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Volleyball: DVV-Pokal der Frauen

USC Münster locker ins Pokalhalbfinale

Münster/Wiesbaden

Ein überzeugender Auftritt einer von sich überzeugten Mannschaft: Der USC Münster steht nach einem souveränen 3:0-Erfolg beim VC Wiesbaden im Halbfinale des DVV-Pokals. Nach dem jüngsten Liga-Coup in Potsdam präsentierte sich das Team um Trainerin Lisa Thomsen auch im Pokal von seiner besten Seite – und ist noch nicht am Ende der Pokalreise angelangt.

Von Ansgar Griebel

So sehen Siegerinnen aus: Der USC Münster feiert den Einzug ins Pokalhalbfinale. Foto: Detlef Gottwald

Nach getaner Arbeit waren die Energiereserven bei den Volleyballerinnen des USC Münster noch lange nicht aufgebraucht: Während die Gegnerinnen vom VC Wiesbaden frustriert am Boden lagen, legten die Siegerinnen aus Münster noch eine flotte Sohle aufs Parkett. Auch auf der nächtlichen Rückfahrt nach Münster dürfte kaum Müdigkeit aufgekommen sein. "Vier, viereinhalb Stunden, die werden uns nicht schwer fallen. Da wird die Musik wohl etwas lauter gedreht werden", prophezeite Trainerin Lisa Thomsen. Der USC steht nach einem überzeugenden 3:0 (25:19, 25:19, 25:22)-Sieg beim VC Wiesbaden im Halbfinale des DVV-Pokals – und unterstrich mit einem engagierten Auftritt in der Sporthalle am Ring den unverkennbaren Aufwärtstrend, der sich beim jüngsten Liga-Coup beim Potsdamer SC bereits mehr als andeutete. Ausgerechnet in Wiesbaden, wo das Team vor Monatsfrist noch zwei Matchbälle vergab und mit dem fehlenden Matchglück haderte, spielte am Samstagabend das Glück so gar keine Rolle, weil nach exakt 90 Minuten schlicht und ergreifend die bessere Mannschaft den Erfolg sicher einfuhr.

Leere Ränge statt blauer Wand

Wiesbaden, das Im Viertelfinale noch Titelverteidiger Schwerin eliminiert hatte, fehlte am Samstag der Zugriff, aber wohl auch die berüchtigte blaue Wand auf der Tribüne als lautstarke Rückendeckung. 2G+ als Zugangsregelung zeigte in der hessischen Landeshauptstadt Wirkung, die Ränge waren mit 626 Zuschauern eher spärlich gefüllt, das Heimteam mehr oder weniger auf sich allein gestellt – zu wenig an diesem Abend gegen den USC. "Ich bin unfassbar stolz", freute sich Thomsen über den Auftritt ihrer Schützlinge. "Natürlich hat der Sieg in Potsdam uns beflügelt. Ich glaube, dass alle Spielerinnen heute zwei Zentimeter größer waren. Ich wusste von Beginn an, dass wir dieses Spiel heute nicht verlieren können."

Potsdam-Formation unverändert

Thomsen bediente sich in Wiesbaden einer bewährten Fußballer-Weisheit, die offensichtlich auch im Volleyball ihren Charme entfaltete. „Never change a winning team“, lautete die Anleihe: Nach dem jüngsten Überraschungscoup in der Liga schickte Thomsen exakt die Startformation aufs Feld, die auch beim 3:2-Sieg in Potsdam den Vortritt erhalten hatte. Mithin durfte erneut Marta Hurst die Libera-Position besetzen, während die wiedergenesene Erika Kildau die Beobachterrolle einnahm und – soviel sei vorweggenommen – mangels Notwendigkeit auch behalten durfte. Zudem griff Thomsen ein wenig in die geheime Trickkiste, auf die wohl nur Trainerinnen Zugriff haben, die auch schon unzählioge Spiele auf dem Feld absolviert haben. "Wir wussten, dass Wiesbaden sich über das Los gefreut hatte: Heimrecht und mit uns ein Gegner, den sie gerade erst geschlagen hatten. Aber das erhöht natürlich auch den Druck. Und dann haben wir uns nach dem Münzwurf für den Seitenwechsel entschieden. Das ist ungewöhnlich und geht in der Liga im Moment gar nicht, im Pokal schon. Und das war noch ein kleiner Schub an Verunsicherung für Wiesbaden." Und ein Schachzug, der sich lohnen sollte – auch weil sich  Barbara Wezorke und Juliane Schröder ein wunderschönes Plätzchen für zwei solide Aufschlagsserien sicherten, die den Gast schnell und effektiv in die Spur brachten. „Wir entwickeln weiter“, stand auf dem Werbebanner, von dem aus die beiden Routiniers die Bälle blitzgescheit ins Spiel brachten – die Botschaft kam offensichtlich an und Wezorke und Schröder entwickelten nach Herzenslust: Zunächst vom 1:2 zum 7:2 (Wezorke), anschließend vom 11:10 zum 17:10 (Schröder). Einzig der vom Wiesbadener Trainer Benedikt Frank gleich dreifach bemühte Videobeweis hielt die Gastgeberinnen im Rennen – zu Recht, weil die überprüften Punkte allesamt an den VCW gingen, aber letztlich brotlos, weil der USC im Block entschlossen zupackte, im Angriff kompromisslos durchzog und zudem keinen Ball verloren gab.

Kirchhoff kommt und zeigt Klasse

Mitte des Durchgangs machte Elena Kömmling dann Platz für Mia Kirchhoff – und das USC-Eigengewächs fügte sich zunächst mit mutigen, später mit gewinnbringenden Angriffsaktionen nahtlos ein in einen rundum gelungenen Auftritt des USC. Exakt eine halbe Stunde dauerte der erste Abschnitt, ehe er mit 25:19 für den USC zu den Akten gelegt werden konnte – und als Blaupause für Durchgang zwei diente: Eine Minute kürzer, gleiches Resultat, der USC hatte zwei Drittel des Weges ins Pokalhalbfinale hinter sich.

Auch bei Rückstand nervenstark

Im dritten Durchgang suchten die Gastgeberinnen wie von USC-Trainerin Lisa Thomsen beim Wechsel vorhergesagt ihr Heil in der Flucht, zogen auf 8:4 und 12:8 davon – ohne jedoch einen erstaunlich abgeklärten und selbstbewussten Gegner ernsthaft beunruhigen zu können: Der USC glich aus (15:15), zog davon (19:16), ließ den Gegner noch einmal schnuppern (21:21) und hatte dann wie beim letzten Zusammentreffen erneut zwei Matchbälle. Diesmal mit dem richtigen und verdienten Ende: Maria Schlegel ließ es zum Abschluss noch einmal richtig krachen - und dann Feierabend.

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