1. www.wn.de
  2. >
  3. Sport
  4. >
  5. Niederlande in Feierlaune

  6. >

Dumfries trifft zum 3:2 in Amsterdam gegen die Ukraine

Niederlande in Feierlaune

Amsterdam

Das war das vielleicht spektakulärste Spiel der EM bisher. Die Niederlande lieferten gegen die Ukraine schon eine gute erste Hälfte, führten nach der Pause schnell 2:0, kassierten plötzlich zwei Tore und schlugen doch noch mal zurück. Oranje hatte einiges zu feiern.

Von Alexander Heflikund

Die Erlösung: Foto: dpa

Erst allen Widerständen getrotzt, mit 2:0 geführt, dann das meiste verspielt, ehe Denzel Dumfries doch noch für das Happy-End sorgte. Die Niederlande sind mit einem faszinierenden 3:2 (0:0) gegen die Ukraine in das EM-Turnier gestartet. Die Zweifler an Trainer Frank de Boer sind vorerst ruhig gestellt, für die Oranje-Kicker hat das Turnier nach einer teilweise starken Vorstellung prächtig begonnen.

Dabei: Das Drama um Christian Eriksen beschäftigte auch die niederländische Auswahl, vielleicht auch mehr als viele andere. Denn ge Boer war Trainer des Däne während dessen Zeit bei Ajax Amsterdam. Mehr noch, der Club hatte eine vergleichbare Situation schon bei einem Testspiel gegen Werder Bremen im Sommer 2017 erlebt, als der damals 20-jährige Abdelhak Nouri während des Spiels kollabiert war – er überlebte, aber der Herzstillstand führte zu irreparablen Hirnschäden. Die für Samstag geplante abschließende Besprechung wurde von de Boer auf Sonntag verschoben. Einige waren, so der Trainer, mit allem, nur nicht mit Fußball im Reinen.

Hinweis am Himmel

Eher unbedeutend, aber zumindest auch ein Störfeuer hatte das Team beim Blick gen Himmel erlebt, als das Abschlusstraining lief. Die Systemfrage beschäftigte die Niederländer, ein Flugzeug zog ein Banner mit dem klaren 4-3-3-Hinweis hinter sich her. Es ist der Gral des niederländischen Fußballs, ein Vermächtnis von Johan Cruyff, in dieser Formation habe Oranje zu spielen. De Boer mit seiner eher auf Sicherheit bedachten 5-3-2-Variante kratzt an der holländischen Seele. Unmöglich ist das, oder?

Sicherheitsfußball? Das, was die Gastgeber gegen die Ukraine vor der Pause anboten, hatte phasenweise eine Menge von Spektakel. Sieben Jahre war die Elftal nicht mehr bei einem großen Turnier vertreten. In den furiosen ersten sieben Minuten zu Beginn sollte das wohl vergessen gemacht werden. Memphis Depay brannte bei seinem Solo über 60, 70 Meter wie eine Fackel, scheiterte aber an Heorhiy Buschtschan. Denzel Dumfries und der glänzende Georginio Wijnaldum hätten früh die Dingen wenden können.

Als die Niederlande einen Gang zurückgeschaltet hatten, hörte man auf den Rängen förmlich die de-Boer-Kritiker die Stühle zurechtrücken. „Er ist nicht souverän, er hat nur zwei Unterschiedsspieler mit Depay und Georgino Wijnaldum“, hatte wenige Stunden vor dem Spiel der Ex-Schalker Youri Mulder, so eine Art Hohepriester der Kritiker, einen weiteren Giftpfeil gegen den Oranje-Coach abgefeuert. Vermutlich war König Willem-Alexander, der mit Ehefrau Maxima die Partie in der Cruyff-Arena live mitverfolgte, der Einzige, der nicht in das Geheul einstimmte. Bis auf das 0:0 zur Pause gab es auch nichts zu monieren. Virgil van Dijk (FC Liverpool), Donny van de Beek (Manchester United) oder auch der noch angeschlagene Matthijs de Ligt (Juventus Turin) fehlten – geen probleem

Wijnaldum fulminant

Weil natürlich Wijnaldum nach 52 Minuten traf, er erlöste die 16 000 Zuschauer. Ihr Jubel hörte sich an wie in einem ausverkauften Stadion. Und der ebbte nicht ab, weil Wout Weghorst (59.), der Wolfsburger Stürmer, gleich zum 2:0 nachlegte. Auch der Videoschiedsrichter blieb stumm.

Der Rest war eine Art Schaulaufen. Oder doch nicht? Der Ex-Dortmunder Andrej Jarmolenko traf zum 1:2, was sich nur wie eine kleine Delle anfühlte. Als Roman Jaremtschuk das 2:2 markierte, fühlte sich das schon wie eine Niederlage an. Aber nein, de Boers Zöglinge antworteten, Dumfries köpfte, und Holland lag sich wieder in den Armen.

Startseite