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Leichtathletik: Serie zu 20 Jahren Münster-Marathon

Startschuss 2002: Aus dem Nichts in die 1. Liga

Münster

Inzwischen ist der Münster-Marathon ein jährliches Volksfest in Münster, eine schier unendliche Erfolgsgeschichte. In diesem Jahr feiert das Event ein Jubiläum – und sein Macher Michael Brinkmann blickt auf den Startschuss vor 20 Jahren zurück. Der Start in unsere Serie zu 20 Jahren Münster-Marathon.

Von André Fischer

Von null auf hundert: Schon bei den ersten Auflagen 2002 und 2003 wurde der Münster-Marathon zur Massenbewegung.. Foto: Münster Marathon e.V.

Jugoslawiens Basketballer verteidigen ihren Weltmeistertitel gegen Argentinien. Pete Sampras zwingt in vier Sätzen Kahlkopf Andre Agassi in die Knie, gewinnt zum fünften Mal die US Open im Tennis. 15,26 Millionen Zuschauer verfolgen in der ARD und im ZDF das zweite TV-Duell zwischen Amtsinhaber Gerhard Schröder (SPD) und Edmund Stoiber (CSU). Die beiden „streiten“ argumentier- und redefreudig darum, wer Deutschland in Zukunft regiert. Sportlich und politisch hat der 8. September 2002 reichlich zu bieten.

Michael Brinkmann tangiert das Weltgeschehen an diesem Sonntag derweil nur am Rande. Im heimischen Riesenbeck versucht er bei einem Glas Wein am späten Abend innerlich Ruhe zu finden. Die Wochen, ja Monate zuvor waren äußerst nervenaufreibend. Dieser eine Moment nun gehört ihm, der Familie, die oft zu kurz gekommen ist – er schließt die Augen, genießt. Absolute Stille.

Praktisch aus dem Nichts katapultiert sich an diesem wolkenverhangenen 8. September der 1. Volksbank-Münster-Marathon bei seiner Premiere in die Liga der absoluten Schwergewichte Berlin, Hamburg, Köln, München und Frankfurt. 5000 Teilnehmer bei der Erstauflage – das sucht bundesweit seinesgleichen. „Das hat es in Deutschland zuvor nie gegeben“, erinnert sich der heute 61-Jährige. Brinkmann, seit 1996 im Vorstandsstab des Geldinstituts, ist selbst geflasht. Er, der das Event in die Domstadt geholt hat, muss all seine Eindrücke erst mal verarbeiten. Diese Dynamik überrascht ihn. Er gesteht: „Ich hatte gehofft, dass wir ein bisschen größer sind als der Steinfurt-Marathon in der Nachbarschaft mit 800 Startern.“ Von wegen!

Allen Mythen und Stereotypen zuwider

Stur, bodenständig, ein bisschen provinziell – das ist das verbreitete Bild der Westfalen. „Ich war mir nicht sicher, wie dieser Lauf hier angenommen würde“, sagt Brinkmann. Er schert sich bei den Vorbereitungen indes herzlich wenig um Mythen oder Stereotypen. Und sieht sich nach einem ereignisreichen, denkwürdigen Tag mit ganz viel Gänsehaut bestätigt. „Die Begeisterung war einfach grenzenlos.“ Der Beginn einer schier unendlichen Erfolgsgeschichte, die sich am 11. September 2022 zum 20. Mal jährt. Der Münster-Marathon ist längst erwachsen.

Der Zieleinlauf des ersten Münster Marathons 2002. Foto: Münster Marathon e.V.

Wenn auch an Strecke und Konzept im Wandel der Zeit immer wieder vorausblickend gefeilt wird, eines ist geblieben mit dem ersten Tag: das Finish auf dem Prinzipalmarkt. Mitunter wie Perlen auf einer Schnur aneinandergereiht laufen die Ausdauerhelden über den ausgelegten roten Teppich in den Zielbereich – vor den Augen tausender verzückter Zuschauer, die dicht gedrängt hinter Absperrgittern auf der Prachtstraße im Herzen Münsters mit ihren historischen Bauwerken stehen. Bilder, die bewegen, Bilder, die unter die Haut gehen. Damals wie heute.

Premiere mit Pokal-Diebstahl

Dabei läuft trotz aller Glücksgefühle nicht alles glatt an jenem 8. September 2002. Brinkmann, Chef-Organisator und Moderator, ist ständig wie ein unruhiges Wiesel auf Achse, lässt die Bühne mal links, mal rechts liegen. Mit Folgen: Dreiste Diebe nutzen die Gunst der Stunde, klauen Pokale und Sachpreise aus dem Regal unter dem Podium. Schöner Mist. „Das war für uns alle ein großer Schock“, gesteht der „Macher“ heute. Versuch macht klug.

20 Jahre später entlocken die Ereignisse und der Blick zurück Brinkmann ein Lächeln. Er weiß, dass er Münster ein Volksfest geschenkt hat, das inzwischen alljährlich gar weltweit in den Fokus rückt. Großartig!

Ach ja, Jugoslawien gibt es übrigens nicht mehr, Pete Sampras lebt zurückgezogen in Beverly Hills mit seiner Frau Bridgette Wilson, einer US-amerikanischen Schauspielerin. Und Gerhard Schröder bestimmt noch immer die Schlagzeilen.

Teil 2: Wie Michael Brinkmann den Marathon nach Münster holte – von der Idee bis zur Umsetzung.

Zwei Polen triumphierten bei der Erstauflage

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