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Badminton: Bundesliga

Raus mit Applaus – Li, Efler und Janssens gehen

Lüdinghausen

Wie berichtet, verlassen am Saisonende drei Spielerinnen – Yvonne Li, Linda Efler und Eva Janssens – den SC Union Lüdinghausen. Mit welchem Ziel? Gute Frage. Es gibt aber auch eine positive Nachricht für alle 08-Fans.

Von Florian Levenig

Für Yvonne Li (l.) und Linda Efler war das Spiel gegen Wittorf womöglich der letzte Heimauftritt im 08-Dress. Foto: Markus Kleymann

Der große David Bowie verkündete am 3. Juli 1973 im Hammersmith Odeon, dies sei nicht nur der letzte Abend der laufenden „Ziggy Stardust“-Tour – vorsichtiges Gejohle im Publikum –, sondern auch die letzte „Ziggy“-Show überhaupt. Totenstille. Die paar Tausend Leute waren ja nach London gekommen, um eine gute Zeit zu haben. Und ihr Idol trug, mir nichts, dir nichts, sein Alter Ego zu Grabe. Ein bisschen so ist es den Zuschauern der Badminton-Partie zwischen Union Lüdinghausen und BW Wittorf ergangen. Erst sahen sie die 6:1-Heimgala, waren gedanklich schon halb beim Final Four – und dann eröffneten ihnen nacheinander Yvonne Li, Linda Efler sowie Eva Janssens, die komplette Damenriege der Nullachter, dass sie den Verein am Saisonende verlassen. Rums.

Es ist nichts weniger als eine Zeitenwende, wie es sie in 20 Jahren Bundesliga bei Union in dem Ausmaß selten gegeben hat. Efler und Janssens schlagen seit 2017 für Union auf, Li gar seit 2015. Die mit Abstand beste Einzelspielerin im Land, ein eh sehr emotionaler Mensch, hatte am meisten mit ihren Gefühlen zu kämpfen. Mit tränenerstickter Stimme bedankte sie sich beim „besten Publikum der Liga“. Sie weiß ja, was sie den Fans, aber auch dem Verein zu verdanken hat, der ihr damals, mit knapp 17, die Chance bot, bei einer Top-Adresse anzuheuern.

Mitreißende Auftritte

So wie die Nullachter wissen, dass sie Li großen Dank schulden für die vielen mitreißenden Auftritte in Liga eins – auch wenn es zum ganz großen Coup, dem zweiten Gewinn der Mannschafts-DM nach 2014, nie ganz gereicht hat. Wobei: Die laufende Spielzeit ist ja noch nicht zu Ende. Den wiedererstarkten Lüdinghausern ist in der Form der vergangenen Wochen beinahe alles zuzutrauen.

Li wird also den einzigen nationalen Titel, der ihr noch fehlt, spätestens in der kommenden Saison mit ihrem künftigen Team angreifen. Mit welchem? Die 23-Jährige hält sich an der Stelle bedeckt. Aber es dürfte auf eine der beiden Mannschaften hinauslaufen, die die Liga in den 20er-Jahren nach Lage der Dinge ähnlich dominieren werden wie Bischmisheim in der vergangenen Dekade: Dortelweil oder Bischmisheim. Kein anderer Verein kann Li sportlich und, ja, auch finanziell Vergleichbares bieten.

Wipperfeld oder Dortelweil?

Für Wipperfeld spricht die Nähe zum Bundesstützpunkt in Mülheim. Zudem habe es bereits 2021 „lose Gespräche“ gegeben, wie BCW-Boss Andreas Lamsfuß den WN kürzlich verriet. Dortelweil könnte damit punkten, dass dort Lis gute Freundin, Kurzzeit-Unionistin Iris Wang (USA), und Nationalmannschaftskumpel Kai Schäfer, ein weiterer ehemaliger Lüdinghauser, im Aufgebot stehen.

Bei Efler steht schon fest, dass sie zum 1. BC Bischmisheim wechselt. Was Sinn macht. Die 27-Jährige lebt und trainiert seit einer halben Ewigkeit in Saarbrücken. Auch ihre Partnerin bei großen Turnieren, Isabel Lohau, zählt zum Kader des Serienmeisters. Laut Efler ein weiterer Grund: „die weiten Fahrten am Wochenende, teils für ein einziges Match“. Trotzdem bleibe sie Union gewogen. Und: Dass sie, die gebürtige Münsterländerin, irgendwann nach Lüdinghausen zurückkehre, sei „definitiv eine Option“.

Auch Eva Janssens verlässt Lüdinghausen im Sommer. Foto: Foto: flo

Damit zu Eva Janssens, die ihre internationale Karriere früh beendet hatte, in der Eliteklasse aber bis heute zuverlässig in Doppel und Mixed punktet. Die 25-Jährige führt „private wie berufliche Gründe“ für ihren nahenden Abschied an. Sie wolle 2022 ihr Studium an der Sporthochschule Köln abschließen, zudem stehe der Erwerb der A-Trainer-Lizenz an. Auch Janssens mag nicht preisgeben, für welchen Verein sie künftig aufschlägt. Erste oder zweite Liga? „Mal sehen.“ Dass sie sich was Passendes im Rheinland sucht, ist keine allzu kühne Prognose.

Herren bleiben

Und Union? Weint allen drei Spielerinnen mehr als nur eine Träne nach. „Yvonne, Linda und Eva haben den Verein in all den Jahren toll präsentiert und etliche Erfolge errungen“, weiß 08-Teammanager Michael Schnaase. Gleichwohl habe Union bereits auf den bevorstehenden Aderlass reagiert: „Es wird darauf hinauslaufen, dass wir drei neue Damen holen.“ Die Verträge seien teils schon unterzeichnet. Gleichwertigen Ersatz insbesondere für Li zu finden, sei aber unmöglich. Zwar gebe es auf dem Markt Spielerinnen von ähnlicher Qualität. Aber: „Die könnten wir niemals bezahlen.“

Talente – wie seinerzeit Li – frühzeitig sichten: Das sei für Union der einzig gangbare Weg, um mit der potenten Konkurrenz halbwegs Schritt halten zu können. Immerhin kann Schnaase auch Positives verkünden: „Wie es aussieht, werden unsere Herren um Max Weißkirchen alle bleiben.“

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