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Weltmeister Frankreich siegt in München mit 1:0 gegen Deutschland

Und Hummels trifft ins falsche Tor

München

Der berühmte Satz mit „X“ begleitete die deutsche Fußball-Nationalmannschaft durch das mit Spannung und Vorfreude erwartete erste Spiel der Europameisterschaft. Zwar traf in München niemand außer Mats Hummels, der jedoch ins falsche Tor und zu Frankreichs Sieg. Das war wohl nix.

Von Alexander Heflik

Verzweiflung pur nach dem 0:1: Mats Hummels (links) kann sein Eigentor nicht fassen, Torwart Manuel Neuer liegt auf dem Rücken und kommt mit seinem Rettungsversuch zu spät, während Kylian Mbappe jubelnd abdreht. Foto: Federico Gambarini/dpa

Deutschland hat den Auftakt in die Fußball-Europameisterschaft in den Sand gesetzt. Beim Auftritt in München vor 14 000 Zuschauern unterlag das Team des scheidenden Bundestrainers Joachim Löw gegen Weltmeister Frankreich mit 0:1 (0:1), davor hatte in der Gruppe F Portugal mit 3:0 gegen Ungarn gewonnen. Ausgerechnet „Rückkehrer“ Mats Hummels, der Weltmeister von 2014, bugsierte den Ball in der 20. Minute ins eigene Tor. Frankreich trumpfte wie ein Anwärter auf den Turniersieg auf, beherrscht und eiskalt. Deutschland war bemüht, aber ohne echte Durchschlagskraft. Am Samstag gegen Portugal steht die DFB-Auswahl bereits mächtig unter Druck im zweiten Gruppenspiel.

Eigentlich war das schon der Straßenfeger der gesamten Gruppenphase, mehr als nur eine Vorrundenpartie, kein Auftakt zum „eingrooven“ ins Turnier, der Vergleich zweier großer Fußball-Nationen. Der Weltmeister aus Frankreich wollte die Bestätigung, dass er auch bei der EM der unangefochtene Topfavorit ist, während der dreifache Europameister aus Deutschland auf das sportliche Erweckungserlebnis spekulierte. Und es war auch Joachim Löw gegen Didier Deschamps, beide Weltmeister-Macher, der Franzose in Russland 2018, der Deutsche vier Jahre zuvor in Brasilien – beide sind allerdings noch unerfüllt als Übungsleiter in Sachen EM-Titel.

Viel Ballbesitz - wenig Chancen

Ballbesitz-Fußball, das war dann mal wieder Löws Plan. Und die deutsche Mannschaft hatte das Spielgerät viel häufiger in Besitz als „Les Bleus“, wusste dabei aber bei weitem nicht so gescheit und gedankenschnell wie die Franzosen zu agieren. Nach dem Hoch der DFB-Auswahl in der ersten Viertelstunde, folgte effektiver französischer TGV-Fußball, Hochgeschwindigkeit bei zwei, drei Umschaltmomenten. Unfassbar lässig und souverän, wobei die Deutschen eine Vorahnung vermittelt bekamen.

Erste Warnung: ein Kopfball von Paul Pogba (16.).

Zweite Ermahnung: Kylian Mbappé vergibt, weil Manuel Neuer pariert.

Zum dritten: Pogbas Chip-Ball findet Lucas Hernandez, dessen scharfe Hereingabe Mats Hummels etwas ungelenk ins eigene Tor befördert – weil Mbappé ihm lauernd im Nacken saß. 0:1 nach 20 Minuten, der Führungstreffer praktisch auf Ankündigung, mit Macht erzwungen. Zu diesem Zeitpunkt verbuchte das Löw-Team 64 Prozent Ballbesitz. Half nichts, rein gar nichts.

Abgezockter Weltmeister

Das Zwischenfazit lautete ungefähr so, dass Frankreich wie ein abgezockter Weltmeister agierte, während Deutschland sich zwar streckte, aber im Strafraum praktisch vor einer Wand stand. Bis auf zwei dünn anmutende Freistöße aus dem Hause Kroos und einen Abschluss von Ilkay Gündogan war das zu harmlos. Kai Havertz und Serge Gnabry tauchten förmlich ab, als es ernst wurde.

Frankreich blieb zunächst eiskalt, Mbappés Anspiel verwertete Adrien Rabiot (52.) fast zum 2:0 – er traf den Pfosten. Doch zumindest zeigte das Wirkung beim deutschen Team, es wachte auf und brachte die notwendige Härte ins Spiel. Serge Gnabry vergab den Ausgleich mit einer Volleyabnahme. Ging da noch was für Löws Männer?

Doppeltes Abseits-Glück

Immer blieben sie nur einen weiteren Stich von der Niederlage entfernt, ein zweites Gegentor, vermutlich uneinholbar gegen diesen Gegner. Und als Kylian Benzema mit Ginter erst einen kleinen Tanz aufführte, und dann zum 2:0 traf, war es geschehen. Wobei der spanische Schiedsrichter Carlos del Cerro Grande, was für ein Name, da ein Einsehen hatte – und auf Abseits entschied. Später nahm er das 2:0 von Mbappe zurück, da half der Video-Schiedsrichter nach.

Die Franzosen lauerten, blieben geduldig, bei den Hausherren waren die Angriffe dagegen wütend und gleichermaßen oft unpräzise. So wurde das nichts.

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