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Badminton: Final Four

„Unfassbar emotional“ – Josche Zurwonnes Aus- und Rückblick

Lüdinghausen

Für Josche Zurwonne (Union Lüdinghausen) ist es nach 2019 die zweite Teilnahme am Finalturnier um die Team-DM. Auch beim bislang einzigen Titelgewinn vor sieben Jahren in eigener Halle war der 32-Jährige dabei. Das eine sei mit dem anderen kaum zu vergleichen.

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Die Gefühle müssen raus: Josche Zurwonne beim legendären DM-Endspiel 2014 zwischen Lüdinghausen und Mülheim. Foto: Marco Steinbrenner

Badminton-Bundesligist Union Lüdinghausen ist, zum zweiten Mal nach 2019, beim Final-Four-Turnier um die Deutsche Meisterschaft dabei, das am Wochenende (19./20. Juni) in Wipperfürth steigt. Josche Zurwonne, dienstältester Nullachter, wagt im Gespräch mit unserem Redaktionsmitglied Florian Levenig einen Ausblick – und schaut auf den vielleicht bewegendsten Moment seiner Karriere zurück.

Als wir Sie kürzlich fragten, ob im Juni wirklich um den nationalen Team-Titel gespielt werde, war Ihre Antwort: „Ich befürchte es.“ Hat sich Ihre Skepsis inzwischen gelegt?

Zurwonne: Ja. Seinerzeit war das Infektionsgeschehen ein ganz anderes. Jetzt, da die Zahlen landauf, landab sinken, ist das Risiko, in die Halle zurückzukehren, vertretbar – jedenfalls dann, wenn alle so verantwortungsvoll handeln, wie das in den Playoffs der Fall war.

Zum Sportlichen: Union hat sich, gerade in den Doppeln, in Saarbrücken exzellent verkauft. Hatten Sie damit gerechnet?

Zurwonne: Sagen wir, ich hatte es gehofft. Keiner wusste im Vorfeld so genau, wo wir leistungsmäßig stehen – ich am allerwenigsten seit meinem Rückzug aus dem Profisport. Ich habe gleichwohl ganz gut trainiert und auch die Lust am Badminton wiederentdeckt, die während der Pandemie ein bisschen gelitten hatte.

Wie macht sich Ihr neuer Partner Ties van der Lecq?

Zurwonne: Super. Als junger Spieler das erste Doppel in der Bundesliga zu bestreiten, kann ein echter Rucksack sein. Aber Ties ist kein Stück verkrampft. Und wenn auch ich der Mannschaft auf meine alten Tage ein wenig helfen kann: umso besser.

Was können die beiden anderen Neuzugänge?

Zurwonne: Eine Menge. Aram (Mahmoud – d. Red.) und Max (Weißkirchen – d. Red.) sind nicht nur exzellente Sportler, sondern auch richtig gute Typen. Gerade an Max und seiner mitreißenden Art wird das Lüdinghauser Publikum noch viel Freude haben.

Im Halbfinale trifft Union am Samstag auf Wipperfeld – und ist laut 08-Teammanager Michael Schnaase krasser Außenseiter. Wohingegen BCW-Boss Andreas Lamsfuß über die vielen Ausfälle klagt und die Favoritenbürde an Lüdinghausen weiterreicht. Ihre Meinung dazu?

Zurwonne: Ich bin da näher bei Michael. Die Wipperfelder haben einen großen, ausgeglichenen Kader. Die können Leistungsträger eher ersetzen als wir. Wenn wir aber, als Team, über uns hinauswachsen, dann ist auch in dem Spiel was möglich.

Was halten Sie von dem Modus?

Zurwonne: Ich verstehe die Argumente pro Final Four. Die Vermarktungschancen. Ein mögliches Interesse von TV-Sendern an dieser komprimierten Form. Und vor zwei Jahren, in Willich, waren unsere Fans mit Abstand am lautesten. Aber ganz ehrlich? Mit der Stimmung 2016 im Halbfinale gegen Refrath oder im Endspiel zwei Jahre davor gegen Mülheim bei uns im Anton ist das nicht zu vergleichen.

Der Sieg im Finale 2014 – Ihr größter sportlicher Moment?

Zurwonne: Ja, neben dem ersten DM-Gold im Doppel mit Max Schwenger. Dagegen verblassen selbst internationale Erfolge – gerade weil Union damals nicht erster Titelanwärter war. Was wir da als Kollektiv geschafft haben – so eine tolle Truppe! Und ich meine nicht nur die paar Leute, die im Spielbericht standen, sondern auch die über 600 Fans, die uns angepeitscht haben. Unfassbar emotional!

Eine tolle Truppe hat Lüdinghausen auch jetzt offenbar beisammen.

Zurwonne: Stimmt. Aber damals hatten wir ein knappes Jahr, um zusammenzuwachsen, diesmal sind es ganze acht Tage. Ich formuliere es mal so: Wir können in Wipperfürth den Grundstein legen für etwas ähnlich Großes, was wir vor sieben Jahren vollbracht haben.

Zur Person

Josche Zurwonne ist Ur-Lüdinghauser. Vier Mal gewann der 32-Jährige bei Team-Europameisterschaften Edelmetall, dazu zwei Mal den DM-Titel im Doppel. Nach der Profikarriere begann Zurwonne ein Referendariat am St.-Pius-Gymnasium in Coesfeld, wo er inzwischen als Lehrer Sport und Erdkunde unterrichtet.

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