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Rudern: Bundesliga

Münster-Achter wird auf dem Aasee erstmals Meister

Münster

Wetter warm, Stimmung spitze, Rudern rasant: Das Finale der Ruder-Bundesliga auf dem Aasee hielt mehr, als es im Vorfeld versprechen durfte. In geordneten Bahnen auf dem Wasser und in bester Stimmung am Ufer zog am Ende der Münster-Achter einsam seine Bahnen zum ersten Titel in der RBL-Geschichte.

Von Ansgar Griebel

Die letzten Meter einer kurzen, aber erfolgreichen Saison: Der Münster-Achter lässt vor den begeisterten Zuschauern am Aasee zum dritten Mal Finalgegner Osnabrück hinter sich. Foto: Ansgar Griebel

Am Ende passte selbst der klitzekleine Schönheitsfehler perfekt ins eindrucksvolle Gesamtkunstwerk dieser Saison in der Ruder-Bundesliga (RBL). Dass der Münster-Achter den Spannungsbogen dieser Rennserie zu einer pfeilgeraden Linie zusammengezurrt hatte, gab schlimmstenfalls kleine Abzüge in der sportlichen Dramaturgie. Der Stimmung am Aasee tat es keinen Abbruch, dass die Sportler mit dem stilisierten Münster-Logo auf dem Rücken am dritten und finalen Renntag und damit auch im 15. Rennen dieser Saison als Erste durchs Ziel rauschten – wie immer mit deutlichem Respektabstand.

Münsters Ideallinie

Im Gegenteil: Tatsächlich wurde diese unter Schmerzen der Corona-Krise abgetrotzte Auflage gegen alle Regeln der Geometrie durch diese münstersche Ideallinie erst so richtig rund. Die Rückkehr zum Wettkampfsport hatte nicht nur die Zuschauer in ihren Bann gezogen, auch die Aktiven waren offensichtlich ganz in ihrem Element. Als Jan Czichy, der den Sparda-Renntag in der Aasee-Arena gemeinsam mit Moderationskollegin Anna-Tjorven Büßen stimmgewaltig und kompetent über die Lautsprecher begleitet hatte, den Münster-Achter auf seiner letzten Fahrt zum Anleger kurz stoppen wollte, um Boots-Jubilar Jan Sauer nach seinem 50. (!) Renntag in der RBL einen Sonderapplaus zu verschaffen, musste auch der Mann am Mikro einsehen: Ohne massive Hilfe der Wasserschutzpolizei war dieser Achter 2021 wohl nicht zu stoppen. Auch beim Ausrudern gab es kein Halten – erst auf dem Siegerpodest endete der Konturenflug zum ersten Titel der Münsteraner in der RBL-Geschichte seit ihrem Start 2009 – auf eben dem Aasee.

Freiwillige Helfer sorgen für klare Verhältnisse

Warum diese Sprintliga im Allgemeinen und der Renntag auf dem Aasee im Besonderen zu solch einer Erfolgsgeschichte wurde, liegt wohl auch an dem, was sich während der stimmungsvollen Parade aller Teams auf der Ehrentribüne nahezu unbemerkt im Rücken der Zuschauer abspielte. Dort verschwanden wie von Geisterhand alle Bojen und Markierungen aus dem Zielbereich. Nahezu unbemerkt schleppten die zumeist jugendlichen freiwilligen Helfer des Münsteraner Regattavereins Tapeziertische und anderes Inventar durch die Reihen. Als bei der Siegerehrung die Frauen des Gast-Achters aus dem österreichischen Linz die Meistertrophäe entgegennahmen, dämmerte der Aasee bereits wieder wie blankgefegt einer vergleichsweise ruhigen Nacht entgegen. Lediglich der Startturm bleibt den Seglern, die ab sofort wieder ihr Revier übernehmen, als vorübergehende Orientierungshilfe noch einige Tage erhalten.

DRV-Vizepräsident Rolf Warnke (l.) ehrt Jubilar Jan Sauer nach seinem erfolgreichen Auftritt bei seinem 50. RBL-Renntag Foto: Ansgar Griebel

Linzer Frauen mit der längsten Heimreise

Noch am späten Abend hatten die 17 Männer- und sechs Frauen-Teams ihre Boote wieder verladen und machten sich auf den Heimweg. Die Crew aus Linz gönnte sich noch eine späte Stärkung im „Spatzl“ am Aasee, ehe sich der Tross mit Titel im Gepäck auf die nächtliche Mammuttour nach Österreich machte. Eine Aktivenparty war aus nachvollziehbaren Gründen ohnehin nicht geplant, eine nächtliche Abreise dagegen sehr angeraten, weil die Absperrungen für den Marathon am nächsten Morgen wohl jeden Fluchtweg abgeschnitten hätten.

Ehrungsmarathon mit Sektduschen

So wurde dieses Finale in Münster zu einer kurzweiligen und stimmungsvollen Einlage auf dem Wasser – beschlossen von einem kleinen Ehrungsmarathon an der Ruderbastion am Ufer: Alle beteiligten Teams gönnten sich auf der Bühne ihren verdienten Moment des Ruhms. Sportamtsleiterin Kerstin Dewaldt überreichte den Besatzungen erst kleine Präsente, dann große Pokale – und hatte größte Mühe, sich vor den überschäumenden Sektduschen in Sicherheit zu bringen.

Keine RBL-Station in Münster 2022

Und dann gab es doch noch einen kleinen Wermutstropfen an diesem Ruder-Festtag. Der Meister wird seinen Titel im kommenden Jahr nicht vor heimischem Publikum verteidigen können. Münster hat nicht als Standort für die kommende Serie gemeldet. „Das wird terminlich zu eng“, sagt Henrik Niebuhr, Vorsitzender des Regattavereins, und verspricht dafür andere Höhepunkte auf dem Aasee – Anfang Juli sollen gleich vier Deutsche Meisterschaften ausgerudert werden. Im Großboot, für die Studenten, die Masters und die Para-Ruderer. Bestimmt lässt sich auch einer der RBL-Dominatoren wieder blicken – wie gewohnt in Ideallinie.

Münster-Achter ohne Fehl und Tadel

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