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Fußball: Regionalliga

Rot-Weiß Ahlen kann Taktik, Mamutovic Technik

Rödinghausen

Zehn Spieltage war der SV Rödinghausen ungeschlagen. Eine eindrucksvolle Serie. Doch der Fußball-Regionalligist hatte in dieser Zeit auch nicht gegen RW Ahlen gespielt. Das änderte sich am Samstagnachmittag. Grundlegend. Denn da kamen die Wersestädter in den Kreis Herford. In ihren Reihen David Mamutovic, der mit seinem Tor des Tages zum Serienkiller und gefeierter Akteur im RWA-Lager wurde.

Von Uwe Gehrmann

Ganz schön ballfertig: Foto: Marc Kreisel

W

enn eine Mannschaft, die vorher zehn Mal ungeschlagen geblieben ist, im eigenen Stadion so graublass bleibt wie der Novemberhimmel, dann kann das zwei Gründe haben: Entweder sie hat keine Lust. Oder aber der Gegner hat die Stelle gefunden, wo sie verwundbar ist. Eine geschlagene Woche lang hat sich RW Ahlen jeden Tag auf den Favoriten SV Rödinghausen eingestellt und nun mit dem überraschenden 1:0 (0:0)-Sieg im Wiehenstadion ein für allemal bewiesen: Ahlen kann Taktik.

„Defensiv die stärkste Leitung der Saison“, war Co-Trainer Orhan Özkara hin und weg. „Wir haben alles diszipliniert vorbereitet. Und die Mannschaft hat bei der Umsetzung kaum Fehler gemacht.“ Tatsächlich war man am Samstag geneigt, zu fragen, wie die Gastgeber ihren Nimbus der Unbesiegbarkeit erarbeitet hatten. Denn Rödinghausen wirkte weder taktisch, noch technisch ihren Gästen überlegen. Die schlossen derweil die Reihen und Räume luftdicht ab und warteten geduldig auf ihre Chancen. Vielleicht das beste Rezept ohne den offensiven Antreiber Jan Holldack, für den Gianluca Marzullo auf die Zehn gerückt war, Sebastian Mai in der Spitze spielte und ein aufmerksamer Patrick Twardzik die Sechs besetzte.

Mannschaften belauern sich in Halbzeit eins

So – auch mit Dimitrios Ioannidis in der rechten Kette - vertändelten beide die erste Halbzeit eher lau und auf Augenhöhe; Chancen für Rödinghausen von Kurzen oder Schaub, die entweder Oktay Dal blockte oder Daniel Szczepankiewicz fischt, aber auch von Ahlen mit halbherzigen Distanzversuchen von Mai und Romario Wiesweg liefen eher unter Drohung als dass sie eine ernsthafte Gefahr hätten sein können. Rödinghausen fand keinen akzeptablen Weg vors Ahlener Tor, und die Rotweißen pressten zwar, harrten aber lieber auf diesen einen Moment der Schwäche beim Gegner.

Mamutovic zeigt Fußspitzengefühl

Dann ließen die Gäste nach der Pause schließlich auch das Pressing weg, setzten kaum noch eine Stiefelspitze über die Mittellinie. Das Ergebnis: Nach hinten verdichtete Ahlen immer mehr, nach vorne gähnten die Löcher. „Wir haben auf die Schnittstellen geachtet, wollten in die Tiefe“, sagt Trainer Andreas Zimmermann. „Aber dass er den Ball dann auch noch so schön gechippt hat ...“ Gemeint war das Fußspitzengefühl eines David Mamutovic, der schließlich die Taktiktheorie in die Siegespraxis umsetzte. Balleroberung an der Mittelinie über Marzullo und den eingewechselten Ilias Anan, der Mamutovic auf die Reise schickt. Dessen geschnibbelten Heber kann auch Leon Tigges im Tor nicht mehr erreichen – 1:0 für den Außenseiter in der 75. Minute. „Auf diese Chance hatten wir die ganze Zeit gelauert“, grinst der souveräne Defensive Romario Wiesweg.

Ein gut gelaunter RWA-Trainer Andreas Zimmermann nach dem 1:0

Natürlich gehörte auch etwas Glück dazu. Denn Rödinghausens Aday Ercan (Außennetz) oder Julian Wolff per Kopfball, den sich Szczepenkiewicz auf der Linie schnappt, hatten zuvor durchaus noch Gelegenheiten. Aber echte Gefahr fühlt sich anders an. „Ich hab mir in keiner Phase Sorgen gemacht“, behauptet Zimmermann, stolz wie Bolle und ein bisschen frech.

Auch, wenn es vielleicht ein kleines bisschen geflunkert ist – das darf man so sagen als gewiefter Taktikfuchs.

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