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Reiten: Gut besuchte Ausbildertagung des Kreisreiterverbandes Warendorf

Das Lernen hört nicht auf

Freckenhorst

Oft ist das Lernverhalten von Pferden für viele Aktive ein Buch mit sieben Siegeln. Abhilfe sollte da die alljährliche Ausbildertagung des Kreisreiterverbandes Warendorf schaffen, die am Wochenende in Freckenhorst mit guter Resonanz stattfand.

Von Thomas Hartwig

Keine Scheu vor bunten Bällen: Die ehemalige Polizeireiterin Regina Schiemann (l.) demonstrierte, wie man Pferde mit dem richtigen verhaltenswissenschaftlichen Know-how auch an völlig ungewohnte Situationen leicht und schnell gewöhnen kann. Foto: Hartwig

Wie das menschliche Lernen funktioniert, ist heutzutage eigentlich Bestandteil einer jeden Trainerausbildung – egal in welcher Sportart. Doch Ausbilder und Trainer im Pferdesport müssen nicht nur wissen, wie sie ihrem menschlichen Schüler Wissen vermitteln können. Denn ebenso wichtig ist die Ausbildung des Pferdes.

Tagung in Freckenhorst

Und gerade das Lernverhalten von Pferden ist auch für manchen Aktiven, der sich schon länger im Reitsport bewegt, oft ein Buch mit sieben Siegeln. Deshalb war es kein Wunder, dass die alljährliche Ausbildertagung des Kreisreiterverbandes Warendorf, die sich genau mit diesem Thema befasst und die am Samstag auf der Fachschule Reiten von Ludger Schulze Niehues in Freckenhorst stattfand, mit rund 60 Teilnehmern so gut besucht war.

Als Referenten traten Kersten Klophaus und Regina Schiemann, auf die sowohl in der Theorie als auch in der Praxis eine Menge zum Thema vorbringen konnten. Denn Kersten Klophaus, der zahlreiche Jungpferde für den Dienst bei den nordrhein-westfälischen Polizeireiterstaffeln ausgebildet hat, und unter anderem von 2008 bis 2011 Leiter der Polizeireiterstaffel Westfalen war, aber auch Regina Schiemann als ehemalige Polizeireiterin und Referentin für Gelassenheitstraining und Kommunikation konnten mit manchen Mythen bezüglich des Lernverhaltens von Pferden aufräumen.

Nur geringe Vorstellungskraft

So hält sich auch bei langjährigen Reitern das Vorurteil, dass Pferde aus strategischer Berechnung bestimmten Anweisungen und Anforderungen nicht nachkommen, etwa wenn es um das Verladen in Anhänger oder Lkw oder das Überwinden von Hindernissen geht. Oft heißt es dann, mein Pferd macht dieses oder jenes, um mich zu ärgern.

Das diese Sicht der Dinge völlig falsch ist, konnten die Referenten schlüssig belegen. So lässt die im Pferdegehirn im Gegensatz zum menschlichen Gehirn nur minimal ausgeprägte präfrontale Kortex nur eine geringe Vorstellungskraft und ein minimales Abstraktionsvermögen zu. Beides reicht nicht aus, um strategisch angelegtes und vorsätzliches Handeln des Pferdes zu ermöglichen.

Das Zusammenleben in einer Pferdeherde wird maßgeblich von der Rangordnung beherrscht. Um etwas zu lernen, muss gerade das junge Pferd den Ausbilder als Führungsperson anerkennen. Nur aus dem Vertrauen des jungen Pferdes zur Führungsperson entsteht die zum erfolgreichen Lernen notwendige Sicherheit. Übt die Führungsperson allerdings lediglich Druck aus, um bestimmtes Verhalten beim Pferd zu erreichen, wirkt sich das kontraproduktiv aus.

Pferde langsam an unbekannte Eindrücke heranführen

Da das Pferd entwicklungsgeschichtlich als Fluchttier ausgelegt ist, wecken unbekannte Umweltreize zunächst einmal die Fluchtreaktion des Pferdes. Daher sind Pferde zunächst einmal langsam an unbekannte und vermeintlich gefährliche Eindrücke zu gewöhnen. Haben die Pferde jedoch Vertrauen zu ihren Führungspersonen und werden die neuen Situationen mit positiven Erfahrungen wie etwa dem Loben verknüpft, so lernen die Pferde sehr schnell.

Die Referenten Kersten Klophaus und Regina Schiemann räumten auch mit einem selbst bei vielen langgedienten Reitern vorhandenen Wissensdefizit auf. So müssen Lob, aber auch gegebenenfalls Strafe des Pferdes in einem ganz engen zeitlichen Zusammenhang mit der vorangegangenen Handlung stehen. Um bei dem Pferd ein Lernverhalten zu erreichen, bleiben dem Ausbilder oder Reiter für Lob oder Strafe nur maximal drei Sekunden. Danach weiß das Pferd nicht mehr, wofür es gelobt oder gestraft wird.

Mit solchen verhaltenswissenschaftlichen Grundprinzipien zeigten Klophaus und Schiemann in den praktischen Teilen der Fortbildung, dass Pferde bestimmte Verhaltensweisen schnell und effizient erlernen können und sich manche Frust-Situation zwischen Reiter und Pferd vermeiden lässt.

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