Abschnitt an, diesen souverän einzufahren. „Bis dahin haben wir dominant gespielt“, sagte Schröder, die am Sonntag ihren 28. Geburtstag feierte.

Thomsen: „Probleme mit Plan B“

Bis ihr vorzeitiges Geschenk aber wirklich eingepackt war, dauerte es – und darauf deutete in dieser Phase zunächst wenig hin – noch eine ganze Weile. Doch nach dem 16:11 kam es zum Bruch im Spiel der Unabhängigen. Erfurt machte nun weniger Fehler, stellte den USC etwa mit seinem nun gesteigerten Tempospiel vor neue Herausforderungen – und für diese fand Münster nur schwer Lösungen. „Wir hatten Probleme, unseren Plan B umzusetzen“, erklärte Thomsen, deren Schützlingen noch einen Satzball abwehrten und mit Mühe den zweiten Durchgang noch nach Hause brachten. „Da haben wir auch Glück gehabt“, meinte Schröder, die den Satz beendet hatte.

USC-Trainerin Lisa Thomsen feierte mit ihrer Mannschaft den nächsten Sieg – und war danach besonders stolz auf die Art und Weise. Foto: Jürgen Peperhowe

Der Trend aber setzte sich nahtlos in den Abschnitten drei und vier fort. Der Gast aus Thüringen war nun das dominierende Team, in dem neben Diagonalangreiferin Vera Mulder auch die ehemalige USClerin Demi Korevaar reichlich Akzente setzte. Münster dagegen wirkte ein wenig ratlos, hatte kaum mehr Mittel und scheiterte häufig – insgesamt 13-mal – am SWE-Block. „An den einzelnen Elementen liegt es nicht, die können wir alle“, sagte Schröder. „Aber in diesen Phasen hatte ich mir von uns ein bisschen mehr Körpersprache gewünscht. Wir hätten aggressiver spielen müssen.“

Kömmling als perfekter Joker

So aber zog sich das Tief bis in den Tiebreak hin, in dem die Grün-Weißen beim 1:6 schon wie die sicheren Verlierer aussahen. Mit der Einwechslung von Elena Kömmling aber zog Thomsen den richtigen Joker, die 22-Jährige brachte neuen Elan, neue Hoffnung – und leitete mit ihren Punkten die Wende ein. Aus 2:7 wurde ein 8:9, ein Kömmling-Punkt zum 11:10 zwang Erfurt zur Auszeit. Die half nicht mehr viel, Münster nutzte das Momentum, verwandelte durch Kömmling den zweiten Matchball.

„Das war sehr stark von Elena. Sie kann auf sich so stolz sein, wie ich es auf die Mannschaft bin. Die Art und Weise, wie wir in den ersten beiden Sätzen gespielt haben und wir im Tiebreak zurück ins Spiel gefunden haben, zeigt, was in ihr schlummert“, erklärte Thomsen, die nach einem kräftigen Durchatmen auch die schwächere Phase ihrer Schützlinge nicht aus den Augen verlor. „Aber wir dürfen nicht vergessen, dass wir nach der schwierigen Vorbereitung nur eine Woche weiter sind. Wir werden noch länger brauchen.“ Da tun zwei Siege und fünf Punkte dem Selbstvertrauen gut. Und ein wenig glänzen diese ja auch.

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