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Rad: Sparkassen-Münsterland-Giro

Mark Cavendish kommt aus einem dunklen Tal zum Comeback

Münster

Ein prominenter Name aus dem Radzirkus hat kurz vor dem Start seine Teilnahme am Sparkassen-Münsterland-Giro zugesagt. Mark Cavendish fährt am Sonntag mit und ist als Top-Sprinter zugleich ein Anwärter auf die vorderen Plätze. Dabei hat er schwere Zeiten hinter sich.

Von André Fischer

Schrieb bei der Tour de France sein ganz eigenes Sommermärchen: Mark Cavendish Foto: Imago/Action Plus

Das Epstein-Barr-Virus, schwere Stürze, Depressionen: Top-Sprinter Mark Cavendish war schon abgeschrieben, stand vor dem Karriereende. Und feierte bei der Tour de France 2021 eine wundersame Wiederauferstehung. Der 36 Jahre alte Brite rückte nur als Ersatzfahrer ins Aufgebot seines Teams Deceuninck-Quick Step. Dann gewann er vier Etappen, stellte mit 34 Tagessiegen den Uralt-Rekord der belgischen Radsportlegende Eddy Merckx, ob seines Hungers nach Erfolgen schlicht „Kannibale“ genannt, ein. Ein Sommermärchen, das möglicherweise bei der 15. Auflage des Sparkassen-Münsterland-Giro weitergeschrieben wird. Der König der schnellen Beine ist am 3. Oktober am Start, wenn sich das Feld der Profis in Enschede in Bewegung setzt, das bestätigte Giro-Boss Rainer Bergmann.

Mark Cavendish

„Es war nicht nur meine körperliche Gesundheit, die in den letzten Jahren einen Schlag erlitten hat. Ich habe in dieser Zeit ziemlich hart mit Depressionen gekämpft. Im August 2018 wurde bei mir eine klinische Depression diagnostiziert“, verriet der Star 2020 in einem Interview der britischen Zeitung „The Times“. Und das: „Es war dunkel, aber jetzt bin ich auf der anderen Seite.“ Berührende Worte eines Weltmeisters, dessen Kräfte täglich schwanden. Dass sein Stern nochmals aufging, ist auch Patrick Lefevere zu verdanken. Der QuickStep-Teamchef hatte den Mut, Cavendish im Winter 2020 zu verpflichten – zum Mindestlohn. Es ging auf, die Schleife durch Frankreich wurde zum beispiellosen Siegeszug eines alten Heroen. ARD-Co-Kommentator Fabian Wegmann, Sportlicher Leiter des Events in Münster, zog seinen imaginären Hut: „Ich hätte nie gedacht, dass Mark überhaupt noch einmal eine Etappe gewinnt.“

Namhafte Konkurrenz wie Greipel

Cavendish ist zurück – und das zweite Mal nach 2016 beim Spektakel durch die Kreise Coesfeld und Borken mit Zielankunft in Nienberge dabei. Die Konkurrenz ist nicht minder namhaft, ebenfalls mit reichlich Lametta dekoriert. André Greipel ­(Israel Start-up Nation), der aktuell erfolgreichste deutsche Fahrer, wird am Sonntag in Münster seine Karriere nach elf Etappensiegen bei der Tour de France, sieben beim Giro d’Italia und vier bei der Vuelta beenden. 2008 und 2014 war er beim Münsterland-Giro nicht zu schlagen. Folgt am Tag der Deutschen Einheit der dritte Streich? Rick Zabel, nationaler Meister 2012 im Straßenrennen der U 23, rechnet sich auch was aus. Papa Erik fuhr 2008 in Münster übrigens sein letztes Rennen in Deutschland. Familienbande. Aber auch Pascal Ackermann (Bora-Hansgrohe) und der Kolumbianer Álvaro Hodeg (Deceuninck-Quick-Step), Sieger 2019, gehören zu den heißen Favoriten bei einem möglichen, packenden Sprintfinale.

Paris-Roubaix läuft parallel

Dass weitere Topstars fehlen, ist auch Paris-Roubaix geschuldet. Der Kopfstein-Klassiker findet parallel statt. „Ärgerlich, ich hätte mir gewünscht, dass die Organisatoren im Vorfeld Kontakt mit uns aufnehmen“, sagt Bergmann. Viele Tausende Zuschauer werden grenzüberschreitend erwartet. „Es werden Tränen fließen“, ist sich Greipel sicher. Ja, es wird emotional für den Dauerbrenner – der Adieu sagt. Mit 39 Jahren. Cavendish ist etwas jünger, hat vielleicht noch ein paar gute Jahre. Und knackt möglicherweise doch noch den Rekord des großen Eddy.

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