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Fußball: Regionalliga West

Noch mehr Ausrutscher kann Preußen sich ab sofort nicht mehr erlauben

Rödinghausen

Ob die schwächste Saisonleistung im Zusammenhang mit der Partie in Essen drei Tage zuvor stand, konnte und wollte niemand beantworten. Sicher ist, dass Preußen Münster sich nach der 0:1-Schlappe beim SV Rödinghausen im Titelrennen nur noch als Außenseiter betrachten darf.

Von Thomas Rellmann

Die Köpfe nach unten, kaum Aufmunterung – Preußen erlebte in Rödinghausen einen schwarzen Tag. Foto: Jürgen Peperhowe

Freundliche Worte des gegnerischen Trainers sind immer ein Indiz für ein schlechtes Ergebnis. Carsten Rump sagte nach dem abermaligen Triumph des SV Rödinghausen über Preußen Münster, dass ein Remis verdient gewesen wäre und die Adler ja spielerisch mit Fortuna Köln das beste Team der West-Staffel seien. Punkt eins zog selbst sein Pendant Sascha Hildmann schwer in Zweifel, Punkt zwei traf im Herbst zu, im Augenblick sicher nicht.

Nach dem 1:0 (1:0) der Ostwestfalen merkte Rump aber auch an, dass die emotionale Situation des bisherigen Tabellenzweiten nach dem Abbruch-Skandal in Essen eine Rolle dabei gespielt haben könnte, dass der SCP nach 14 Ligaspielen wieder verlor. Die Frage stand im Raum. Die Leistung war eines Titelkandidaten unwürdig, aber wer wollte das Team nach den Geschehnissen an der Hafenstraße in den Senkel stellen?

Hildmann sieht „zu wenig Mentalität“

„Zu wenig Mentalität“ hatte Hildmann gesehen. „Wir haben zu selten zweite Bälle aufgesammelt und alles vermissen lassen, was drei Tage vorher noch gut war.“ Spitzenreiter RWE waren die Münsteraner noch überlegen, doch wieder mal zog ihnen Rödinghausen mit Disziplin und einfachsten Mitteln den Zahn. Schon der Aufbau wirkte holprig, das Mittelfeld war ohne Präsenz, der Angriff hoffnungslos ungefährlich bei hohen Bällen wie flachen Pässen. Mehr Spielkontrolle nach dem Seitenwechsel machte der Coach aus, „aber in den wichtigen Momenten haben wir weiter falsche Entscheidungen getroffen.“ Die Umstellungen änderten nicht viel. Erst rutschte Thorben Deters weg, dann traf Jules Schwadorf die Kugel nicht richtig. Beides in bester Position – es war symbolhaft.

Nicolai Remberg

So blieb auch die ausnahmsweise einmal laute Halbzeitansprache von Hildmann ohne Auswirkung aufs Resultat. „Ich wusste nach dem Auftritt erst gar nicht, wie ich da rangehen sollte“, gestand er. „Aber dann habe ich doch mal einen rausgehauen.“ Zumindest spürte er bei jedem Spieler eine gewisse Einsicht. „Es war ein Wunder, dass es zur Pause nicht 2:0 stand. Ich kann nicht sagen, woran das lag. Wir waren vorher so heiß. Und dann sind wir hinterhergerannt wie eine Verlierertruppe. Ein Tor wäre nicht verdient gewesen“, sagte etwa Nicolai Remberg konsterniert. Dass er und andere sich nach Abpfiff auch noch geschmacklose Anspielungen auf den Essener Böllerwurf von der Haupttribüne anhören mussten, brachte das Frustfass beinahe zum Überlaufen. Immerhin entschuldigten sich die SVR-Verantwortlichen für diese Ausfälligkeiten umgehend.

Zahlreiche Fehlentscheidungen

Es blieb ein Randaspekt, ebenso wie die zahlreichen Fehlentscheidungen des Referee-Gespanns um Tobias Severins. „An denen hat es nicht gelegen“, sagte Hildmann, der die Ursache nur bei seinem Team sah. Eine extrem geringe effektive Spielzeit, wenig Unterstützung von den Rängen, kaum Kommunikation auf dem Rasen – es kam alles zusammen. „Wir hatten eine sehr junge Truppe auf dem Platz“, sagte Hildmann. „Aber alle müssen lernen, auch an solchen Tagen ihren Mann zu stehen, sich zu beweisen.“

Skepsis, ob die Konstellation zum Aufstieg genügen kann, trat am Mittwoch plötzlich allenthalben wieder hervor. Allein Köln hat sechs Punkte weniger liegen gelassen, Essen im besten Fall fünf. Neben den Niederlagen in den Top-Spielen schmerzen im Rückblick die völlig unnötigen Punktverluste gegen Köln II und Gladbach II, aber auch in Homberg. Schwarze Tage wie in Rödinghausen kann es hingegen im Laufe einer Saison immer mal geben. „Den Kopf stecken wir nicht in den Sand“, sagte Remberg. Auch Hildmann meinte: „Noch ist alles greifbar.“ Vermutlich dürfen sich die Preußen aber keine weiteren Ausrutscher dieser Sorte mehr leisten.

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