Basketball: 2. Bundesliga Pro B

Aus und vorbei: WWU Baskets Münster verpassen in Bochum den Aufstieg

Bochum

Die WWU Baskets Münster haben es nicht geschafft: Das Team von Trainer Philipp Kappenstein spielt in der kommenden Saison weiter in der 2. Liga Pro B. Im zweiten Halbfinale um den Aufstieg unterlag der Gast am Sonntagabend mit 86:97 bei den VfL SparkassenStars Bochum. Das Hinspiel am Freitag hatte Münster noch mit 89:84 für sich entschieden.

Thomas Austermann und Henner Henning

Es hat nicht gereicht für Jasper Günther (r.)und sein Team. Foto: Jürgen Peperhowe

Im Hintergrund musste das Korbnetz, das so gerne bei großen Erfolgen von Basketballern als Trophäe abgeschnitten wird, dran glauben. Und während zu den Klängen vom Queen-Klassiker „We are the champions“ die VfL SparkassenStars Bochum ihre Aufstiegssause starteten, richtete Trainer Philipp Kappenstein erste tröstende Worte in der anderen Spielhälfte an seine Verlierer. Und die waren nach dem 86:97 (38:43), das den 89:84-Hinspielsieg der WWU Baskets Münster kassierte, auch nötig. Die Enttäuschung über den verpassten Aufstieg in die 2. Bundesliga Pro A war bei Cosmo Grühn, Jasper Günther und Co. riesig, sogar Tränen flossen bei Marck Coffin.

Der Austro-Amerikaner rang zunächst um Worte, nahm dann „die Schuld“ auf sich, weil er in der entscheidenden Phase Bochums starken Lars Kamp bei zwei Dreiern nicht entscheidend störte, und verkündete dann überraschend seinen Abschied. „Es fällt mir persönlich heute schwer. Ich habe meinen Gegner nicht gestellt. Für mich war es das letzte Spiel als Basketballer. Ich gehe in die USA und möchte als Trainer arbeiten“, sagte Coffin, der 13 Punkte in seiner letzten Baskets-Partie erzielte.

Am Ende waren es zu wenige, über die beiden Halbfinals waren es in der Gesamtsumme sechs. Die Baskets waren geschlagen, auch weil Bochum unter dem Strich sein viertes von fünf direkten Duellen gegen die Baskets gewann – ein Indikator, dass der VfL im Gesamtpaket die etwas bessere Mannschaft war. „Bochum ist verdient aufgestiegen“, sagte Kappenstein und gratulierte trotz der ständigen Sticheleien vor, während und auch nach der Partie dem aufgestiegenen Rivalen. „Wir haben ein super schweres Jahr gestemmt und in den Playoffs unseren besten Basketball geboten. Uns haben nur wenige Minuten gefehlt.“

Dabei hatte der 41-jährige Coach in der direkten Nachbetrachtung noch die Phase zu Beginn des vierten Viertels im Kopf, als der ungemein stark auftrumpfende Cosmo Grühn (19 Punkte, 9 Rebounds, 4 Assists) mit zwei Dreiern und dann Jasper Günther Münster erstmals und einmalig in Führung brachten – 70:69 bei verbleibenden 8:14 Minuten auf der Uhr. Der Aufstiegstraum, er lebte nach ganz schwierigen ersten 30 Minuten plötzlich wieder, war dann aber ebenso schnell wieder in weiter Ferne. „Bochum hatte heute auf unsere Plays einfach immer die richtige Antwort“, erklärte Kappenstein. Zehn Zähler in Serie schenkte Bochum den Baskets zunächst ein, ehe Lars Kamp die von Coffin erwähnten Dreier zur Vorentscheidung im münsterischen Korb versenkte.

Kommentar

Sie waren so nah dran, ihr hochgestecktes Ziel zu erreichen. Ein Schritt hat nur gefehlt, und die WWU Baskets Münster wären zweitklassig gewesen. Schade, traurig, bitter. Aber ist die Enttäuschung erst einmal verraucht, dürfen die Münsteraner durchaus stolz auf die Saison mit all ihren pandemiebedingten Schwierigkeiten schauen. Sie haben nach der Vizemeisterschaft 2019 und dem dritten Hauptrunden-Platz im vergangenen Jahr einmal mehr gezeigt, dass sie zu den Top-Teams der Pro B gehören, sie etablierten sich unter den vier besten Mannschaften aus Nord und Süd.

Es waren Kleinigkeiten, die gefehlt haben, sicher auch ein bisschen Fortune zur richtigen Zeit. Man darf trotz der verpassten Chance den Hut ziehen vor den Baskets. Aufgehoben ist aber nicht aufgeschoben, in der kommenden Saison wird Münster einen neuen Anlauf nehmen.

Ein neuer Parkettboden sowie eine neue Korbanlage sind Vorgriffe auf die 2. Bundesliga Pro A, für die Manager Helge Stuckenholz die Mannschaft rüsten wird. Der Manager und Macher, der einst für seine Visionen belächelt wurde, ist noch nicht fertig. Er hat das Umfeld für einen Aufstieg bereitet, wird ganz sicher mit dem Trainerteam die richtigen Schlüsse aus dieser Spielzeit ziehen.Und dann heißt es für die WWU Baskets: auf ein Neues, Abteilung Attacke auf die Pro A.

von Henner Henning

Aus und vorbei, zumindest sportlich sind die Hoffnungen auf die Pro A erloschen, die Spielzeit seit Sonntagabend beendet. „Wir haben eine super Serie gespielt. Damit meine ich das ganze Team und den Staff. Wir haben in der Corona-Zeit das Risiko akzeptiert und alles dafür getan, dass es keine Infektion bei uns gab. Wir dürfen stolz auf uns sein“, sagte Kapitän Jan König, dem Grühn mit einem kleinen Einwand beipflichtete: „Wenn etwas Zeit vergangenen ist, dann dürfen wir auch stolz zurückblicken. In den nächsten Wochen tut es aber noch weh.“

Wie und wo es sportlich für die WWU Baskets in der Saison 2021/22 weitergeht, ist offen. Vielleicht öffnet sich noch eine Hintertür zur Pro A. „Wenn wir doch noch hoch rücken würden, müssten wir uns nicht schämen, das wäre verdient. Wir können auf unserem Potenzial aufbauen, auch wenn es einen kleinen Umbruch geben sollte“, so Kappenstein. „Wir müssen unsere Lehren aus dieser Saison ziehen.“ Dann wird vielleicht in einem Jahr der Queen-Klassiker in Münster aus den Boxen dröhnen.

Statistik

Endergebnis: 86:97 (9:24, 29:19, 22:23, 26:31)

Punkte: Grühn (19/2 Dreier), Günther (16/1), Coffin (13), Touray (8), Hänig (6), J. König (6/1), Reuter (5/1), Delpeche, Baues (je 4), Weß (3/1)   Pahnke (2)

Die meisten Rebounds: Grühn (9), Coffin, Touray (je 7), Delpeche (6)

Die meisten Assists: Grühn (4), Coffin (3), Günther (2)

Fouls: 32:33

Rebounds: 50:43

Turnover: 25:11

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